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Tipps für Kunden:Wann die Kündigung einer Lebensversicherung lohnt

Wer aus seiner Lebensversicherung aussteigt, hat nur noch kurze Zeit Anspruch auf bestimmte Auszahlungen. Um wie viel Geld geht es? Und welche Vorteile fallen weg? Die wichtigsten Tipps.

Die Bundesregierung plant eine Änderung der Situation von ausscheidenden Kunden der Lebensversicherer. Folge: Verbraucherschützer und die Gesellschaften selbst werden derzeit mit Telefonanrufen, Briefen und Mails verunsicherter Kunden überschwemmt. Viele fragen sich, ob sie ihre Lebensversicherung noch vor der angekündigten Gesetzesänderung kündigen oder weiterführen sollen. Die Entscheidung fällt nicht leicht - zumal viele Versicherer auch nicht alle benötigten Informationen auf einen Schlag herausrücken.

Die Zeit drängt

Das Datum der Gesetzesänderung ist nicht bekannt. Die große Koalition berät noch. Wahrscheinlich wird es dann aber sehr plötzlich kommen: Das Finanzministerium plant, den Tag der Verabschiedung im Kabinett als Stichtag zu wählen. Nur Verträge, die bis dahin abgelaufen oder gekündigt sind, fallen noch unter die alte Regelung. In Berlin geht man eher von Wochen als von Monaten aus. Kunden, die noch kündigen wollen, müssen sich deshalb beeilen.

Tausende Euro auf dem Spiel

Es kann um tausende Euro gehen. Seit 2008 erhalten Versicherte, die wegen Kündigung oder Ablauf der Versicherung ausscheiden, die Hälfte der auf sie entfallenden Bewertungsreserven. 2012 waren das 2,5 Milliarden Euro, 2013 schon 2,8 Milliarden Euro. Für den einzelnen kann es sich um wenige hundert Euro oder um mehr als 10 000 Euro handeln, je nach Höhe und Laufzeit der Police. Betroffen sind nur Versicherte mit klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen, nicht mit fondsgebundenen Verträgen.

Die Bewertungsreserven sind Buchgewinne. Sie entstehen, wenn der Marktpreis von Wertpapieren über dem Buchwert (meist der Anschaffungspreis) liegt. Ob die Versicherer das Geld in Aktien, Immobilien oder Anleihen angelegt haben, Bewertungsreserven können überall entstehen. Die Zinsen sorgen für das aktuelle Problem der Versicherer: Sie haben Anleihen im Wert von hunderten Milliarden Euro in den Büchern, die noch die alten, höheren Zinssätze ausweisen und deshalb in den Zeiten der Niedrigzinsen enorm an Wert gewonnen haben.

Die Versicherer drängen seit Jahren darauf, die Bewertungsreserven so nicht mehr an Ausscheidende auszuzahlen. Ihr Argument: Sie müssten für die Auszahlung gut verzinste Papiere verkaufen, was verbleibende Kunden benachteilige. Der gewichtigere Grund: Wenn die Milliarden im System bleiben, stabilisieren sie die Gesellschaften, von denen viele wegen der Niedrigzinsen und neuer Anforderungen der Aufsicht erheblich unter Druck stehen. Und die Große Koalition hilft den Versicherern: Kunden, deren Vertrag nach der Neuregelung ausläuft oder die danach kündigen, müssen sich mit einem kleineren Stück vom Kuchen begnügen.

Kündigen oder nicht?

Ob es sich lohnt, vor der Neuregelung die Reißleine zu ziehen und die Police zu stornieren, ist für den Laien sehr schwer zu beurteilen. "Zu uns kommen täglich viele verunsicherte Verbraucher, die nicht wissen, was sie machen sollen", sagt Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Es ist keine pauschale Aussage darüber möglich, ob sich eine frühzeitige Kündigung lohnt.

Tendenziell kann das bei Verträgen sinnvoll sein, die in den nächsten zwei Jahren auslaufen. "In diesen Fällen ist eine individuelle Überprüfung besonders ratsam", sagt Reichard. Dazu benötigen die Kunden aber verschiedene Daten vom Versicherer. Die Verbraucherzentrale hat einen Musterbrief aufgesetzt, mit dem die Kunden den Rückkaufswert mit gesondertem Ausweis der Bewertungsreserven und die Ablaufleistung bei regulärem Vertragsende erfragen können.

Versicherer taktieren

Ob sie diese Eckdaten auch von ihrem Anbieter erhalten, ist aber nicht gesagt. "Es ist nicht so leicht, an die nötigen Informationen zu kommen", sagt Martin Oetzmann vom Bund der Versicherten. Versicherer tun sich schwer, solche Vertragsdetails kundzutun - auch auf explizite Nachfrage des Kunden. Damit war Marktführer Allianz unangenehm aufgefallen. Der Versicherer habe sich in einigen Fällen geweigert, unverbindlich den Stand des Rückkaufswerts mitzuteilen, berichtete die Wirtschaftswoche.