Studie über Strategien zur Geldanlage Männer zocken, Frauen sichern sich ab

Ihre Strategien unterscheiden sich fundamental, die Ergebnisse sind ähnlich: Weibliche Anleger erwirtschaften auf längere Zeit eine höhere Rendite. Und Männer lieben in Sachen Geldanlage das Risiko. Gegenüber einem Tagesgeldkonto haben beide Varianten einen Vorteil.

Von Brigitte Watermann

Männer und Frauen waren im guten Börsenjahr 2012 annähernd gleich erfolgreich. Doch angelegt haben sie ihr Erspartes dabei sehr unterschiedlich. Das hat eine Studie der Onlinebank DAB ergeben, die der Süddeutschen Zeitung exklusiv vorliegt. Die Bank untersucht seit fünf Jahren regelmäßig die Unterschiede im Anlageverhalten von Frauen und Männern. Auf Vier-Jahres-Sicht hatten die Frauen übrigens klar die Nase vorn.

Einen hauchdünnen Sieg im Sprint gibt es jedoch für die männlichen Anleger: Mit einer Vor-Kosten-Rendite von 7,72 Prozent landeten die Männer im Jahr 2012 denkbar knapp vor den Frauen. Diese brachten es im Schnitt auf 7,66 Prozent. Allerdings gingen die Herren dafür auch wesentlich höhere Risiken ein. Und wenn man die Wertentwicklung über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre betrachtet, ließen wiederum die Frauen die Männer hinter sich - und zwar mit deutlicherem Abstand: Sie schafften eine jährliche Vor-Kosten-Rendite von 6,3 Prozent, die Männer dagegen von sechs Prozent.

Das heißt: Wenn eine Frau am Jahresbeginn 2009 1000 Euro anlegte, besaß sie Ende 2012 unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes im Mittel einen Betrag von 1275 Euro. Sie konnte sich also über einen Gesamtzuwachs von 27,5 Prozent freuen. Männer erzielten eine Gesamtperformance von 26,3 Prozent über denselben Zeitraum. Beide Geschlechter erreichten also eine deutlich bessere Rendite als etwa mit risikoarmen Tagesgeldkonten - und schafften damit mehr als nur einen Inflationsausgleich.

Unterschiedliche Strategien, ähnliche Ergebnisse

Interessant: Trotz ähnlicher Anlageergebnisse auf kurze Sicht unterscheiden sich die Geschlechter in ihrem Anlageverhalten fundamental. Wie schon in früheren Geschlechterstudien der DAB, aber auch anderer Onlinebroker deutlich wurde, gehen Männer bei der Geldanlage ein höheres Risiko ein. Frauen sind dagegen deutlich sicherheitsorientierter. So sind männliche Anleger stärker als weibliche in Aktien, Zertifikaten und Optionsscheinen investiert, während Frauen wiederum verstärkt auf breit streuende Investmentfonds und Anleihen setzen.

Die untersuchten Männerdepots bestanden zum Beispiel etwa zu gut 53 Prozent aus Aktien, knapp 32 Prozent aus Fonds, zehn Prozent aus Anleihen, 3,2 Prozent aus Zertifikaten und 0,8 Prozent aus sehr riskanten Optionsscheinen. Frauen dagegen investierten nur 49 Prozent ihres Geldes in Einzelaktien und mehr als 35 Prozent in Fonds, Anleihen machten elf Prozent, Zertifikate 2,8 Prozent und Optionsscheine nur 0,4 Prozent des Depots aus. Männer hielten darüber hinaus weniger Cash, waren also immer stärker investiert als Frauen.

Die Frauen haben folglich ihre guten Anlageergebnisse im Schnitt bei geringerem Risiko erzielt. Dieses Ergebnis bestätigten auch die Studien aus früheren Jahren und auch die Untersuchungen des Centre for Financial Research der Universität Köln: Auch weibliche Fondsmanager gehen demnach weniger Risiken ein und erzielen dabei oft nachhaltigere Ergebnisse.

"Hin und her macht Taschen leer."

Auch im Handelsverhalten gibt es klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen stehen mehr zu ihren Investments und handeln seltener. So führten sie im Schnitt nur 3,2 Transaktionen pro Jahr durch, während die Männer 6,9-mal Wertpapiere kauften oder verkauften. Wenn man die Kosten für die Transaktionen berücksichtigt, dürfte der Minivorsprung der Männer bei der Ein-Jahres-Performance nochmals geringer ausfallen oder sogar ganz schwinden. Eine bekannte Börsianerregel lautet ja: "Hin und her macht Taschen leer." Informationen zum Wertzuwachs nach Kosten enthält die Studie der Onlinebank allerdings nicht.

Noch immer sind Onlinebroker in Deutschland eine Domäne der Männer. Zwar konnte die DAB seit Gründung im Jahr 1994 den Anteil der weiblichen Kundschaft steigern, doch noch immer beträgt der Frauenanteil erst 26 Prozent. Diese Damen sind in Börsenfragen allerdings sehr gewieft, wie ihre Anlageergebnisse zeigen. Doch nach wie vor sind ihre Depots im Schnitt um 40 Prozent kleiner als Männerdepots. Frauen halten nur rund 19 Prozent am gesamten Depotvolumen.

Dies lässt sich nach Meinung der Bank auch damit erklären, dass Männer in Deutschland nach wie vor laut den Daten des Statistischen Bundesamts rund 23 Prozent mehr verdienen als Frauen - und daher schlicht auch mehr Geld zum Anlegen haben. Eine Lücke, die seit Jahren in etwa gleich groß bleibt, obwohl immer mehr Frauen mit besseren Abschlüssen in die Berufswelt drängen. Frauen haben auch wegen Familienpause oder Teilzeitjobs häufig weniger Chancen auf ein höheres Einkommen oder gar Vermögen als Männer. Möglicherweise ist das auch einer der Gründe dafür, dass die Frauen in ihren Depots vorsichtiger agieren: Sie haben im übertragenen Sinne mehr zu verlieren.

Für ihre Depotauswertung 2012 hat die Bank rund 480.000 Privatanlegerdepots herangezogen. Bei der Analyse der Wertentwicklung wurden Depotzu- und -abflüsse herausgerechnet, allerdings erfolgte die Betrachtung vor Kosten und ohne Risikogewichtung.

In den ersten drei Geschlechterstudien im Zeitraum 2000 bis 2008 hatten stets die Frauen die Männer bei der Performance abgehängt, 2009/10 lagen dagegen erstmals die Männer vorn. Damals hatten die männlichen Anleger mit einer Vor-Kosten-Rendite von 17,2 Prozent die weiblichen klar geschlagen, die Frauen kamen nur auf 14,2 Prozent. "Das Ergebnis der aktuellen Studie macht deutlich, dass Männer und Frauen bei der Geldanlage mit unterschiedlichen Ansätzen gleichermaßen erfolgreich sein können - genau wie im richtigen Leben auch", so die Schlussfolgerung der Bank.