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SZ-Serie: Familienunternehmen:Die neuen Trends der Finanzierungswelt

Die Finanzierungswelt für mittelständische Firmen hat sich durch die Krise verändert. Manche neuen Trends scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Trotz der Debatte um eine Kreditklemme und obwohl das Misstrauen gegenüber den Banken gewachsen ist, beobachtet Fischedick eine "Renaissance der Hausbank-Verbindung". Der Bereichsvorstand führt das vor allem darauf zurück, dass Kredite kaum noch syndiziert, also an eine große Zahl von Investoren weiterverkauft werden könnten. Vor allem einige Auslandsbanken und Landesbanken fielen hier als Käufer weg. Das habe zur Folge, dass bilateralen Krediten, die zwischen Unternehmen und Hausbanken oder allenfalls einer kleinen Zahl von Instituten ausgehandelt würden, wieder größere Bedeutung zukomme. " Doch die Rückkehr zum Hausbankprinzip ist oft "Wunschdenken", wendet Rölfs-Partner Schüren ein. Denn auch die Hausbanken wollten ihre Risiken derzeit nicht ausdehnen.

Was also ist mit den Alternativen? "Unternehmen wollen aufgrund der Erfahrungen in der Krise bei der Finanzierung breiter aufgestellt sein", glaubt Carsten Lohle, Experte für Schuldscheindarlehen bei der Deutschen Bank. Über Schuldscheindarlehen, Anleihen oder Mezzanine-Kapital - eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital - können Firmen neue Geldgeber finden. So platzierte der Klett-Verlag im Juli eine Anleihe über 50 Millionen Euro bei privaten Investoren.

Höherer Anteil der Finanzierung über Kapitalmärkte

Der regionale Energieversorger HSE gab ein Schuldscheindarlehen heraus. "Das Schuldscheindarlehen bot für uns eine gute Möglichkeit, ein relativ großes Finanzierungsvolumen zu aktuellen Marktkonditionen stemmen zu können", sagt HSE-Chef Filbert. Der Anteil der Finanzierung über die Kapitalmärkte nehmen bei der HSE stark zu, da sie deutlich höhere Investitionen tätige als früher. Auch Dyckerhoff-Finanzvorstand Fink hat gute Erfahrungen mit dem Schuldschein gemacht. "Der Schuldschein ist ein sehr flexibles Instrument. Wir haben beispielsweise den Investoren einmal einen flexiblen und einmal einen fixen Zinssatz angeboten."

Doch das sind Einzelfälle. Noch in den Jahren bis 2008 hatten Banken in großem Stil Programme für alternative Finanzierungen aufgelegt. Sie folgten stets dem gleichen Prinzip: Schuldscheine oder Mezzanine-Kapital wurden in vergleichsweise kleinen Beträgen an Mittelständler vergeben, gebündelt und im Paket an Investoren weitergegeben. Die Programme sollten auch kleinen Firmen zu günstigen Konditionen Zugang zum Fremdkapitalmarkt bieten. Doch die meisten Banken haben diese Programme eingefroren. "Schuldschein- und Mezzanine-Programme sind derzeit ein schwieriges Geschäft", räumt Fischedick ein.

Und auch das hat mit der Krise zu tun. Investoren begegnen seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers jeder Form von Verbriefung mit Misstrauen. Allerdings gab es mit den Mezzanine-Programmen der Banken bereits vor der Krise Probleme, weil viele Mittelständler nicht genügend stabile Erträge erwirtschafteten, um die Zinsen zu zahlen und die niedrigen Zinsen die Risiken der Mittelständler nicht angemessen widerspiegelten. "Wenn die Insolvenzen zunehmen, wird es naturgemäß auch zu erhöhten Ausfällen bei den Mezzanine-Programmen kommen", sagt Fischedick.