Tipps für Verbraucher Teleshopping - König Kunde auf der Couch

NDR-Moderatorin Inka Schneider zum Thema Teleshopping (Szene aus dem NDR-Film: Die größten Werbelügen).

(Foto: NDR)

Am Anfang stand der Dosenöffner. Eine amerikanische Werbefirma konnte gebuchte Werbezeiten im Radio nicht bezahlen. Als Ausgleich erhielt die Radiostation eine Ladung Dosenöffner, die sie dann für je 9,95 Dollar ihren Zuhörern anbot. Kurze Zeit später waren alle Dosenöffner verkauft. Und eine neue Geschäftsidee war geboren, aus der später der amerikanische Teleshop-Kanal Home Shopping Network (HSN) hervorging.

So charmant die Gründungslegende von HSN klingt, so rätselhaft ist die Faszination, die das Teleshopping auf viele Zuschauer des deutschen Privatfernsehens ausübt. Immerhin wurden im Jahr 2010 rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz mit den Teleshopping-Angeboten erzielt. Obwohl es da hinsichtlich Qualität und Nutzen nicht zum Besten bestellt sein muss - Verbraucherzentralen warnten schon vor zweifelhaften Angeboten.

Warum die Teleshopper trotzdem kaufen? Eine - zugegeben flapsige - Analyse: Im Teleshop ist der Kunde König. Hier schaut ihm der Moderator geradewegs in die Augen. Teleshopper sind Spontankäufer. Sie brauchen Emotionen, nicht den nüchternen Preisvergleich. Für die Gefühle ist der Moderator zuständig. Der nimmt den Teleshopper an die Hand und führt ihn immer höher hinauf, in die Sphären des Glücks und der Zweisamkeit, wo so etwas Profanes wie der angepriesene Artikel immer unwichtiger wird.

Teleshopper lieben ihren Moderator. Das ist umso wichtiger, je mieser die Waren sind, die im Teleshop verhökert werden und die in einem echten Laden womöglich nur schlecht verkäuflich wären. Erst der Moderator weckt den Wunsch, von dem der Teleshopper noch keine Ahnung hatte, als er den Fernseher einschaltete. Dafür redet der Moderator mit dem Teleshopper. Oft stundenlang. Als säße er im Wohnzimmer mit auf der Couch und nicht in der Fernsehecke.

Aber irgendwann will auch der Moderator erlöst werden, will einfach nur Feierabend machen. Dafür braucht es nur einen Akt der Dankbarkeit, die der Teleshopper ganz leicht zeigen kann: indem er endlich bestellt.

Werbende Sportler - nur gut für die Industrie?