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Umstellung auf einheitliche Bankdaten:Langes Warten auf die lange Kontonummer

Übergangsfrist für SEPA verlängert

Da bleibt noch Zeit, zum Scrabble-Spielen: Unternehmen und Vereine müssen erst zum 1. August auf das Zahlungssystem Sepa umstellen.

(Foto: dpa)

Kurz vor Ablauf der Frist beugt sich die EU-Kommission: Unternehmen und Vereine bekommen noch bis August Zeit, auf die superlangen Sepa-Kontonummern umzustellen. Bei der Europäischen Zentralbank ist man nicht begeistert.

Die EU zieht die Reißleine: Eigentlich sollte das europaweit einheitliche Zahlungssystem Sepa am 1. Februar eingeführt werden. Doch weil viele kleine Unternehmen und Vereine für die Umstellung nicht bereit sind, will EU-Kommissar Michel Barnier die Frist um ein halbes Jahr auf 1. August verlängern. Die EU-Staaten und das europäische Parlament müssen noch zustimmen.

"Ich bedauere, dies tun zu müssen, aber das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um dem Risiko von Zahlungsunterbrechungen und möglichen Folgen besonders für Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen entgegenzuwirken", erklärte Barnier am Donnerstag.

Wichtigstes Element von Sepa ist eine einheitliche europaweite Kontonummer, die 22-stellige Iban. Sie besteht in Deutschland aus dem Länderkürzel DE, einer zweistelligen Prüfziffer, dann folgen die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Außerdem ist ein elfstelliges Bankenkürzel (Bic) nötig. Iban und Bic mussten bisher schon bei Überweisungen ins Ausland angegeben werden. Wenn Sepa eingeführt ist, werden sie auch bei Überweisungen im Inland verpflichtend.

Offenbar Streit zwischen EU-Kommission und EZB

Privatpersonen haben noch bis zum 1. Februar 2016 Zeit, so lange können sie die alte Kontonummer und Bankleitzahl nutzen. Für Unternehmen, Vereine und staatliche Stellen dagegen galt die Frist 1. Februar. Bis dahin sollten sie die Bankverbindungen ihrer Kunden für Lastschriften mit Iban erfassen. Zudem brauchen sie von der Bundesbank eine Nummer, mit der sie als Gläubiger im Zahlungsverkehr eindeutig identifiziert werden können.

Viele Unternehmen und Vereine haben das noch nicht getan. Die Bundesbank teilte mit, dass Mitte November noch nicht einmal die Hälfte der Firmen Sepa-fähig waren. Viele Unternehmen wollten offenbar auf den letzten Drücker umstellen. Die Umstellung ist auch für Banken aufwendig. Sie müssen Überweisungen künftig intensiver prüfen. Bankengewerkschaften warnten schon im Herbst, dass die Institute personell nicht vorbereitet seien und es zu Problemen im Zahlungsverkehr kommen könnte.

Kommissar Barnier zog daraus nun die Konsequenzen. Er sagte: "Ich habe mehrfach gewarnt, dass die Umstellung zu langsam läuft, und ich rufe die Mitgliedstaaten erneut auf, ihre Verantwortung zu übernehmen." Der 1. August sei nun der allerletzte Termin. Im Hintergrund gab es offenbar Streit zwischen EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB). EZB-Präsident Mario Draghi sagte: "Die Verschiebung ist die Initiative der EU-Kommission." Aus Notenbank-Kreisen erfuhr die SZ, dass man dort wenig Verständnis für den Schritt von Barnier habe. "Man kann nicht zwei Jahre vorher einen Termin festlegen und dann kurz vor Ende sagen, dass alles doch nicht so ernst gemeint war", hieß es. Das trage nicht zur Glaubwürdigkeit einer Institution bei.