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Systematische Abrechnungsfehler bei Banken:Der Autohändler

Bei Anton Reich waren es drei deutsche Großbanken. "Eine davon ist seit 1945 unsere Hausbank", berichtet der 60-Jährige. Direkt nach dem Krieg hatte sein Vater das Autohaus Niedermair & Reich gegründet. Autohändler benötigen für die Ankäufe der Fahrzeuge hohe Kreditlinien. "Wir hatten immer Kredite von 20 Millionen Euro und mehr", erläutert der Kaufmann. "Die Banken haben gut an uns verdient." Wie gut, das sollte Reich erst feststellen, als es für seinen Betrieb zu spät war. 2008 geriet das Autohaus in ernste Schwierigkeiten. Ein Jahr später entschied Reich, die Firma zu liquidieren. Um sie ordentlich abzuwickeln, setzte er viel seines privaten Vermögens ein. Mit Hilfe des Liquidators Wolfgang Kottenberg brachte Reich fast alle seiner 160 Beschäftigten anderswo unter, suchte sich eine neue Bank und zahlte die Kredite bei den Hausbanken zurück.

Dann ließ der Händler die bisherigen Bankkonten auf Fehler prüfen. "Fast alle Konten wurden falsch berechnet", erläutert Sachverständiger Brendel. Allein die größte Bank kassierte nach seinen Angaben mehr als 1,2 Millionen Euro zu viel. Bei den anderen beiden kamen 1,5 Millionen zusammen. "Die Summe hat uns geschockt", sagt Wolfgang Kottenberg. Die Liquidation wäre nicht nötig gewesen, wenn dem Betrieb das Geld zur Verfügung gestanden hätte, glaubt der Unternehmensberater: "Wir hätten mehr Zeit gehabt, einen Investor zu finden." Anton Reich sieht es ähnlich. Der Aderlass sei nicht der Hauptgrund für das Aus gewesen, aber das "hat uns sicher mit in die Liquidation gezwungen".

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