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Studie zu Elektrogeräten:"Geplanter Verschleiß ist ein Massenphänomen"

Studie zeigt absichtlichen Verfall von Elektrogeräten

Bei den iPads von Apple ist der Akku fix eingebaut - das gilt als typisches Beispiel für Obsoleszenz

(Foto: REUTERS)

Weiche Gummisohlen, nicht austauschbare Akkus, billiges Plastik: Zahlreiche Geräte sind so gebaut, dass sie just dann kaputt gehen, wenn die Garantie abläuft. Zufall? Eine Studie sagt: Nein. Und spricht von "geplanter Obsoleszenz" zur Renditemaximierung.

Von Andreas Jalsovec

Darüber hat sich fast jeder Verbraucher schon einmal geärgert: Kaum ist das elektrische Gerät zwei, drei Jahre alt, gibt es den Geist auf. Die Zahnbürste, deren Akku man nicht tauschen kann. Der Rührmixer, dessen Kunststoffrädchen im Innern so abgenutzt sind, dass sich die Besen nicht mehr bewegen.

Das alles passiert oft ausgerechnet dann, wenn die Garantiezeit gerade abgelaufen ist. Kann das Zufall sein? Mitnichten, heißt es in einer Studie, welche die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben hatte und die an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Schuld sei die "geplante Obsoleszenz".

Eingebautes Verfallsdatum

Gemeint ist damit der beabsichtigte oder bewusst in Kauf genommene vorzeitige Verschleiß von Produkten, die eigentlich viel länger halten könnten. Weil die Hersteller Schwachstellen einbauen oder minderwertige Materialien verwenden, verkürzt sich die Lebenszeit. Leidtragende sind die Konsumenten.

"Geplanter Verschleiß ist ein Massenphänomen", sagt Stefan Schridde, der die Studie zusammen mit dem Aalener Ökonomieprofessor Christian Kreiß erstellt hat. Die Autoren belegen das an gut 20 beispielhaft ausgewählten Massenprodukten. So gibt es bei Tintenstrahldruckern interne Zähler, die nach einigen Tausend Seiten Wartungsbedarf melden, obwohl das Gerät weiterdrucken könnte.

Für Schuhsohlen werden Gummisorten verwendet, die schnell abreiben und verklebt sind, sodass man die Sohle nicht tauschen kann. In Jacken gibt es Reißverschlüsse, deren Zähne spiralförmig angeordnet sind, weshalb sie frühzeitig den Dienst versagen. Und sie fanden Waschmaschinen, deren Heizstäbe verdächtig schnell rosteten: Ihre Reparatur ist meist sündhaft teuer.

Kosten von 100 Milliarden Euro pro Jahr

Warum aber sollten die Hersteller solche Produkte schneller kaputtgehen lassen? "Es geht um Renditemaximierung", sagt Stefan Schridde. Der Einbau minderwertiger Teile spare Kosten. Weil die Geräte schnell kaputtgehen, machen die Firmen andererseits mehr Umsatz. "Die Strategie allmählicher Qualitätsverschlechterung", so heißt es in der Studie, "wird in Form steigender Gewinne belohnt."

Eine Argumentation, die Werner Scholz nicht nachvollziehen kann. Der Geschäftsführer der Hausgeräte-Fachverbände im Verband der Elektroindustrie (ZVEI) sagt: "Die Hersteller wären schlecht beraten, wenn sie so handeln würden." Ein Verbraucher, dessen Waschmaschine nach vier Jahren kaputtgehe, werde das nächste Gerät anderswo kaufen.

"Wir brauchen klare Vorgaben für die Reparierbarkeit"

Er habe keine Anhaltspunkte, dass die Haltbarkeit zurückgehe: Laut einer vom Verband in Auftrag gegebenen Studie sind von den fast 180 Millionen in deutschen Haushalten eingesetzten Geräten mehr als 75 Millionen älter als zehn Jahre.

Für die Grünen ist die Studie dennoch Anlass, schärfere gesetzliche Regelungen zu fordern. "Wir brauchen klare Vorgaben für die Reparierbarkeit und Austauschbarkeit von Einzelteilen", sagt die verbraucherpolitische Sprecherin Nicole Maisch. Schließlich seien mit geplantem Verschleiß Müllberge und Kosten verbunden.

Wie hoch diese sind, dazu liefert die Studie eine Schätzung: Müssten die Verbraucher nicht ständig neue Produkte kaufen, weil die alten zu früh kaputtgehen, blieben ihnen im Jahr 100 Milliarden Euro übrig.

© SZ vom 20.03.2013/rela/rus

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