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Stresstest für Kreditinstitute:Helle Aufregung um Europas Banken

Mehrere Banken in Europa dürften den Stresstest in der Branche nicht bestanden haben. Eilig suchen Europas Finanzminister nach einer Lösung, um die Kreditinstitute finanziell zu stärken. Deutschlands Institute drängen gar darauf, die Ergebnisse unter Verschluss zu halten.

Was passiert, wenn am kommenden Freitag die Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht werden? Die Finanzminister der 27 EU-Staaten befürchten Schlimmes - und suchen nun einen Auffangmechanismus für kriselnde Banken, um die Branche vor Pleiten zu bewahren.

Stresstest für Banken - Frankfurter Bankenskyline

Stresstest für Banken - die Branche muss ungewohnt tiefe Einblicke in ihr Zahlenwerk dulden.

(Foto: dpa)

91 europäische Institute mussten im Rahmen dieses Tests detailliert Auskunft über ihre finanzielle Situation geben und es gilt als sicher, dass einige Geldhäuser den Test auf Krisenfestigkeit nicht bestanden haben. Die spanische Zeitung ABC berichtet etwa, dass sechs spanische Banken durchgefallen seien - darunter fünf Sparkassen und eine mittelgroße Bank.

Die Ergebnisse werden offiziell erst am Freitag um 18 Uhr veröffentlicht, nach Handelsschluss. Die EU-Finanzminister einigten nach einem Gipfel in Brüssel am Dienstag darauf, durchgefallene Banken zu unterstützen. An den Maßnahmen solle der Bankensektor selbst beteiligt sein, es werde aber - wenn nötig - auch eine Unterstützung der Regierungen geben. Die Hilfen würden sich allerdings in dem Fall an den Wettbewerbsregeln der EU orientieren, die Staatshilfen eigentlich untersagen.

"Müssen wissen, was zu tun ist"

Die EU-Staaten verlangen, dass die Banken sich bis Jahresende mit frischem Kapital versorgen. "Wenn man einen Stresstest macht, muss man sich vorbereiten, dass die eine oder andere Bank Schwierigkeiten haben wird", sagte der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden. "Wir müssen wissen, was zu tun ist."

Die österreichische Ressortchefin Maria Fekter sagte: "Wir haben schon Banken, denen es nicht gut geht, im Staatsbesitz. Wir schauen uns an, was da der Stresstest sagt."

Bei dieser zweiten Runde der Stresstests legt die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA strengere Kriterien an und will mehr Details bekanntgeben. Auf diese Weise will sie das Vertrauen der Märkte in die Bankenbranche stärken. In einer ersten Runde waren im vergangenen Jahr lediglich sieben Geldhäuser gescheitert, darunter die verstaatlichte deutsche Hypo Real Estate (HRE).

Dies hatte erhebliche Kritik hervorgerufen. Die Vermutung: Die Tests waren zu lasch. Immerhin musste Irland wegen seiner Probleme im Bankensektor kurze Zeit später unter den Euro-Rettungsschirm flüchten.

Doch die Sorge ist nicht nur bei Banken in Krisenländern groß: Auch die deutschen Institute befürchten, dass ihnen die Veröffentlichung der Ergebnisse schaden könnte: In einem Brief an die Europäische Bankenaufsicht warnte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) der fünf deutschen Bankenverbände davor, dass Anleger gegen die betroffenen Banken spekulieren könnten.

"Sollte die Veröffentlichung in der geplanten Form erfolgen, befürchten wir, dass das in keinster Weise zur Vertrauensbildung beiträgt oder die Märkte beruhigt - genau das Gegenteil dürfte der Fall sein", heißt es in dem vom Geschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, unterzeichneten Schreiben.

Schreiben ohne Reaktion

Mit seiner Forderung, deutlich weniger Daten über die Banken preiszugeben, ist der ZKA allerdings auf taube Ohren gestoßen. Die Formulare für die Veröffentlichung hätten sich infolge des Briefs nicht verändert, die EBA habe nicht einmal geantwortet, hieß es in Verbandskreisen.

Das Formular erlaube wie nie zuvor tiefe Einblicke in die Strategie der Banken, in ihre Positionierung am Markt und ihr Risikoprofil, warnt der in diesem Jahr vom BdB geführte ZKA. Die Offenlegung der Daten berge juristische Risiken und verletze die Vertraulichkeit. Die EBA will in dem Stresstest neben der Entwicklung der Kapitalausstattung der Banken unter normalen Umständen und in einem Krisenszenario in diesem und im nächsten Jahr auch deren voraussichtliche Gewinne 2011 und 2012 veröffentlichen.

Diese könnten wegen der besonderen Annahmen der Belastungsprobe stark von den eigenen Prognosen der Banken und Analystenschätzungen abweichen. Das schaffe Verwirrung am Markt, schreibt Kemmer.

Auf allein vier Seiten sollen die Stresstest-Teilnehmer ihre Kredit- und Staatsanleihen-Risiken in allen EU-Staaten, den USA und Japan offenlegen - nach Land, Betrag und Laufzeit.

Der ZKA warnt, dass Dritte damit den Absicherungsbedarf der Banken dafür genau abschätzen könnten. "Das hätte direkte Auswirkungen auf die Marktpreise für die jeweiligen Kreditausfallversicherungen (CDS) und andere Hedging-Instrumente", heißt es in dem Brief.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/hgn
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