Straßen in München:Sollner Straße

Lesezeit: 3 min

Solln wurde erst vor 66 Jahren eingemeindet. Dafür ist das Dorf aber bereits in Schriften aus dem zehnten Jahrhundert erwähnt, ist also älter als München.

Städtisch führt sich die Sollner Straße nur ein Stück weit auf: Zwischen der Wolfratshauser- und der Herterichstraße gibt es ein paar Geschäfte. Im nördlichen Teil kennt man außer der Buchhandlung, dem Friseur, dem Einrichtungs-, Wein- und Brillenladen vor allem das berühmte Kino, zu dessen Programmfilmen seit Jahrzehnten Cineasten pilgern. Wer nur schwer Treppen steigen kann, sei gewarnt: Beide Kinos befinden sich im ersten Stock, und einen Lift gibt es nicht, obwohl das Kino erst vor wenigen Jahren restauriert wurde.

Das Wirtshaus "Zum Hirschen" nebenan, direkt an der S-Bahn, steht hier seit mehr als hundert Jahren. "Den künftigen Villenbesitzern in unserer Kolonie", liest man im Stadtarchiv im Konzessionsgesuch des Bürgerlichen Brauhauses "an die verehrliche Gemeindeverwaltung Solln in Solln", könne nicht "zugemutet werden, dass sie ihre Bedürfnisse in der über der Bahn gelegenen Höllriegelschen Wirtschaft decken, weil das tief im Winter mit zu großen Umwegen verknüpft würde und insofern für die Gemeinde Solln ein Ausfall entstehen würde, als die Wilhelmshöhen-Bewohner ihren Bierbedarf durch Flaschenbier decken müssten".

Überdies verliere man womöglich den Bierpfennig, "weil die auf dem Bau beschäftigten Arbeiter ebenfalls auf Flaschenbier umsteigen müssten." Seither gibt es hier also das Bier im Glas, und auch der Prinzregent Luitpold ließ seinen Kutscher viele Male an dem von Gustav Schellenberger im Landhausstil entworfenen und dank Denkmalschutz nach wie vor unveränderten Schmuckstück an der Sollner Straße, die früher Hirschenstraße hieß, anhalten.

Nicht minder ansehnlich ist die alte ehemalige Hubertus-Apotheke schräg gegenüber, wo die siebenfache Mutter Alinde Rothenfußer in ihrer Galerie "Orplid" überwiegend zeitgenössische Künstler ausstellt; die Galerie gehört aber, wie die Garibaldi-Dependance, ein pittoresker Pavillon auf der Kreuzung zum S-Bahnhof, genau genommen schon zur Diefenbachstraße.

Trotz der ausgezeichneten Kneipen-Situation sind die Hiesigen nachlässige Gasthaus-Gäste, sie bewirten sich eher daheim. Familien, Spezln, Nachbarn treffen sich da - und nicht nur für Freunde ist die Nachbarschaftshilfe hier ungewöhnlich aktiv. Vor allem dann, wenn in schwierigen Lebenslagen schnelle und stille Unterstützung, Trost und Beistand nötig werden.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB