Straßen in München Rosenheimer Straße

Ansonsten ist das Geschäftsleben an der Rosenheimer nicht sehr pittoresk. Die meisten Läden sind von der billigen Sorte: Sexshops, Second-Hand-Möbel, "LasVegas"-Spielhölle, ein Second- Hand-Shop für Schallplatten und CDs. Und viel Durchschnitts-Gastronomie. Der Rosenheimer Platz ist nicht viel mehr als eine Verkehrsinsel mit Straßenbahnanschluss. Immerhin hat sich hier noch ein kleines Kino gehalten. Die nagelneue Dependance einer Unternehmensberatung gegenüber glänzt kühl.

Acht Bierkeller sind verschwunden

Von einstiger Bierseligkeit ist an der Rosenheimer Straße rein gar nichts mehr erhalten. Früher säumten gleich acht Bierkeller die Straße bis hinauf zum Rosenheimer Platz: Maderbräu, Schützbräu, Hallmeyerbräu und wie sie alle hießen. Der Rosenheimer Berg war durchlöchert mit Bierkellern. Von den Kastanien obenauf sind noch ein paar Exemplare erhalten, allerdings arg gebeutelt durch die Miniermotte.

Der im Krieg beschädigte Münchner-Kindl-Keller, ein dekorativer Riesenbau im Stil der Deutschrenaissance, musste Anfang der 70er dem Motorama weichen. Er beherbergte Münchens größten Saal. Davor lag ein weitläufiger Biergarten.

Hitler-Attentat im Bürgerbräukeller

Dort, wo jetzt das Verwaltungsgebäude der GEMA und das City-Hilton steht, war einst der Bürgerbräukeller. Eine bemerkenswert unscheinbare Gedenktafel erinnert an den Schreiner Georg Elser, der hier 1939 im Festsaal des Bürgerbräukellers ein Bombenattentat auf Adolf Hitler verübte. Der Diktator entging dem Anschlag. Elser wurde gefasst und kurz vor Kriegsende als "persönlicher Gefangener des Führers" in Dachau ermordet. Hätte der mutige Mann erreicht, was er wollte, München und der Rosenheimer Straße wäre vieles erspart geblieben.

Jenseits der Orleansstraße und der Eisenbahnüberführung zieht sich die Rosenheimer recht unmotiviert durch gesichtslosen Siedlungsbrei, bis sie sich am Ende doch noch einmal zu wahrer Größe aufschwingt. Das Ramersdorfer Kirchlein St. Maria, verkehrsgünstig an Mittlerem Ring und Autobahnauffahrt gelegen, gilt als eine der ältesten Wallfahrtsstätten Bayerns und birgt ein wahres Kleinod: einen spätgotischen Schnitzaltar von Erasmus Grasser, einem der eigenwilligsten Bildhauer der Dürerzeit.

Fachhandel für Rockerbedarf

Nachtrag: Ganz am Beginn der Rosenheimer Straße, wo sie sich von der Museumsinsel zum Gasteig empor arbeitet, gab es ein veritables Münchner Traditionsgeschäft, eine Art Fachhandel für Rockerbedarf. Das Schaufenster mit den verstaubten Auslagen, Ketten und allerlei Lederaccessoires, schien seit Jahrzehnten unverändert. Hier verkaufte Hans-Werner Erdmann seine berühmten Motorrad-Lederjacken.

In den 70er Jahren war die Erdmann-Jacke Kult, für den Regisseur Rainer Werner Fassbinder etwa ein ständiger Begleiter. Den Laden gibt es nicht mehr; die Jacken sind immerhin noch im Internet zu kaufen. Wieder einmal hat München eine originelle Adresse weniger und einen Backshop mehr.