bedeckt München 23°

Dolce & Gabbana: Steuerhinterziehung:Ein italienisches Problem

Nach drei Jahren legte das Paar, das sich privat seit langem getrennt hat, den Rückwärtsgang ein. Ende 2007 holte es die Luxemburger Holding zurück nach Italien, "um das Image des Unternehmens zu schützen", wie es im Bilanzbericht hieß. Seine Anwälte haben die Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Die Staatsanwältin hatte Dolce und Gabbana zum Abschluss ihrer Ermittlungen Mitte Oktober aufgefordert, Elemente zu ihrer Entlastung vorzubringen oder sich befragen zu lassen. Aber bei ihr klopfte niemand an. Ein Richter entscheidet nun, ob ein Prozess eröffnet wird. Auf Betrug steht eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft.

In Italien hängt man den Fall verblüffend niedrig. Das mag auch daran liegen, dass man sich in den Pressehäusern gut an einen Verriss des Mailänder Restaurants "Gold" von D&G im Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore erinnert. Die angedrohte Streichung der Anzeigen konnte die Zeitung durch eine zweite, wohlwollende Gourmetkritik vereiteln.

Außerdem befindet sich das Designer-Duo in namhafter Gesellschaft. Sogar Italiens Lieblingsdiva Sofia Loren saß einige Tage wegen Steuerhinterziehung in Haft. Der Fall Maradona ist den Italienern noch bekannt, weil dem Fußballer einst ein Diamantohrring und zwei goldene Rolex-Uhren beschlagnahmt wurden, um einen Teil seiner Steuerschuld zu tilgen. Ein fiktiver Wohnsitz in London brachte Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi in die Bredouille. Auch dem Sänger Andrea Bocelli und den Modeschöpfern Roberto Cavalli und Valentino rückten die Steuerfahnder auf den Pelz.

Der italienische Finanzjournalist Luca Testoni dokumentierte in einem Buch über die "Kaste der italienischen Modebranche", dass die großen Label teilweise nicht nur ihre Produktion in Schwellenländer auslagern, sondern auch die Gewinne in Steuerparadiesen anfallen lassen. Für noble Marken, die sich ihrer italienischen Herkunft rühmen, ist das nicht unproblematisch.

Der Gründer des Luxusbrillen-Imperiums Luxottica, Leonardo Del Vecchio, einigte sich vor einem Jahr in einem Vergleich auf die Überweisung von 300 Millionen Euro ans italienische Finanzamt. Der Rekordzahlung waren Ermittlungen gegen seine Leofin Holding GmbH in Deutschland vorausgegangen, über die zwischen 1999 und 2006 die Gewinne der operativen Töchter aus Italien gelaufen sind.

Berlusconi erteilt Steuersündern Absolution

Italien wäre ein anderes Land, würde es der gigantischen Steuerhinterziehung einen Riegel vorschieben. 200 Milliarden Euro werden jährlich vor dem Fiskus versteckt. Dem Staat entgehen so Jahr für Jahr Einnahmen in Höhe von 100 Milliarden Euro. Doch mit einer effizienten Bekämpfung des Betrugs tut man sich schwer.

Als Dolce und Gabbana sich zum Umzug nach Luxemburg entschlossen hatten, machte Ministerpräsident Silvio Berlusconi öffentlich Werbung für Steuertricks. Bei einem Auftritt vor der italienischen Finanzpolizei sagte er am 11. November 2004: "Wenn der Staat dir mehr als ein Drittel deines Einkommens abnimmt, ist das ein Übergriff. Dann versucht man sich dem zu entziehen und tut es im Einklang mit dem eigenen Moralgefühl", erteilte Italiens Regierungschef seine Generalabsolution für Steuersünder.

© SZ vom 24.11.2010/hgn

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite