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Überweisungen in der EU:Iban, die Schreckliche

Die EU will, dass es bald nur noch 22-stellige Kontonummern gibt. Deutschland möchte das verhindern. Denn die lange Nummer ist nicht nur umständlich. Sie birgt große Risiken.

Daniela Kuhr

DE47344800123000379800 - wer will sich eine solche 22-stellige Folge von Buchstaben und Zahlen merken? Und dazu noch eine weitere elfstellige Kombination? Niemand. Und deshalb stellt sich die Bundesregierung jetzt gegen entsprechende Pläne aus Brüssel.

Verbraucherschützer befürchtet Chaos bei Kontonummern

22 Stellen hat die Iban, die International Bank Account Number. Das Risiko, sich dabei zu verschreiben, ist groß.

(Foto: dpa)

Die EU-Kommission will erreichen, dass spätestens von 2013 an Überweisungen von Konten innerhalb der EU nur noch mit dem europäischen Zahlungssystem Sepa erfolgen. Wer Geld transferieren möchte, müsste künftig in die Felder auf dem Überweisungsformular eine 22-stellige Iban (International Bank Account Number) sowie einen elfstelligen Bic (Bank Identification Code) eintragen. Von ihrer vertrauten, deutlich kürzeren Kontonummer und Bankleitzahl müssten die deutschen Verbraucher sich also verabschieden.

Doch die Bundesregierung will das verhindern. Das geht aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des CSU-Abgeordneten Herbert Frankenhauser hervor. In dem Schreiben betont Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) zwar, wie wichtig ein "harmonisierter Euro-Zahlungsverkehrsraum" sei, aber: "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass zur Abwicklung rein nationaler Zahlungsvorgänge neben Iban und Bic auch die Verwendung von Kontonummer und Bankleitzahl weiterhin möglich bleiben muss." Nähere Gründe nennt Kampeter nicht.

"Gefahr von Fehlüberweisungen steigt"

"Wir wollen, dass die Interessen der Verbraucher nicht zu kurz kommen", sagt eine Sprecherin des Finanzministeriums. "Für die Kunden sind die langen Zahlen kompliziert und verlangen deutlich mehr Aufwand und Konzentration beim Ausfüllen einer Überweisung."

Laut Verbraucherschützern kommen zwei Punkte erschwerend hinzu: "Seit Oktober 2009 müssen Banken bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängernamen passt", sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Wohin die Überweisung gehe, richte sich allein nach der Kontonummer. "Je länger diese aber ist, umso leichter verschreibt man sich mal." Zwar verhindere eine Prüfziffer, dass jeder Zahlendreher gleich einem anderen Konto zugeordnet werden kann, "aber natürlich steigt die Gefahr von Fehlüberweisungen".

Warten, bis das Geld beim falschen Empfänger ist

Hinzukommt ein zweiter Punkt: "Ist eine Überweisung erst einmal abgeschickt, also etwa per Onlinebanking, ist sie nicht mehr widerrufbar", sagt Pauli. Der Kunde muss in dem Fall warten, bis das Geld beim falschen Empfänger eingegangen ist, und sich dann an diesen wenden. "Das Problem ist nur: Den Empfänger kenne ich ja gar nicht", erklärt der Verbraucherschützer. "Und die Bank darf mir auch nicht sagen, zu wem die Kontonummer gehört." Der Kunde habe also keine andere Wahl, als die Bank um Unterstützung bei der Rückbuchung zu bitten. "Das aber geschieht auf eigenes Risiko und eigene Kosten."

Für die Bevölkerung seien die längeren Kontonummern ein reines Ärgernis, sagt Frankenhauser. "Vor allem ältere Kunden werden damit Probleme haben." Die Regierung will sich nun für eine verbraucherfreundlichere Lösung einsetzen. "Es wäre denkbar, dass die Kunden auch in Zukunft ihre vertrauten Zahlen verwenden, die Banken diese aber automatisch in Iban und Bic umrechnen", sagt die Ministeriumssprecherin. "Technisch ist das möglich."

© SZ vom 02.01.2011/sukl
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