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Steuerliche Gleichstellung von Fahrrädern und Dienstwagen:Arbeitgeber kann Leasingraten steuerlich absetzen

Eos arbeitet mit dem Dienstleister Leaserad in Freiburg zusammen. Ulrich Prediger hat Leaserad 2008 gegründet und bietet Unternehmen Leasingmodelle für hochwertige Fahrräder an. Der 41-Jährige hat früher als Produktmanager in einem Medizintechnik-Konzern einen Dienstwagen gehabt, der meistens in der Garage stand. Als er seinen Arbeitgeber fragte, ob er das Auto denn gegen ein Fahrrad tauschen könne, sei er nur belächelt worden.

"Da habe ich festgestellt, dass es noch gar keine Konzepte dafür gab", sagt er. Das war 2007. Er witterte ein Geschäftsmodell, schrieb einen Businessplan und machte sich selbständig. "Ich habe nicht die Illusion, dass Vertriebsleute oder Vorstände komplett aufs Fahrrad umsteigen", sagt Prediger. Aber für kürzere Strecken sei ein Rad attraktiv. Es spare Kosten, senke Krankheitstage, und man komme viel frischer ins Büro.

Predigers Problem war, dass Diensträder nicht unter das Dienstwagenprivileg fielen - unattraktiv für Firmen und Mitarbeiter. Er schrieb an das Bundesfinanzministerium und erhielt eine "klare Absage". Es gebe keine Ansätze, das Fahrrad dem Dienstwagen gleichzusetzen, hieß es.

Anfrage bei den Landesfinanzministerien scheiterte

Im Sommer 2012 hat Prediger gemeinsam mit Verbänden wie ADFC, Bundesverband Elektromobilität und VCD an die Landesfinanzministerien geschrieben. Parallel dazu hatte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann im Bundesrat beantragt, umweltfreundliche Elektrofahrräder in das Dienstwagenprivileg aufzunehmen, und scheiterte.

Prediger hatte derweil ein alternatives Leasingmodell für E-Bikes aufgelegt, bei dem der Arbeitgeber die Räder aber komplett finanzieren musste. Die Resonanz sei wegen fehlender Budgets und des Aufwandes bei den Unternehmen verhalten gewesen. Er habe jedoch Konzerne wie die Telekom, die Allianz oder Ebay sowie die Stadt Stuttgart als Kunden für meist kleinere Aufträge gewinnen können.

Auch bei der Lufthansa ist nun ein Pilotprojekt geplant. Bei dem neuen Modell "Jobrad" greift nun der Erlass. Der Arbeitgeber zahlt die monatlichen Leasingraten, zieht diese dem Mitarbeiter vom Gehalt ab und legt womöglich noch etwas drauf. Basis ist ein Überlassungsvertrag. Der Arbeitgeber kann die Leasingraten steuerlich absetzen, der Mitarbeiter spart gegenüber einem Kauf und bekommt alle drei Jahre ein neues Modell. Prediger rechnet nun mit einer steigenden Nachfrage. Sein Vorbild ist Großbritannien, wo es nach einer Steuervergünstigung einen Boom für Firmenfahrräder gebe.

Parkplatznot und Umweltschutz

Der Bedarf dürfte wegen der Parkplatznot in Innenstädten und aus Umweltgründen eher steigen. Für 2012 rechnet der Zweiradverband ZIV mit 400.000 verkauften Elektrorädern in Deutschland, doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Roland Huhn vom ADFC begrüßt die neue Regelung: "Das ist praktikabel und einfach, die volle Versteuerung war ungerecht". Er erwartet nun, dass Diensträder gesellschaftsfähig werden. "Ein Unternehmen, das keine Rechtssicherheit hat, verzichtet im Zweifelsfall auf Dienstfahrräder", das sei vorbei.

Beim Bundesverband Elektromobilität sieht Christian Heep in der Gleichbehandlung von Dienstwagen und -rädern "ein aktives Zeichen zur Förderung alternativer Fortbewegungsmöglichkeiten". Er ist zuversichtlich, "dass diese Entscheidung die Attraktivität des Einsatzes von Fahrrädern in Firmen, Verwaltungen und Organisationen deutlich erhöhen wird". Mobilitätsberaterin Nicola Knoch rät nun dazu, die Steuerklausel zu nutzen: "Es gibt wenig Erfahrungswerte, aber man sollte es einfach ausprobieren."