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Studie:Zu groß gedacht

Alling: Baugebiet Parsbergstrasse / oestlicher Ortsrand

Wer ein Haus bauen lässt, erwartet viel für sein Geld. Vor allem ein einwandfreies und schadstofffreies Gebäude. Und schnell soll es gehen - oft ein Fehler. Ein Neubau braucht Zeit zum Trocknen, und zwar nicht nur bei schlechtem Wetter.

(Foto: Johannes Simon)

In Deutschland wird zwar wieder mehr gebaut. Es entstehen aber zu viele Einfamilienhäuser, wie eine aktuelle Studie zeigt. Damit geht der Neubau vielerorts am Bedarf vorbei.

Die Mieten für kleinere Wohnungen in den Großstädten werden auf absehbare Zeit weiter steigen. Diese Prognose stellt zumindest Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer des Wohnungsunternehmens d.i.i. Er stützt seine Aussage auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), der zu Folge in Ballungsräumen nicht nur zu wenig gebaut wird, sondern auch am Bedarf vorbei. Wie Michael Voigtländer vom IW erklärt, suchen vor allem junge Leute in den Städten Jobs und Ausbildung und kleine Wohnungen.

Bestehende Gebäude sollten aufgestockt werden, fordern die Experten

Das sei angesichts der Rekordbeschäftigung in Deutschland auch kein Wunder. Insgesamt würden im Bundesgebiet bis 2020 pro Jahr 385 000 neue Wohnungen benötigt, aber nur 250 000 gebaut. Vor allem aber entstünden zu viele Objekte mit mehr als fünf Zimmern, also Ein- und Zweifamilienhäuser. "Wir bauen auf dem Land viele Einfamilienhäuser, die einen Leerstand der Zukunft bedeuten könnten", sagt Voigtländer. Auf der anderen Seite sei der Wohnraummangel in den großen Städten gravierend, vor allem bei den Wohnungen mit zwei und drei Räumen. Er empfiehlt, vor allem dichter zu bauen, aufzustocken, umzubauen. Man müsse den Fokus auf den Bestand legen, denn dort ließe sich am ehesten mehr günstiges Wohnen erschließen. Schon jetzt verlagere sich die Nachfrage nach Wohnungen bei den Städten zunehmend auf den Teil des Umlandes, der mit Bus und Bahn zu erreichen sei. Zum Beispiel würden junge Familien und Senioren schon wieder aus den Großstädten ausziehen. Man müsse den Städten aber erlauben zu wachsen. Es gebe noch genügend Reserven. Stadtplaner müssten mehr in Verkehrsverbindungen investieren und sich fragen, wo eine Stadt in die Breite gehen könne. Es gelte bewährte Rezepte wie Einliegerwohnungen oder die Teilung zu großer Wohnungen aus der Schublade zu holen.

Drastischer schildert Wojtalewicz die Lage. "Wir gehen von einem Rückstand von einer Million Wohnungen in Deutschland aus", beschreibt er die Lücke zwischen Bestand und Bedarf. Es werde zu wenig und an den falschen Standorten gebaut. Er fordert die Politik auf, den Wohnungsbau als Notstandsthema zu erkennen, mehr Flächen zur Verfügung zu stellen und mehr privates Kapital für den Wohnungsbau zu mobilisieren. Die Furcht vor nicht mehr lebenswerten Städten hält er für unbegründet. "Ist New York nicht lebenswert?", fragt er zurück. Der Staat müsse neue Anreize schaffen, auch die Stadtplanung sei gefordert.