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Uhren als Geldanlage:Der wertvolle Tick

Gute Zeiten für Sammler: In der Krise werden edle Uhren auch für normale Menschen bezahlbar - zugleich jedoch werden für ausgewählte Modelle horrende Preise bezahlt.

Zeitenwende am Markt für Luxusuhren: Jahrelang profitierten die Hersteller vom Wirtschaftsboom und den neuen Reichen in Schwellenländern. Bei ausgesuchten Uhren etwa aus der Schweizer Manufaktur Patek Philippe mussten Käufer bis zu fünf Jahre warten und sie taten es klaglos. Das Stiftungsunternehmen Rolex ließ sich für die Lieferung der Stoppuhr Daytona in Stahl bis zu sieben Jahre Zeit.

Patek Philippe, Uhr, Foto: AFP

Für seltene Uhren wie diese Patek Philippe aus 18-karätigem Rosé-Gold sind Sammler bereit, mehrere Hunderttausend Euro zu zahlen.

(Foto: Foto: AFP)

Doch der Boom ist erst einmal vorbei. Die Ware kommt mittlerweile deutlich schneller - für eine Daytona liegt die Lieferzeit zwischen sechs und zwölf Monaten. Gute Zeiten für Anleger und Sammler, denn auch edle Stücke sind wieder bezahlbar. Und das Wertsteigerungspotenzial für ausgewählte Marken und Modelle ist nach wie vor groß.

Dalai Lama: Fan von Rolex

Verpönt war der Luxus am Handgelenk oder der Kette noch nie - weder bei Revolutionären noch bei Religionsführern. Che Guevara trug eine Rolex, für diese Marke schwärmt bis heute auch der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter. Beide trugen ihr Prachtstück mit mehr Souveränität als etwa Klaus Kleinfeld. Der ehemalige Vorstandschef des Siemens-Konzerns ließ seine Rolex vom offiziellen Pressefoto wegretuschieren.

Noch im vergangenen Jahr exportierte die Schweizer Uhrenindustrie, der mit Abstand wichtigste Lieferant für Zeitmesser, Uhren für 17 Milliarden Schweizer Franken. Seit 2003 haben sich die Lieferungen ins Ausland um rund 70 Prozent erhöht. Der Abschwung setzte bereits im Herbst 2008 ein. Von Januar bis Mai dieses Jahres fielen die Exporte um ein Viertel auf fünf Milliarden Franken. "Die Nachfrage ist eingebrochen, vor allem in der Preislage zwischen 10.000 und 20.000 Schweizer Franken", sagt Donato Trivisano, Inhaber von Mundwiler-Juwelen im schweizerischen Winterthur. Die Manufakturen lieferten ihre Modelle nun verstärkt nach Europa, weil hier die Nachfrage noch nicht eingebrochen sei. Das kann noch kommen.

Das sieht Sadullah Yalcin, Inhaber von Cologne Watch, nicht nur negativ. Denn "man bekommt jetzt gefragte Modelle viel schneller als früher". Yalcin betreibt ein Geschäft in der Kölner Innenstadt und handelt mit neuer und alter Ware, ist aber kein Konzessionär für Luxusmarken, er muss also nicht zum Listenpreis verkaufen. Nicht selten dienen auch Juweliere, die dringend Liquidität benötigen, Neuware an, die Yalcin dann mit deutlichen Rabatten weiterverkauft, gesuchte Modelle aber auch über dem Listenpreis. Solche Uhren dürfen dann aber nicht als "neu" gekennzeichnet werden, sondern als "ungetragen". Wer Uhren eher als Geldanlage sehe, der "sollte sich auf einige wenige Marken und hier wieder auf ausgesuchte Modelle konzentrieren", raten die Spezialisten Trivisano und Yalcin übereinstimmend.

Sportmodelle - stabil im Wert

Die unter Sammlern und Investoren gleichermaßen beliebten Nobelmarken Rolex, Audemars Piguet und Patek Philippe sind allesamt noch eigenständig. Am Image gemessen folgen mit einigem Abstand große Luxuskonzerne wie Richemont, Swatch oder LVMH eingebundene Marken wie IWC, Jaeger-LeCoultre, Panerai und die beiden ostdeutschen Hersteller Lange & Söhne sowie Glashütte.

Rolex ist ohnehin eine Klasse für sich. Wie viele Uhren jedes Jahr gebaut werden, zählt zu den best gehüteten Geheimnissen der Branche. Schätzungen besagen rund eine Million Stück. Die Sportmodelle sind über Jahre hinweg stabil im Wert. So kostete die Submariner in Stahl im Jahr 2000 rund 3500 D-Mark, heute gehen gebrauchte Stücke für 2500 Euro und mehr über den Tresen.

Deutlich größere Wertzuwächse verzeichnet die Daytona. Der legendäre Chronograph, Liebling von Filmstars und Sporthelden, kostete vor vier Jahrzehnten in Stahl um die 900 Mark. Heute gehen diese Modelle in gutem Zustand, abhängig von Baureihe oder Zifferblatt, zu Preisen bis 100.000 Euro um. "Bei den Rolex-Sportmodellen in Stahl kann man praktisch nichts falsch machen", sagt Sadullah Yalcin. Neu kosten solche Uhren heute zwischen 4000 und 8000 Euro.

Gute Aussichten haben auch ausgesuchte Stücke von Audemars Piguet wie Exemplare aus der Reihe Royal Oak Offshore. Auf wenige Hundert Stück limitiert sind sie Rennfahrern wie Juan Pablo Montoya oder Rubens Barrichello gewidmet. Auch Arnold Schwarzenegger wurde die Ehre zuteil, als er noch den Terminator mimte. Neu kostet die Uhr um 15.000 Euro. Für das Terminator-Modell zahlen Sammler heute schon mal 30.000 bis 40.000 Dollar.

Begehrte Sondermodelle

Hoch im Kurs stehen auch die Zeitmesser von Patek Philippe. Momentan nur mit großer Mühe bei Konzessionären erhältlich ist das neue Chronographen-Kaliber, das im Jahreskalender der Manufaktur und in der Sportuhr Nautilus verbaut wird. "Im vergangenen Jahr bezahlten Investoren und Sammler dafür Aufschläge auf den Neupreis zwischen 50 und 100 Prozent", so Händler Yalcin. Die Listenpreise für die teuren Stücke liegen bei knapp 30.000 Euro (Nautilus) und um die 50.000 Euro (Jahreskalender).

Um den Anschluss an die drei Großen nicht zu verlieren, verfolgen die Konkurrenten unterschiedliche Strategien. So bauen Breitling und Panerai neuerdings auch eigene Uhrenwerke. Andere punkten mit ungewöhnlichen Materialien wie Keramik, Karbon oder Titan oder warten zu jeder Fachmesse mit technischen Spielereien auf wie etwa Jaeger-LeCoultre aus dem Richemont-Imperium mit einem Chronographen, der über das Uhrenglas gesteuert wird. IWC profiliert sich als Naturschützer. Unter Sammlern begehrt sind mittlerweile die limitierten Sondermodelle der Sport- und Taucheruhr Aquatimer, die dem Meeresforscher Jacques Cousteau oder neuerdings den Schildkröten-Schützern der Galapagos-Inseln gewidmet sind.

Bei aller Sammelleidenschaft und dem Bestreben, selbst mit Luxusgütern noch Geld zu verdienen - "entweder eine Uhr gefällt, oder sie gefällt nicht. Der Gesichtspunkt eines lukrativen Investments sollte nicht unbedingt im Vordergrund stehen", meint Donato Trivisano.

© SZ vom 20.07.2009/tob

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