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Testament:Was ist eine Schenkung und wann ist sie sinnvoll?

Goldbarren

Wer rechtzeitig einen Teil seines Vermögens an die Erben verschenkt, erspart ihnen Erbschaftssteuer.

(Foto: dpa)

Wer schenkt, kann die Übertragung seines Nachlasses genau planen und größere Vermögen vor dem Zugriff des Finanzamts schützen. Damit die Schenkung jedoch für beide Seiten ein Gewinn bleibt, ist einiges zu beachten.

"Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei", schrieb schon der römische Politiker und Philosoph Seneca. "Es hat recht viel Schwierigkeiten, wenn man mit Überlegung geben und nicht nach Zufall und Laune verschleudern will." Die Botschaft ist heute so aktuell wie damals: Wer sein Vermögen schon zu Lebzeiten geschickt verteilen will, sollte nicht aus emotionalem Überschwang handeln, sondern vor allem die Rechtslage kennen.

Die Steuersätze für Schenkungen sind dieselben wie für geerbtes Vermögen. Sie sind im Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) geregelt. Ein Vorteil des "Gebens mit warmer Hand" gegenüber dem Vererben ist aber, dass man die Dankbarkeit und Freude des Beschenkten noch erlebt. Meist überwiegt allerdings das Motiv, durch eine Schenkung den Erben die Erbschaftsteuer zu ersparen. Denn die Steuerfreibeträge für Schenkungen kann man alle zehn Jahre aufs Neue ausschöpfen.

Unterschiedlich hohe Freibeträge

Diese liegen für Kinder bei 400 000 Euro (pro Elternteil). Enkel können 200 000 Euro steuerfrei bekommen. Für Geschwister, Neffen, Nichten, Stiefeltern oder Freunde sieht der Fiskus 20 000 Euro Freibetrag vor. Der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner erhält sogar 500 000 Euro steuerfrei. "Schenkungen eines Gebers an denselben Empfänger werden innerhalb dieser zehn Jahre allerdings zusammengerechnet", sagt Schindler. Bei großen Vermögen sollte man daher rechtzeitig beginnen.

"Ist die Zehn-Jahres-Frist allerdings vor dem Todesfall noch nicht abgelaufen, wird die Erbschaftssteuer auf die Summe aus Schenkung und Erbe erhoben", sagt Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht.

Schenkungen sind auch ein Mittel, um den Pflichtteil eines unliebsamen Kindes oder Partners zu schmälern. "Wenn rechtzeitig zu Lebzeiten geschenkt wird, kann der Pflichtteilsberechtigte später nichts mehr hiervon fordern", erklärt Steiner. Anders als im Steuerrecht verringert sich im Pflichtteilsrecht die Schenkungssumme pro Jahr um zehn Prozent. Das heißt: Nach fünf Jahren gibt es einen Pflichtteilsanspruch nur noch auf die Hälfte der Schenkung, nach zehn Jahren ist er ganz weg.

Juristen empfehlen, Schenkungen immer schriftlich festzuhalten. "Auf dem Dokument sollten die Namen der Beteiligten, Gegenstand der Schenkung sowie Ort und Datum stehen", sagt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Nicht zu vergessen: die Unterschriften. Immobilien können grundsätzlich nur über einen notariellen Vertrag verschenkt werden.

Beispiel: Schenkung und Pflichtteilsanspruch

Ein Vater schenkt seiner Tochter aus zweiter Ehe zwölf Jahre vor seinem Tod ein Grundstück im Wert von 200 000 Euro. Außerdem hat er einen Sohn aus erster Ehe. Nach seinem Ableben hinterlässt er ein Vermögen von 100 000 Euro, von dem seine zweite Frau 50 000 erbt und seine Tochter ebenfalls 50 000. Der Sohn aus erster Ehe bekommt lediglich seinen Pflichtteil, der die Hälfte des gesetzlichen Erbteils von 25 000 Euro ausmacht, also 12 500 Euro. Wäre der Vater bereits fünf Jahre nach der Schenkung gestorben, hätten die verbliebenen 100 000 Euro (Grundstückswert) bei der Berechnung des Pflichtteils teilweise berücksichtigt werden müssen.