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Testament:Notfalls vor Gericht einklagen

Das hört sich einfach an, kann in der Realität aber kompliziert werden. Wenn der Erbe auf höfliche Schreiben nicht reagiert, muss sich der Vermächtnisnehmer sein Recht notfalls vor Gericht einklagen. Oder wenn der Erbe ihn mit dem lapidaren Hinweis abserviert, dass sich der betreffende Gegenstand leider nicht (mehr) im Nachlass befindet, hat der Vermächtnisnehmer ebenfalls ein Problem.

"Einen Anspruch auf Verschaffung hat der Vermächtnisnehmer nur in Ausnahmefällen", sagt Bittler. Derartigen Streitigkeiten kann der Erblasser entgegentreten, indem er einen Testamentsvollstrecker bestimmt. Dieser ist verpflichtet, für die Erfüllung des Vermächtnisses sorgen. Ein Vermächtnis kann auch den Wert des restlichen Gesamterbes übersteigen. Der Vererbende kann damit jedoch nicht den Pflichtteil kürzen.

Sieht der Erblasser für ein Kind zusätzlich zum Pflichtteil ein Vermächtnis vor, wird dessen Wert auf den Pflichtteil angerechnet. Beispiel: Einem Kind steht ein Pflichtteil von 25 000 Euro zu und es bekommt als Vermächtnis einen Sportwagen, der denselben Wert hat. Das Kind kann entweder das Vermächtnis ausschlagen oder es muss auf die 25 000 Euro Bargeld verzichten (§ 2307 BGB).

Wenn eins der Kinder mehr bekommen soll

Will der Erblasser einem seiner Kinder mehr geben als dem anderen, kann er dies mit einem Vorausvermächtnis tun. Er kann im Testament verfügen, dass das Erbe zu gleichen Teilen zwischen beiden Kindern aufgeteilt wird, das Wochenendgrundstück aber als Vorausvermächtnis an den Sohn gehen soll. Damit wird es nicht auf den Erbteil angerechnet. Der Sohn kann seinen Anspruch noch vor der eigentlichen Erbauseinandersetzung geltend machen.

In der Regel ist mit der Testamentseröffnung klar, welchen Vermögensgegenstand der Vermächtnisnehmer bekommt und von wem. Er hat dann drei Jahre Zeit, um sein Vermächtnis einzufordern. Die Frist beginnt ab dem Ende des Jahres, in dem er von seinem Anspruch erfahren hat.