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Umstrittene Steuer-CD:HSBC-Bank räumt Datendiebstahl ein

CDs mit Informationen über mutmaßliche Steuerhinterzieher nennen Namen. Die HSBC-Bank räumt nun als erstes Institut ein, dass es sich auch um ihre Kunden handelt.

Seit Monaten kursieren CDs mit gestohlenen Daten mutmaßlicher Steuerhinterzieher in der Öffentlichkeit - seitdem bibbern Tausende Bankkunden und fürchten, ihre Finanzgeschäfte könnten auffliegen. Eine Frage elektrisiert seitdem alle Beteiligten: Von welcher Bank stammen die Daten überhaupt?

Nun hat zum ersten Mal ein Geldhaus bestätigt, dass eine im Ausland aufgetauchte CD mit gestohlenen Kundendaten aus dem eigenen Haus stammt. Die Genfer Vermögensverwaltungstochter der britischen Großbank HSBC erklärte, die im Jahr 2009 in Frankreich aufgetauchte Scheibe enthalte Daten über rund 15.000 Kunden, die bereits vor 2006 Geschäftsbeziehungen mit der Bank unterhalten hätten. Die HSBC hat inzwischen Kontakt zu den Kontobesitzern aufgenommen und sich entschuldigt. Untersucht wird die Affäre nun auch von der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA).

Betroffen sind einem HSBC-Sprecher zufolge Kunden auf der ganzen Welt. Nicht gefährdet seien Daten von Niederlassungen der Bank außerhalb der Schweiz oder von anderen Unternehmen innerhalb der HSBC-Gruppe.

Der Fall weist Parallelen zu den Steuer-CDs auf, die in Deutschland den Behörden zum Kauf angeboten wurden. Die kürzlich von Nordrhein-Westfalen für 4,5 Millionen Euro erworbene CD soll Daten von 1500 Kunden der Großbank Credit Suisse enthalten. Die Bank erklärte wiederholt, sie habe keine Informationen dazu und keine Hinweise darauf, dass Daten bei ihr illegal kopiert worden seien.

Streit der Behörden

Als im Dezember eine früherer EDV-Angestellter die CD an die französischen Behörden übergab, kam es zu einem diplomatischen Streit zwischen Frankreich und der Schweiz. Die Schweiz forderte zunächst, dass Frankreich die Daten nicht verwenden dürfe, da sie unter Bruch der Schweizer Bankgeheimnisses erlangt worden seien. Die Nachbarn legten ihren Streit im Februar bei und die Regierung in Bern erhielt eine Kopie der Datensätze, die die Behörden Anfang März an die Bank weitergaben.

Offenkundig war es der HSBC, die in der Schweiz 100.000 Kunden aus dem In- und Ausland betreut, erst mit der Kopie möglich, die Herkunft der Daten genau festzustellen. Der frühere Angestellte Herve Falciani habe die Daten aus dem System der Bank auf seinen persönlichen Computer kopiert, sagte Zeller weiter. Das habe viel Arbeit und eine Menge böswilliger und krimineller Energie erfordert, da die Bank ihre Daten geschützt habe. Seit die Affäre läuft, hat HSBC weitere 100 Millionen Franken für EDV-Sicherheit ausgegeben.

Vor einigen Jahren waren bei der Liechtensteiner LGT Bank Daten gestohlen und von der deutschen Bundesregierung aufgekauft worden. Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel wurde dann wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Ein deutscher Industrieller, dem ebenfalls Steuerhinterziehung nachgewiesen wurde, verklagte daraufhin die Bank, weil sie ihn nicht auf den Diebstahl hingewiesen hatte und erhielt erstinstanzlich eine Entschädigung in Millionenhöhe zugesprochen.

© sueddeutsche.de/Reuters/apn/tob
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