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SZ-Serie: Die großen Spekulanten (28):Der Wüstenprinz

Alwaleed Bin Talal rettete mit seinen Spekulationen die Citibank und Euro Disney. Sein Rezept: Kaufen, wenn es billig ist - verkaufen, wenn es teuer ist. Ganz einfach.

Hannah Wilhelm

Alwaleed Bin Talal braucht Geld. Er ist 25 Jahre alt, es ist das Jahr 1980, die Wirtschaft in Saudi-Arabien boomt und er will Teil haben am Wachstum. 30.000 Dollar Startkapital hat ihm sein Vater gegeben und ein kleines Haus. Doch das Geld ist schon aufgebraucht.

Mit einem Vermögen von 20,3 Milliarden Dollar (Forbes) rangiert Prinz Alwaleed Bin Talal derzeit auf Platz 13 der Forbes-Milliardärs-Liste.

(Foto: Foto: AP)

Nun sitzt er bei der Saudi American Bank, die teilweise der Citibank gehört, und bittet um einen Kredit. Er bekommt ihn. Das Institut gibt ihm 300.000 Dollar, als Sicherheit dient das kleine Haus.

Immerhin ist es nicht irgendjemand, der da nach einem Kredit verlangt: Alwaleed Bin Talal gehört dem saudischen Königshaus an, er ist ein Prinz. Doch allzu viel heißt das nicht: Es gibt damals mehr als 5000 Prinzen in Saudi-Arabien.

Zehn Jahre später ist alles anders. Das Schicksal hat sich gedreht. Nun ist es die Citibank, die Geld braucht. Dringend. Eines der mächtigsten Finanzinstitute der Welt wankt unter der Last der Rezession. Alwaleed Bin Talal wiederum hat 1990 mehr als genug Geld.

Aus den 300.000 Dollar, die er sich einst von der Bank geliehen hat, sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Milliarde Dollar geworden. Eine Kopie des Kreditvertrags aus dem Jahr 1980 liegt noch in seiner Schreibtischschublade, als Erinnerung an die Anfänge.

Ikone in der arabischen Welt

1990 beobachtet der Prinz die angeschlagene Citibank genau. Wie immer, wenn er wichtige Entscheidungen zu treffen hat, zieht er sich in die Wüste zurück. Alle raten ihm: Lass bloß die Finger von der Bank. Doch der Prinz investiert: 590 Millionen Dollar, die Hälfte seines damaligen Vermögens. Damit rettet er das Institut, das ihm einst geholfen hat.

Spätestens seit Alwaleed Bin Talal die Citibank gerettet hat, ist er eine Legende. Schon zuvor war er reich, aber das Citibank-Geschäft macht ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt. Derzeit rangiert er auf Platz 13 der berüchtigten Forbes-Milliardärs-Liste.

Während er in der arabischen Welt eine Ikone ist, kennt ihn die breite Masse in den westlichen Ländern trotzdem kaum. Wenn, dann werden nur einzelne Geschichten über ihn erzählt. Für die Amerikaner ist er der Mann, der die Citibank vor dem Ruin bewahrt hat. Für die Franzosen ist er der Retter von Euro Disney, seit er dem Freizeitpark in der Nähe von Paris finanziell aushalf.

Er füllt die Schlagzeilen, als er mit dem Sänger Michael Jackson in den neunziger Jahren ein Unternehmen gründet und 2001, als er kurz nach dem 11. September nach New York fliegt, zehn Millionen Dollar spenden will und der Bürgermeister Rudolph Giuliani das Geld ablehnt. Grund dafür ist eine Formulierung in der Pressemitteilung des Prinzen, in der er Amerika auffordert, noch einmal ihre Politik im Nahen Osten zu überdenken.

Liberales Elternhaus

Zuletzt taucht Alwaleed wieder in den Medien auf, als er als einer der ersten Privatpersonen einen Luxus-Airbus A380 für angeblich 200 Millionen Dollar kauft. Auf 551 Quadratmetern und zwei Stockwerken lässt er sich, so wollen es deutsche Medien wissen, einen Palast der Winde einrichten: mit Fitnessstudio und goldenen Wasserhähnen.

Aber all diese Geschichten sind nur kleine Puzzleteile. Die Person Alwaleed Bin Talal bleibt geheimnisvoll sagenumwoben. Wie genau aus dem Startkapital von 30.000 Dollar und dem Kredit der Bank heute 20,3 Milliarden (Forbes) werden konnten, ist Teil dieser Legende.

Offiziell heißt es, er habe das Geld mit Immobilien- und Grundstücksspekulationen verdient, außerdem spekuliere er seit 1987 an der Wall Street. Das britische Wirtschaftsmagazin Economist will es genau wissen und durchleuchtet 1999 die Finanzgeschäfte des Prinzen - ohne Ergebnis.

Während über US-Investor Warren Buffet oder Microsoft-Gründer Bill Gates zahlreiche Bücher erschienen sind, gibt es über den Prinzen nur eine autorisierte Biographie, geschrieben von einem CNN-Journalisten. Selbst dort bleibt der heute 53-Jährige schemenhaft.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Alwaleed Bin Talal während des Golfkriegs einen kühlen Kopf behielt.

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