Teures Nass Politiker wittern Wasser-Abzocke

Über die Benzinkosten wurde genug gejammert, nun nehmen Politiker den Wasserpreis ins Visier. Der sei nämlich viel zu hoch - und Schuld daran seien die örtlichen Versorger.

Kürzlich kürte eine Studie das deutsche Wasser zum teuersten der Welt. Deutschland hat nach einer Untersuchung der internationalen Beratungsgesellschaft NUS Consulting weltweit die höchsten Wasserpreise - durchschnittlich 1,91 Euro pro Kubikmeter. Belgien (1,85 Euro), Großbritannien (1,50) und Frankreich (1,27) folgen auf den nächsten Plätzen. Kanada, Südafrika und die USA verlangen nach dieser Analyse die niedrigsten Gebühren.

Sauber und immer verfügbar: Trotzdem ist Politikern das deutsche Wasser zu teuer.

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Bis zu 150 Euro im Jahr zuviel

Nun geißelt der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) die Preise für Trinkwasser in Deutschland als deutlich überhöht. Die Verbraucher müssten bis zu 40 Prozent mehr bezahlen als nötig, sagte der Minister der Bild-Zeitung. "Dadurch müssen Haushalte im Schnitt bis zu 150 Euro pro Jahr zu viel bezahlen".

Der Grund für die hohen Preise, so der CDU-Politiker, sei der fehlende Druck auf die Versorgungsunternehmen, die Kosten zu senken. Er mahnte rasche Aufklärung und Reformen zugunsten der Verbraucher an. "Länder-Kartellbehörden und Kommunalaufsichten sind gefordert, die Missstände zu beseitigen", sagte Rhiel.

Auch der stellvertretende FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Henner Schmidt, hatte erklärt, in Berlin seien die Wasserpreise deutlich zu hoch. Eine vierköpfige Familie müsse im Jahr durchschnittlich 120 Euro mehr bezahlen als nötig, weil der Wasserversorger unter anderem bestehende Verträge nicht richtig nutze.

In den vergangenen zehn Jahren habe jeder Bundesbürger im Schnitt fünf Liter Wasser pro Tag eingespart, schreibt die Bild-Zeitung. Dennoch werde Trinkwasser immer teurer. Der Preis pro Kubikmeter sei seit 1998 um 15,3 Prozent gestiegen. Ein Vier-Personen-Haushalt zahle deshalb 33 Euro mehr im Jahr, obwohl er 7300 Liter weniger verbrauche.

In Ostdeutschland um 15 Prozent teurer

Als Grund für die hohen Preise werden fehlender Wettbewerb, die hohen Aufwendungen für die Instandhaltung der Wasserleitungen und die zu hohe Anzahl von Wasserwerken vor allem in Ostdeutschland angegeben.

In Ostdeutschland zahlen Haushalte für Abwasser durchschnittlich 15 Prozent mehr als im Westen, so eine Untersuchung der IW Consult. Am teuersten ist Wasser in Potsdam. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem täglichen Wasserverbrauch von 126 Litern pro Person zahlt pro Jahr durchschnittlich 786,48 Euro. Am günstigsten ist die Wassernutzung in Karlsruhe, wo nur 226,32 Euro Gebühren berechnet werden. Die Studie begründet die Differenzen unter anderem mit unterschiedlichen Kostenkalkulationen der Wasserversorger.

Dass das deutsche Wasser zwar teuer, aber dafür auch das beste ist, gerät in den Hintergrund. Die hohen Kosten werden in Deutschland vor allem durch das flächendeckende Netz von Klärwerken verursacht, das spürbar die Belastung der Gewässer reduziert hat. Mit erheblichen Investitionen wurde die regional sehr hohe Belastung mit Nitrat und Pestiziden gesenkt.

Geeignet für Babynahrung

Das deutsche Wasser hat heute eine vergleichsweise hohe Qualität. Trinkwasser unterliegt in der Bundesrepublik strengeren Qualitätskontrollen als gewöhnliches Mineral- und Tafelwasser und ist - zum Beispiel in München - mancherorts zur Zubereitung von Babynahrung geeignet.

Pauschale Vergleiche mit anderen Ländern sind außerdem so einfach nicht anzustellen. In Deutschland decken die Wasserpreise alle Kosten - in Frankreich werden den Kunden viele Dienstleistungen sowie die Anlagen und Versorgungsnetze nicht in Rechnung gestellt. Auch andere Nationen subventionieren das Trinkwasser: Italien mit bis zu 70 Prozent, Irland gar bis zu 100 Prozent des Aufwands.

Auch die Wasserverluste durch undichte Leitungen fallen in Deutschland mit neun Prozent nur mäßig ins Gewicht. In England und Wales versickert fast ein Drittel des Wassers auf seinem Weg, in Frankreich und Italien sieht es kaum besser aus. Das ist deshalb von Bedeutung, weil dadurch die Versorgung gelegentlich ganz unterbrochen wird.