SZ-Serie: Die großen Spekulanten (30) Ivan, der ziemlich Schreckliche

Ivan Boesky und der größte Wall-Street-Skandal der 80er Jahre: Durch Spenden brachte Boesky es als reicher Investor zum Volkshelden. Aber als seine Insidergeschäfte aufflogen, verpfiff er alle.

Von Willi Winkler

Die Perspektiven sind nicht unbedingt reizvoll: Wer unberaten genug ist, in dieses Geschäft einzusteigen, dem drohen öffentliche Bloßstellung, Gefängnis und Berufsverbot. Wen das aber nicht schreckt, kann es zum "Master of the Universe" bringen, wie ihn Tom Wolfe in seinem Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" (1987) geschildert hat.

1985 hatte Ivan Boesky vor seiner Verhaftung noch gut Lachen.

(Foto: Foto: ap)

Schießbudenfiguren des wildgewordenen Kapitalismus

Geld nicht bloß wie Heu, sondern wie am Spieltisch, und alles hört auf ihr Kommando. Michael Douglas spielt in "Wall Street" einen ähnlich risikobereiten und erfolgreichen Glücksritter, den wenig sympathischen, aber ungeheuer erfolgreichen Gordon Gekko. Solche Typen würde jeder als unrealistisch betrachten, als Schießbudenfiguren des wildgewordenen Kapitalismus, aber wenigstens einen gab es, der übertraf alles, was sich Schriftsteller und Drehbuchautoren nur ausmalen konnten.

Ivan Boesky war 1986 für den größten Skandal verantwortlich, der bis dahin an der Wall Street durch Insidergeschäfte entstanden war. Obwohl dort Hunderte von Firmen miteinander konkurrieren und Tausende anonymer Finanzfachleute einander überbieten, gelang es diesem einen Freibeuter, alle anderen abzuzocken.

Mitte der achtziger Jahre, als Manhattan vom Kokain überschwemmt wurde und sich an sich selbst berauschte, kreierte Boesky nach dem Pionier und dem einsamen Westernhelden einen neuen amerikanischen Typ, der die Maxweber'sche protestantische Ethik als schlichten Befehl zum Reichwerden begriffen hatte.

Der neue Pionier kämpfte nicht mehr mit den wilden Indianern, sondern mit dem Großkapital: mit den Banken, den großen Firmen, mit dem Staat, und er übertölpelte sie alle. Für Boesky war es immer High Noon, allerdings hatte er anders als Gary Cooper nicht wenige Helferlein an seiner Seite. Binnen weniger Jahre hatte er ein Netzwerk von Informanten und Zuträgern aufgebaut, das ihn mit all den Tipps versorgte, die er brauchte, um seinen Investoren das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen und nebenbei selbst Hunderte von Millionen Dollar zu verdienen.

Verbotenes Insiderwissen

Boesky operierte nicht anders als die Konkurrenz: Er setzte auf Kursanstieg und kaufte die Aktien der favorisierten Firmen rechtzeitig ein. Das versuchen alle, aber Boesky verfügte über einen kleinen Wettbewerbsvorteil - er wusste rechtzeitig Bescheid, wenn bei einer Firma die Übernahme durch einen Marktstärkeren drohte.

Seine Helfer versorgten ihn mit einem Insiderwissen, das es ihm erlaubte, die schnell eingekauften Fonds mit exorbitantem Gewinn wieder abzustoßen, sobald das Übernahmeangebot bekannt geworden war. Solche Geschäfte sind verboten, aber Boesky war lange nichts nachzuweisen.

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