Straßen in München Valleystraße

Würde man Straßen personifizieren, wäre die Valleystraße eine alte Dame mit Handtasche und Hut. Ihre Freundinnen um die Ecke haben sich auch gut gehalten, aber die Valley ist die Schönste - mit Abstand.

Von Christa Eder

Würde man Straßen menschliche Eigenschaften zuschreiben, wäre die Valleystraße wohl eine ältere, gepflegte Dame mit Handtasche, vielleicht mit Hut. Ihr Markenzeichen sind Zurückhaltung und Understatement. Theatralik hat sie nicht nötig. Ihre Freundinnen um die Ecke, die Daiser, Aberle oder Kidler haben sich zwar auch ganz gut gehalten, aber die Valley ist die bestaussehende und charmanteste. Und zwar mit Abstand.

Die Bewohner der Valleystraße dekorieren bis ins Detail: Aus den echten Pflanzen recken sich künstliche Sonneblumen und künstlerische Büsten.

(Foto: alle Fotos: sueddeutsche.de)

Top-Aussehen

Die Valley schafft es sofort, Sympathie zu verströmen. Alles an ihr ist stimmig, nichts übertrieben oder geleckt. Die ganze Straße besteht aus dezent renovierten Altbauten, dazwischen auch ein paar unrenovierte, mit schönen Eingangstüren, geschwungenen Balkonen und begrünten Hauswänden. Davor stehen Ahornbäume, die die kleine Kopfsteinpflasterstraße säumen.

Grüner Streifzug

Überhaupt sehr grün ist die Valleystraße. Auf der Südbad-Seite gibt es einen kleinen Park mit Sitzbänken und einen Spielplatz - der Treff für alle Mütter und Kindergartenkinder aus dem Viertel. Die anderen Bewohner Valleystraße treffen sich im Eiscafé oder im Südbad. Man kennt sich, grüßt sich und redet miteinander.

Wir sind in Altsendling, im Karree zwischen Impler-, Lindwurmstraße und Harras. Das traditionelle Kleine-Leute-Viertel mit den alten Genossenschaftsblöcken und den einst günstigen Mieten ist ein begehrtes Wohnviertel geworden. Bis in die siebziger Jahre standen hier noch Kriegsruinen. Seit in den Achtzigern die große Sanierungs- und Umwandlungswelle begonnen hat, sind viele Eigentumswohnungen entstanden, und mit ihnen kam eine neue, betuchtere Klientel.

Geschlossene Traditionen

Alteingesessene erinnern sich gerne an die Einweihung des Südbads, 1972. "Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters Hans-Jochen Vogel", erinnert sich ein Anwohner: "Dabei kam es fast zum Eklat, weil der alte Polizeiinspektor aus unserem Haus mit dem Hacklstock gegen die nackte Venus protestierte." Das ist lange her.

Ebenso wie die berüchtigten Valleyrocker, die in den sechziger Jahren das Viertel auf Trab hielten. Vergangenheit sind auch einige kleine Läden und auch die alten Sendlinger gibt es kaum mehr. Dafür Zugezogene; manche von ihnen sagen "Välli", mokiert sich ein Anwohner.

Abstammung des Namens

Wie fast alle Straßen im Viertel verdankt übrigens auch die Valley ihren Namen den Helden der "Sendlinger Mordweihnacht" von 1705. Bei dem Bauernaufstand der Oberländer gegen die Habsburger Besatzer, an denen sich auch die Bewohner von Valley beteiligten, wurden circa 10.000 Rebellen regelrecht abgeschlachtet. Gegen die Feuerwaffen der Österreicher hatten die Bauern mit ihren Sensen, Dreschflegeln und Heugabeln keine Chance.

Zu teuer für die Alten

Heute wohnen vor allem junge Leute und Familien in den renovierten Stuck-Parkett-Altbauten, die alle wollen. Bis zu zwölf Euro Miete pro Quadratmeter zahlen sie jetzt dafür. Zu viel für die meisten Altsendlinger, von denen inzwischen einige abgewandert sind. Wie sich das Viertel verändert hat, merkt man schon allein am Parkplatzproblem. Damals, als überwiegend alte Leute ohne Autos in den großen Wohnungen lebten, war die halbe Valleystraße leer. Heute stapeln sich die Autos.

Wer aber wegzieht aus der Straße, hat keine Probleme, einen Nachmieter zu finden. In die Valley wollen eben alle.