Tipps für Verbraucher So tricksen Shampoo-Hersteller

Das Geschäft mit den Haaren ist lukrativ. In keinem anderen Kosmetikbereich wird so viel Umsatz gemacht wie mit Haarpflege-Produkten: 2013 mehr als drei Milliarden Euro, schätzt der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Die Auswahl ist groß, die Werbung verspricht so einiges: Mal soll das Shampoo für Volumen und Fülle sorgen, mal steht es für "Repair & Care". Für fast jedes Haarproblem gibt es inzwischen spezielle Produkte. Wie groß sind die Unterschiede?

Klebstoff auf der Haaroberfläche

Ein Trend: Hair-Repair-Shampoos. Sie versprechen unter anderem eine tiefenwirksame Reparatur der Haare. Am Institut für Materialforschung in Aachen lassen internationale Kosmetikkonzerne ihre Shampoos vor der Markteinführung testen. Der renommierte Haarforscher Dr. Crisan Popescu erklärt das Prinzip von Hair-Repair-Produkten: "Das ist vergleichbar mit einer bröckeligen Wand, die Sie verputzen wollen, um wieder eine glatte Fläche zu erhalten. Ähnlich funktionieren Hair-Repair-Shampoos. Das ist eine Art Reparieren durch Verkleben." Der Effekt hält allerdings nur bis zur nächsten Haarwäsche. Verwendet man dann kein Hair-Repair-Shampoo, wird der "Klebstoff" von der Haaroberfläche wieder ausgespült - das Problem fängt von vorne an.

Unterschiedliche Werbung, fast gleicher Inhalt

In den Regalen der Supermärkte und Drogerien steht eine riesige Auswahl an Shampoos. Auf den ersten Blick unterscheiden sich alle. Auf den zweiten nicht unbedingt. Das gilt sogar für Produkte desselben Herstellers: Während ein Shampoo Volumen und Fülle verspricht, wirbt das andere für Haar-Reparatur und Pflege. Die Inhaltsstoffe aber sind identisch. Der einzige Unterschied: In der Liste der Inhaltsstoffe haben zwei Substanzen die Plätze getauscht. Doch solche minimalen Änderungen reichen wohl kaum für sichtbare Effekte, kritisiert Haarforscher Dr. Crisan Popescu.

Zwei unterschiedliche Shampoos - doch sind die Inhaltsstoffe tatsächlich andere?

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Hersteller halten Studien unter Verschluss

Kein signifikanter Unterschied und doch zwei grundverschiedene Werbeversprechen? Wie kann das sein? Der Hersteller Procter & Gamble erklärt auf Nachfrage: "Die Deklaration der Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ist nur eine grobe quantitative Darstellung, die keinen Rückschluss auf die genaue Rezeptur zulässt." Die Details der Inhaltsstoffe will man nicht verraten, einzelne Produktstudien nicht aushändigen. Auch andere Hersteller wollen auf Nachfrage ihre Einzelstudien zu Shampoos nicht herausgeben.

"Das Produkt Shampoo ist ausgereizt"

Den Handelsexperten Thomas Roeb von der FH Bonn-Rhein-Sieg wundert nicht, dass die Hersteller sich ungern in die Karten gucken lassen: "Das Problem ist, dass Shampoo als Produkt ausgereizt ist. Trotzdem muss man neue Innovationen auf den Markt bringen, weil die Kunden es erwarten. Und da greift man als Hersteller auch gerne zu Scheininnovationen."

Studien wissenschaftlich oft nicht haltbar

Dr. Annemarie Burkhard von der EU-Arbeitsgruppe Claims & Studies nennt zwei Beispiele dafür, dass Studien zur Wirkung von Kosmetikprodukten oft problematisch sind:

  • Zu wenige Versuchspersonen: Eine Studie mit vier Probanden sei keine tragfähige Basis für eine weltweite Werbekampagne.
  • Realitätsferner Versuchsaufbau: Es sei nicht ausreichend, die Volumengebung eines Shampoos in einer Klimakammer ohne Luftfeuchtigkeit zu testen statt unter Alltagsbedingungen.

EU will Verbraucher schützen

Seit Juli 2013 ist in der Europäischen Union eine neue Kosmetikverordnung in Kraft. Damit will die EU Verbraucher vor nicht einlösbaren Produktversprechen schützen. Aber erst 2016 soll mit unzureichenden Studien endgültig Schluss sein. Bis dahin erfüllen die Shampoos zumindest einen Zweck auf jeden Fall: Sie reinigen die Haare.