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Taschengeld:Bares für Süßigkeiten und Handys

Streitpunkt Taschengeld: Im Schnitt erhalten 10- bis 17-Jährige sechs Euro die Woche. Wie viel Eltern ihren Kindern zahlen sollten und wie sie die Ausgaben kontrollieren können.

Jochen Bettzieche

Den Kindern ist es oft zu wenig, den Eltern angemessen hoch oder zu viel. Und auch über die Verwendung wird oft gestritten. Taschengeld stellt eine von vielen Herausforderungen für Väter und Mütter dar - und birgt einiges an Konfliktpotential.

Taschengeld; dpa

Taschengeld: Kinder lernen im begrenzten Umfang, mit Geld umzugehen.

(Foto: Foto: dpa)

Ein Recht auf regelmäßige Zahlungen hat der Nachwuchs nicht. Diese sind jedoch ein wichtiger Bestandteil der Erziehung, sie sollen ja auf das Leben als Erwachsener vorbereiten. "Der Sinn von Taschengeld ist, dass Kinder im begrenzten Umfang lernen, mit Geld umzugehen", sagt Reiner Hardt, Leiter des Beratungsdienstes "Geld und Haushalt" beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

Mit zunehmendem Alter mehr Geld

Er empfiehlt die Einschulung als guten Zeitpunkt für den Start. Bis zum zehnten Geburtstag sollten Eltern Taschengeld wöchentlich zahlen. "Das ist ein Planungszeitraum, den Kinder überschauen können", erläutert Hardt. Später sind monatliche Raten besser.

Mit zunehmendem Alter sollte der Nachwuchs mehr Geld zur freien Verfügung haben. Die Höhe hängt in erster Linie von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Familie ab. Das führt immer wieder zu Unstimmigkeiten. "Wenn das Kind sagt, der Freund erhalte mehr, dann muss man ihm auch erklären, warum es weniger bekommt", rät Hardt.

Im Durchschnitt bekommen Zehn- bis Siebzehnjährige 304 Euro im Jahr, hat der Bielefelder Soziologe Elmar Lange in einer Studie herausgefunden. Das sind knapp sechs Euro pro Woche. Bereits in jungen Jahren gilt, was sich später beim Gehalt fortsetzt: Jungen bekommen mehr als Mädchen, allerdings nur geringfügig.

Einzelkinder haben 30 Prozent mehr

"Deutliche Unterschiede ergeben sich in Abhängigkeit von der Kinderzahl in der Familie", schreibt Lange im Buch "Teure Jugend". Einzelkinder haben demnach gut 30 Prozent mehr als Geschwister.

Auch die Verwendung hat Lange untersucht. An erster Stelle stehen Süßigkeiten, gefolgt vom Handy sowie Essen und Trinken. "Den nächsten großen Block bilden die Ausgaben für Print- und Audiomedien wie Zeitschriften, Bücher und CDs", weiß Lange.

"Die Kaufentscheidung muss vom Kind getroffen werden", sagt Hardt. Sonst ist der Lerneffekt weg. Allerdings dürfen Eltern durchaus beraten. Gerade beim Handy ist das sinnvoll, denn hier droht eine Kostenfalle. "70 Prozent der Jugendlichen besitzen ein eigenes Mobiltelefon", weiß Lange. Und sie nutzen es eifrig.

Zustimmung der Eltern bei Rechtsgeschäften nötig

Damit nicht das ganze Taschengeld fürs Telefonieren draufgeht oder gar die Eltern zuzahlen, empfiehlt der Soziologe: "Nutzen Sie die Möglichkeiten der Kostenkontrolle, wie einen Prepaid-Vertrag." Bei solchen Tarifen können Kunden im Voraus ein bezahltes Guthaben abtelefonieren.

Auch wenn die Eltern ihrem Nachwuchs freie Hand beim Ausgeben des Taschengeldes lassen, einer schränkt sie ein: der Gesetzgeber. Bei Rechtsgeschäften benötigen Minderjährige die Zustimmung eines Elternteils. Zwar wird das Geschäft dennoch wirksam, wenn das Kind Mittel einsetzt, die ihm wie das Taschengeld "zur freien Verfügung überlassen" wurden. Doch insbesondere bei teuren Objekten sichern sich Verkäufer ab.

Die paradoxe Folge: Ein Kind kann von seinem Taschengeld sofort nach Erhalt kiloweise Süßigkeiten kaufen. Spart es jedoch monatelang auf einen eigenen Computer oder eine Stereoanlage, benötigt es die Zustimmung seiner Eltern. "Es ist bei größeren Beträgen durchaus sinnvoll, dass die Eltern eingreifen können", sagt Hardt. Denn es sei ein Unterschied, ob das Taschengeld für eine Woche oder das für mehrere Monate auf einen Schlag ausgegeben werde.

Haben Kinder ein festes Sparziel, finden sie auf den Seiten des Sparkassen- und Giroverbandes einen Budgetplaner. Auch ein Taschengeldplaner steht dort bereit, wahlweise als Druckversion oder für das Handy. Dieser ist ein Haushaltsbuch für Kinder.

"Taschengeldkürzung als Bestrafung ist falsch"

Der Antrieb, dieses zu führen, sollte jedoch vom Kind aus gehen. "Auflagen wie Buchführen verhindern den Lerneffekt", heißt es in einer Broschüre des Stadtjugendamts München zum Thema Taschengeld. Schließlich soll das Kind lernen, selbstverantwortlich mit dem Geld umzugehen.

Dafür ist auch wichtig, dass dieses pünktlich und regelmäßig gezahlt wird. "Taschengeldkürzung als Bestrafung ist falsch", empfehlen die Pädagogen. Allerdings sollten Eltern auch nicht weich werden, raten sie: "Nicht nachbessern, wenn das Geld verbraucht ist."

So manche Anschaffung der Kinder führt bei Eltern dennoch zu verzweifeltem Augenrollen. Sei es ein überteuerter Stift oder ein Spielzeug minderer Qualität. Soziologe Lange rät hier zu mehr Gelassenheit: "Denken Sie daran, für welchen Unsinn Sie selbst als Kind Geld ausgegeben haben."

© SZ vom 5.12.2007/ckn
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