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Start-ups:Newcomer mischen die Branche auf

Vermitteln, planen, bauen: Jungunternehmer treiben die Digitalisierung voran. Dabei sind sie oft gar nicht vom Fach.

Auf der Expo Real, der größten Fachmesse für Immobilien in Europa, gab es für sie 2019 erstmals eine eigene Halle. Und 2020 werden sich dort wohl noch mehr Vertreter der Proptech-Szene tummeln, denn um sie kommt kaum einer in der Branche mehr herum. Bei Proptechs handelt es sich um junge Firmen, die mit neuen Technologien die Digitalisierung in der Immobilienbranche vorantreiben wollen. Der Name Proptech steht für property services (Dienstleistungen der Immobilienwirtschaft) und technology, die Dienste reichen von der Immobilienbewertung über Instandhaltung, Planen und Bauen, Verwaltung, Finanzierung bis hin zur Maklersoftware.

Der Immobilienspezialist Catella hat sich diese Start-ups näher angeschaut (Market Tracker Proptechs 2019). Demnach gibt es hierzulande etwa 300 Proptechs (Stand November), sie haben 13 bis 16 Mitarbeiter, das Durchschnittsalter der Jungunternehmer liegt bei 29 Jahren. Die Hotspots in Deutschland befinden sich vor allem in Berlin, gefolgt von München, Hamburg und Frankfurt. Nur etwa 30 Prozent der Mitarbeiter waren vor ihrer jetzigen Position in der Immobilienwirtschaft tätig, 21 Prozent haben zuvor ein immobilienwirtschaftliches Studium beziehungsweise eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen. "Dies zeigt, dass Proptechs von außen an die Branche herantreten, nachdem sie eine Marktnische erkannt haben und diese mit einer geeigneten Technologie schließen wollen", so Thomas Beyerle, Chef von Catella Research.

Und die etablierten Unternehmen? Finden Digitalisierung inzwischen gut, nachdem sie noch vor einigen Jahren bei diesem Thema in Deckung gegangen sind. Nun hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Digitalisierung ein Prozess ist, der sich nicht aufhalten lässt. Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, meinte aber auch, dass ein Großteil der Proptechs nicht auf disruptive Technologien setze, also auf Technologien, die bestehende erfolgreiche Modelle verdrängen.

Doch genau das tun manche Newcomer, zumindest in Teilbereichen. Seit der Einführung des Bestellerprinzips bei Vermietungen im Jahr 2015, wonach der Makler von demjenigen bezahlt wird, der ihn beauftragt hat, drängten zahlreiche Start-ups auf den Markt. Von 368 Proptechs im deutschsprachigen Raum, also inklusive Österreich und der Schweiz, befassten sich 2018 allein 128 mit der Vermittlung von Immobilien, wie aus dem Proptech Yearbook hervorgeht. Viele der Neugründungen sind inzwischen wieder vom Markt verschwunden, einige wurden verkauft oder arbeiten jetzt mit traditionellen Firmen zusammen.

Das Immobiliengeschäft verändert sich. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt ein Blick ins Ausland. In den USA will die Firma Opendoor mit dem iBuyer-Modell den Markt aufmischen: Immobilientransaktionen sollen innerhalb einer Woche über die Bühne gehen. In der Schweiz befasst sich die Firma Brickmark mit dem Kauf per Kryptowährung, die Schweden haben ein Projekt laufen, bei dem das Grundbuchwesen durch die Blockchain-Technologie modernisiert werden soll.

© SZ vom 15.02.2020
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