Strafanzeige gegen die Citibank:Unterschriften gefälscht?

Übler Verdacht: Zwei Lehman-Anleger reichen Strafanzeige gegen die Citibank ein. Ihr Vorwurf: Urkundenfälschung.

Hannah Wilhelm

Herr M. staunt: "Ihr Risikoprofil" steht da auf dem Papier der Citibank, außerdem sein Name, seine Adresse, seine Kontonummer - und eine Unterschrift. Aber seine ist es nicht, darauf besteht er.

Strafanzeige gegen die Citibank: Anlegerin demonstriert in Düsseldorf gegen die Citibank. Das Institut hat besonders viele Lehman-Papiere verkauft.

Anlegerin demonstriert in Düsseldorf gegen die Citibank. Das Institut hat besonders viele Lehman-Papiere verkauft.

(Foto: Foto: dpa)

Er habe dieses Dokument, das ihn als äußerst risikofreudig einstuft, niemals unterschrieben. Deshalb reicht er nun Strafanzeige ein, gegen die Citibank in Bremen. Sein Vorwurf: Urkundenfälschung. Und er steht nicht alleine. Ein weiterer Anleger klagt mit ihm zusammen, er war beim selben Berater wie Herr M., und er erzählt dieselbe Geschichte.

Mit einem Mal wertlos

Herr M. hat im April 2007 bei der Citibank Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft - wie so viele Anleger auf Anraten ihres Bankberaters. Als Lehman dann im September 2008 pleite ging, waren seine Papiere mit einem Mal wertlos.

In Deutschland haben schätzungsweise mehr als 40.000 Anleger Lehman-Zertifikate gekauft - und durch die Insolvenz ihr Geld verloren. Viele von ihnen fühlen sich von ihrer Bank falsch beraten, klagen oder schließen sich in Interessengemeinschaften zusammen. Die Citibank hatte die Papiere in der Vergangenheit besonders offensiv vertrieben.

Als Herrn M. im September 2008 klar wird, dass er sein Geld verloren hat, fordert er die Citibank auf, ihm die Kaufdokumente vorzulegen. Er will das alles noch einmal überprüfen, will wissen, was er da genau gekauft hat.

Risikofreudiger geht es kaum

Der 62-Jährige sagt, er habe damals nur einen weißen Blanko-DIN4-Zettel mit einigen wenigen Angaben unterschrieben. Mehr nicht. Der Berater habe gesagt, das müsse er tun, um das Papier zu erwerben. Die Citibank schickt ihm auf seine Aufforderung hin das Risikoprofil mit der Unterschrift, von der er sagt, dass sie nicht die seine ist.

Auf die Feststellung "Bei meinen Anlagen steht ausschließlich die Sicherheit im Vordergrund" ist dort angekreuzt: "stimme nicht zu". Bei "Ich möchte gerne höhere Renditen erzielen und bin dafür bereit, Risiken zu akzeptieren" steht "stimme voll zu". Risikofreudiger geht es kaum.

Außerdem schickt ihm die Citibank eine Wertpapier-Order, auch sie mit seiner Unterschrift . Auf dem Papier steht, dass Herr M. über die Risiken des Produkts aufgeklärt worden sei und dass er darauf verzichtet, weitere Unterlagen ausgehändigt zu bekommen. Außerdem ist handschriftlich notiert, dass die Citibank Provisionen erhält.

"Auf das Formular kopiert"

Diese Unterschrift ist tatsächlich die seine, sagt Herr M., er erkennt sie. Doch: Das Dokument habe er nie gesehen. Der Schriftzug steht nicht auf der dafür vorgesehen Linie, sondern irgendwo mitten im Text des Formulars. Die Vermutung seines Anwalts André Ehlers aus Bremen: "Die Unterschrift wurde im Nachhinein auf das Formular kopiert."

Es sind schwere Vorwürfe, die Ehlers und seine beiden Mandanten gegen den Bankberater der Citibank erheben: Sie verdächtigen ihn, Unterschriften und Dokumente gefälscht zu haben, um so wohl im Nachhinein beweisen zu können, dass bei dem Verkauf der Zertifikate alles mit rechten Dingen zugegangen ist - so die Vermutung von Anwalt und Anlegern.

Die Citibank weist den Vorwurf von sich, es handele sich um einen systematischen Betrug. Man dürfe die Bank nicht unter Generalverdacht stellen. "Es handelt sich um Einzelfälle, wir überprüfen nun das Vorgehen der Mitarbeiter", sagt ein Sprecher. Für den Berater von Herrn M. hat das Ganze bereits arbeitsrechtliche Folgen: "Er wurde Anfang der Woche von seinen Aufgaben in der Bank freigestellt."

© SZ vom 14.08.2009/pak
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