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SZ-Serie: Die großen Spekulanten (12):Der Spieler, der aus Mallorca kam

Florian Homm war das Enfant Terrible der europäischen Hedge-Fonds-Branche - seit einem halben Jahr ist er verschwunden

Martin Hesse

Ich bin selbst ein Spieler. Das fühlte ich in diesem Augenblick. Meine Hände und Beine zitterten, in meinem Gehirn hämmerte es." (Der Spieler, Fjodor M. Dostojewski)

Seit September 2007 verschwunden: Hedge-Fonds-Manager Florian Homm.

(Foto: Foto: ddp)

Er habe Dostojewskis Roman über die selbstzerstörerische Spielsucht des Alexej Iwanowitsch als Jugendlicher verschlungen, hat Florian Homm einmal gesagt. Das Werk fasziniere ihn noch heute, bekannte der Mann, der wohl Deutschlands berühmtester Hedge-Fonds-Manager ist. Oder war. Man weiß das nicht genau. Denn an einem Dienstag im September 2007 ist Homm verschwunden. Es war vorerst das letzte Kapitel in seinem persönlichen Drama. Bis heute ist der 48-Jährige nicht wieder aufgetaucht.

15 Jahre lang hat Homm mal auf steigende, mal auf fallende Aktien spekuliert. Mal vervielfachte er seinen Einsatz, dann wieder verspielte er sein Geld und das seiner Kunden. Eines aber blieb immer gleich: Seit Homm 1993 die Bühne betrat und mit dem Amerikaner Kevin Devine die Firma VMR gründete, irritierte er die Finanzwelt. "Florian Homm wird von keinem Hedge-Fonds-Investor mehr ernst genommen", sagt ein Dachfonds-Manager heute. Und das kam so.

"Es ist offensichtlich, dass ich eine andere Investment- und Managementphilosophie teile als das aktuelle und das frühere Management von ACMH. Deshalb habe ich entschieden, dass es Zeit für mich ist, die Firma zu verlassen, die ich gegründet habe." So begründete Homm in einem Brief an Aktionäre und Investoren der Hedge-Fonds-Firma Absolute Capital Management Holding (ACMH) seinen Ausstieg. Drei Jahre zuvor hatte er ACMH mit dem Iren Sean Ewing auf Mallorca - wo er bis zu seinem Verschwinden lebte - gegründet, zu einer Investmentfirma mit mehr als drei Milliarden Euro Vermögen ausgebaut und an die Börse gebracht.

Es war vielleicht die beste Zeit in seiner Karriere. "ACMH war für ihn ein Lichtblick. Dort wurde er eingebunden in feste Strukturen und ferngehalten von dem etwas halbseidenen Milieu, in dem er sich oft bewegte", sagt ein Vertrauter Homms. Doch der Spieler Homm ließ sich nicht in Strukturen binden, und heute ist klar, dass sie bei ACMH gar nicht so genau wussten, was ihr Gründer, Großaktionär und Chefinvestor so trieb. Einen Großteil der Kundengelder hatte Homm, anders als in den Fondsprospekten beschrieben, in amerikanische Mini-Aktien investiert, die oft nur außerhalb der Börse gehandelt wurden.

Der amerikanische Investor Jack Grynberg hat Homm deshalb Anfang des Jahres vor einem Bezirksgericht in Colorado verklagt. Grynberg wirft Homm auch vor, sich über die von ihm gehaltene Broker-Firma Hunter World Markets an Aktiengeschäften für ACMH bereichert zu haben.

Solange die Fonds Gewinne abwarfen, hinterfragte niemand genau, was Homm tat. Doch als im Sommer 2007 in den USA die Kreditkrise ausbrach, kamen an den Börsen als erstes kleine und schwer handelbare Aktien unter Druck. Wenige Tage nach Homms Abschied war die ACMH-Aktie um mehr als 90 Prozent abgestürzt, Fondsanleger zogen panisch ihr Geld ab.

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