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Überschüsse bei gesetzlichen Krankenkassen:Merkel stellt Praxisgebühr infrage

Ein Arztbesuch kostet zehn Euro: Die Praxisgebühr ist höchst umstritten, weil die Krankenkassen Milliarden an Rücklagen haben. Noch vor wenigen Wochen hatte die Kanzlerin abgelehnt, die Gebühr zu kippen - nun überdenkt sie ihre Haltung. Viele Versicherte dürfen sich jetzt schon freuen.

Ärztestreik

Einmal abhorchen? Erstmal zehn Euro bezahlen.

(Foto: dpa)

Angesichts der enormen Überschüsse im Gesundheitssystem überdenkt nun auch erstmals Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr klares Nein zur Abschaffung der Praxisgebühr. Die Reserven in der gesetzlichen Krankenversicherung werden im nächsten Jahr voraussichtlich auf weit mehr als 20 Milliarden Euro steigen, wie das Bundesversicherungsamt berechnet hat.

Die Kanzlerin "denkt intensiv über die Argumente, die da vorgebracht werden, nach", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert. Noch im August hatte Seibert gesagt, die Praxisgebühr stehe "nicht zur Disposition".

Merkels Koalitionspartner drängt schon länger auf ein Ende der Praxisgebühr. Diese habe endgültig "ihre Daseinsberechtigung verloren", betonte FDP-Generalsekretär Patrick Döring erneut. Ein Sprecher von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bezeichnet die Praxisgebühr als "verkorkst".

Seit 2004 muss jeder Patient beim ersten Arztbesuch im Quartal zehn Euro Gebühr bezahlen. Das bringt jährlich etwa zwei Milliarden Euro ein. Kritiker monieren, dass das Ziel, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren, jedoch verfehlt wurde.

Techniker Krankenkasse zahlt Praxisgebühr zurück - unter Bedingungen

Wegen der hohen Finanzreserven im Gesundheitssystem beteiligen immer mehr Kassen ihre Versicherten an den Rekordüberschüssen (hier eine Übersicht). Mit der Techniker Krankenkasse (TK) kündigte nun Deutschlands zweitgrößte Versicherung an, ihren Mitgliedern eine Prämie zu zahlen und unter bestimmten Bedingungen die Praxisgebühr zu erstatten.

Die TK will ihren Versicherten die Gebühr im Rahmen eines Bonusprogramms erstatten. Wer vier Vorsorgemaßnahmen wie Zahnvorsorge, Früherkennungsuntersuchungen oder Sportabzeichen nachweist, kann bis zu 60 Euro im Jahr zurück bekommen.

Der Verwaltungsrat beschloss zudem, den etwa sechs Millionen Mitgliedern für das kommende Jahr eine Prämie von bis zu 80 Euro auszuschütten, sofern sie vom 1. Mai bis 31. Dezember 2013 Beiträge gezahlt haben. Insgesamt summieren sich die Prämienzahlungen nach Angaben der Kasse auf 500 Millionen Euro.