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Tipps zu Kreditauskunfteien:Verdacht auf Irrtum? Nachhaken!

Die Kreditauskunft Schufa muss grundsätzlich nicht ihre genauen Berechnungen verraten. Aber haben Verbraucher das Recht, über ihre Daten informiert zu werden? Und was genau ist eigentlich "Scoring"? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Verbraucherschützer hatten sich ein anderes Urteil erhofft, doch nun steht fest: Die Kreditauskunftei Schufa muss grundsätzlich nicht verraten, wie sie die Bonität von Privatpersonen berechnet. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag entschieden - und damit viele Fragen aufgeworfen. Die SZ beantwortet die wichtigsten.

Ist das, was der Klägerin passiert ist, ein Einzelfall?

Leider nein. Die Klägerin, die einen BMW Mini finanzieren wollte, hatte nach einer Anfrage bei der Schufa zunächst keinen Kredit bekommen. Nur weil sie überzeugt war, dass es sich um einen Irrtum handelt und sie in Wahrheit von bester Bonität sei, hatte sie nachgehakt. Bei anderen Verbrauchern geht es vielleicht nicht um ein Auto, dafür aber um einen Telefonvertrag, der ihnen verweigert wird, oder eine Zahnarzt-Behandlung , die ihnen nur gegen Vorkasse gewährt wird. So unterschiedlich die Fälle sein mögen, dahinter steckt immer das gleiche Phänomen: Die Kunden hatten einen negativen Score-Wert - und damit ein hohes Risiko, ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachzukommen.

Was genau ist eigentlich "Scoring"?

Dabei handelt es sich um ein automatisiertes Verfahren, mit dem Banken, Versand- und Autohäuser, aber auch Autovermieter, Telekommunikationsunternehmen und etwa Versicherungen die Bonität ihrer Vertragspartner bewerten lassen. Dafür haben sie entweder eigene Programme oder sie wenden sich an Auskunfteien wie die Schufa, Infoscore oder Arvato. Anhand von bestimmten Daten des Kunden, wie beispielsweise dessen Beruf, Familienstand, Geschlecht, der Anzahl seiner Kreditkarten, unbezahlten Rechnungen oder auch anhand seiner Wohngegend wird ein Score-Wert ermittelt. Dieser soll angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit er seinen Vertragsverpflichtungen nachkommen wird. Fällt der Score-Wert hoch aus, kann der Kunde problemlos seinen Vertrag abschließen. Fällt er dagegen niedrig aus, wird ihm der Vertrag entweder komplett verweigert oder aber er bekommt ihn nur zu schlechteren Konditionen, muss also beispielsweise für einen Kredit mehr Zinsen zahlen als andere.

Wieso kann ein Kunde mehrere Score-Werte gleichzeitig haben?

Die Schufa beispielsweise berechnet verschiedene Score-Werte, die sich jeweils auf andere Branchen beziehen, etwa auf die Telekommunikationsbranche, den Handel, Versandhändler oder Banken. Der Grund dafür ist, dass Kunden, die knapp bei Kasse sind, sich unterschiedlich verhalten, je nachdem mit welcher Branche sie es zu tun haben. So wird ein Verbraucher vermutlich eher seinen Handy-Vertrag nicht mehr bezahlen als seinen Immobilienkredit. Denn auf sein Handy verzichtet man leichter als auf seine Wohnung, die dann ja womöglich zwangsversteigert würde.

Wie erfahren Verbraucher ihre Score-Werte?

Genau da liege bereits das erste Problem, meint Christian Pauli, Datenschutz-Experte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Häufig würden die Kunden gar nicht mitbekommen, dass sie gescort wurden. "Wer aber bei einem Versandhändler plötzlich nur noch gegen Vorkasse bestellen darf oder wem ein Handy-Vertrag verweigert wird, sollte hellhörig werden", sagt Pauli. "Man sollte unbedingt nach dem Grund für die schlechte Behandlung fragen." Stelle sich dann heraus, dass es an einer negativen Bonitätsauskunft liegt, sollten Verbraucher fragen, welche Auskunftei genau eingeschaltet worden sei - und sich an diese wenden. So hatte es auch die Klägerin in dem BGH-Fall gemacht. Bei ihr handelte es sich um die Schufa, eine der ganz großen Wirtschaftsauskunfteien, die die Daten von 66 Millionen Verbrauchern gespeichert hat.

Auf welche Auskünfte genau haben Verbraucher Anspruch?

Seit 1. April 2010 ist es ausdrücklich in § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes geregelt: Im Falle eines Scorings muss die "verantwortliche Stelle dem Betroffenen auf Verlangen Auskunft" erteilen über "die zur Berechnung der Wahrscheinlichkeitswerte genutzten Datenarten" sowie "das Zustandekommen und die Bedeutung der Wahrscheinlichkeitswerte einzelfallbezogen und nachvollziehbar in allgemein verständlicher Form".

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