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Stresstest: Bankenaufsicht CEBS:Heikle Aufgaben im 18. Stock

Zuständig für Stress: Das Aufsichtsgremium für europäische Banken, kurz CEBS genannt, führt den Belastungstest durch. Eine heikle Aufgabe, den sie erfordert das Geschick zwischen den Aufsehern aus 27 EU-Ländern zu vermitteln.

Fragt man bei Bankenaufsehern oder der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Details zu den Stresstests, gibt es eine typische Antwort: "Das macht alles das Cebs. " So wird das Commitee of European Banking Supervisors abgekürzt, also ein Aufsichtsgremium für europäische Banken.

Es residiert im 18. Stock eines Hochhauses in der Londoner Broad Street und beschäftigt gerade einmal 25 Mitarbeiter.Die kommen seit einigen Wochen mächtig ins Schwitzen. Sie haben eine heikle Aufgabe,und einheitliche Standards für die Stresstests setzen müssen.

Viele Länder haben nicht nur eine Bankenaufsicht, sondern zwei. Zum Beispiel teilen sich in Deutschland die Bafin und die Bundesbank diese Aufgabe. Alle Länder sind Mitglieder von Cebs. Für Deutschland arbeiten Thomas Schmitz-Lippert (Bafin) und Erich Loeper (Bundesbank) dort mit. Die beiden müssen in London klarmachen, welche Konsequenzen die Stresstests für die Banken in Deutschland haben werden und wie man die nationalen Besonderheiten am besten europaweit koordiniert.

Durchgriffsrecht auf europäische Banken

Das Cebs wurde 2004 gegründet und berät die EU-Kommission bei Finanzgesetzen. Es soll außerdem helfen, die Praxis der Bankenaufsicht in Europa zu vereinheitlichen. Erst die Finanzkrise hat diesen Prozess beschleunigt. 2011 soll der Ausschuss zu einer richtigen Behörde aufgewertet werden und Durchgriffsrechte auf europäische Banken erhalten. Das ist zumindest die Wunschvorstellung des europäischen Parlaments. Bisher sperren sich die Briten und die Deutschen gegen eine europäische Deutungshoheit über ihre Banken. Die künftige europäische Bankenaufsicht soll EBA heißen.

Schon das Gezacker um die Stresstests macht klar, wie schwierig eine einheitliche Bankenkontrolle im europäischen Raum sein wird. So gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Qualität von Eigenkapital. Welche Formen von Kapital eine Bank vorhalten muss, wenn sie riskante Kredite ausleiht, darüber wird auch in anderen Gremien der Bankenaufseher seit Jahren diskutiert. Das neue Regelwerk namens Basel II wurde durch die Finanzkrise gleich wieder zur Makulatur. Inzwischen ist eine Überarbeitung unter dem Namen Basel III in Arbeit.

Stresstests werden vom Cebs seit 2009 koordiniert, zunächst für die gut 20 größten Banken in Europa. Inzwischen wurden die Tests auf 91 europäische Banken ausgeweitet. Schon die Veröffentlichung der Liste mit den Namen der betroffenen Banken sorgte Anfang Juli für große Aufregung. Dann ging es darum, was diese Banken genau darlegen sollten.

Zu mehr Offenheit gedrängt

Die spanischen Aufsichtsbehörden wollten so viel wie möglich preisgeben. Sie erhofften sich von dieser Transparenz einen besseren Zugang zu den Kapitalmärkten. Deutschland, aber auch Frankreich, wollten nicht alle Details preisgeben. In Frankfurt wurden die Banken dann bei einem Treffen mit Bundesbankpräsident Axel Weber und Bafin-Chef Jochen Sanio zu mehr Offenheit gedrängt.

Bisher dürfen die Kreditinstitute von Gesetzes wegen Zahlen verschweigen, die das Geldhaus in Schwierigkeiten bringen könnte. Deshalb dauert es in London oft Tage, bis ein Kompromiss gefunden wird, der auch auf politischer Ebene Beifall findet.

Schwer europäisch ist auch die Leitung des Aufsichtsgremiums Cebs. Den Vorsitz führt der Italiener Giovanni Carosio, für strategische Vorgaben ist Arnoud Vossen als Leiter des Sekretariats zuständig. Als Beobachter sind auch die Länder Island, Liechtenstein und Norwegen dabei. Die Europäische Kommission hat ebenfalls einen Mann nach London geschickt, aber auch die EZB, die über einen eigenen Ausschuss für die Bankenaufsicht verfügt.

© SZ vom 24.07.2010/pak
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