Stresstest für US-Großbanken Geithner gibt Entwarnung

Noch bevor das Resultat des sogenannten Stresstests der US-Regierung für die Großbanken des Landes offiziell bekannt ist, schließt Finanzminister Geithner weitere Pleiten aus. Doch der Kapitalbedarf ist riesig.

Keine der dem sogenannten Stresstest unterzogenen US-Banken droht nach Aussage von Finanzminister Timothy Geithner die Pleite. In einer Fernsehsendung sagte der Minister am Mittwoch laut Transkript weiter, die große Mehrheit dieser 19 Banken werde in den kommenden sechs Monaten genügend privates Kapital beschaffen können.

US-Finanzminister Timothy Geithner rechnet nicht damit, dass eine weitere US-Großbank vorerst pleite gehen könnte.

(Foto: Foto: dpa)

Allerdings brauchen mehrere amerikanische Großbanken in erheblichem Umfang zusätzliches Kapital, um die Wirtschaftskrise durchzustehen. Dies ergab die groß angelegte Untersuchung des amerikanischen Finanzministeriums, dessen Ergebnisse am späten Mittwochabend bekannt wurden. Am größten ist die Kapitallücke bei der Bank of America, die vermutlich 34 Milliarden Dollar benötigt.

Nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien benötigt auch die Großbank Wells Fargo 15 Milliarden Dollar an frischem Kapital, bei GMAC, der Finanzierungstochter des Autokonzerns General Motors, sind es 11,5 Milliarden Dollar, Citigroup, die einst größte Bank der USA benötigt erneut fünf Milliarden Dollar.

Dagegen brauchen J.P. Morgan Chase, die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley und der Kreditkartenkonzern American Express keine zusätzlichen Reserven.

Immer noch zu optimistisch

Bei dem mehrwöchigen Stresstest hatten Experten des Finanzministeriums die Bilanzen von insgesamt 19 Kreditinstitute durchleuchtet. Dabei wurde geprüft, ob die Geldhäuser zwei Jahre durchhalten können, wenn sich die Wirtschaft noch schlechter entwickelt, als von der Regierung angenommen.

Einige Ökonomen hatten kritisiert, dass die Szenarien, die dabei unterlegt wurden, immer noch zu optimistisch sind. So ist die Arbeitslosigkeit im ersten Quartal mit 8,1 Prozent bereits höher als von der Regierung im schlimmsten Fall unterstellt.

Die ersten Meldungen über die Ergebnisse des Stresstests hatten trotzdem dazu beigetragen, die Finanzmärkte zu beruhigen. Weit ernster als ursprünglich erwartet, ist die Lage bei der Bank of America (BoA).

Die amerikanische Regierung hatte das Institut seit Beginn der Krise bereits mit rund 45 Milliarden Dollar gestützt; die Bank leidet unter den massiven Verlusten der Investmentbank Merrill Lynch.

BoA hatte Merrill im vergangenen September aufgefangen, um den Zusammenbruch des schwer angeschlagenen Geldhauses abzuwenden. Theoretisch haben die Banken nach dem Stresstest ein halbes Jahr lang Zeit, um sich auf dem privaten Markt das nötige Kapital zu besorgen.

Danach müssen sie weitere Einlagen der Regierung akzeptieren. Im Falle der Bank of America gilt es jedoch als unwahrscheinlich, frisches Geld durch den Verkauf von Vermögenswerten zu mobilisieren. Vermutlich wird die Regierung daher ihre bisherigen Einlagen von Vorzugs- in Stammaktien umwandeln.

American Express braucht keine neuen Mittel

Dadurch würde der Staat zu einem der größten Anteilseigner der Bank. Der Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, steht wegen der Verluste unter Druck. Nach deutlicher Kritik der Aktionäre musste er seinen Posten als Chairman - die Position entspricht etwa dem deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden - aufgeben, blieb aber CEO (Vorstandschef).

Als Überraschung gilt auch, dass American Express keine zusätzlichen Mittel braucht. Das Institut hatte zuletzt hohe Verluste gemeldet. Der Kapitalbedarf bei Citigroup ist kleiner als erwartet. Experten hatten mit einer Lücke von zehn Milliarden Dollar gerechnet. Als Reaktion auf den Stresstest stiegen die Bankaktien in den letzten Handelsminuten in New York auf breiter Front. Die Aktie von Citigroup legte um 18 Prozent zu.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte sich am Dienstag vor dem Kongress zuversichtlich gezeigt, dass "viele" der untersuchten Banken ihre Kapitalbedürfnisse an den Märkten und ohne zusätzliche Staatsgelder decken können. Allerdings gehen der amerikanischen Regierung gehen allmählich die Reserven aus: Von dem ursprünglich 700 Milliarden Dollar schweren staatlichen Rettungspaket für den Finanzsektor (TARP) sind inzwischen nur noch 110 Milliarden Dollar übrig.