Staatliche Förderung Vertragskündigungen sind eine schlechte Wahl

Tendenziell lohnt sich Riester vor allem für kinderreiche Sparer. Je mehr Nachwuchs eine Familie hat, desto höher fällt die Gesamtzulage aus. Aber auch die Ansprüche aus der gesetzlichen und der betrieblichen Rente spielen eine große Rolle. "Sie müssen über der Grundsicherung liegen", erklärt Kleinlein. Bei Geringverdienern, die nur eine Minirente zu erwarten haben und auf staatliche Zuschüsse zur Lebenshaltung angewiesen sind, werden Auszahlungen aus der Riester-Rente meist angerechnet. Wie Hentschel rät Kleinlein, die Kosten der Verträge genau im Auge zu haben. Versicherungen sind hier aus seiner Sicht nicht die beste Wahl. Bei ihnen mindern nicht nur hohe Kosten die Rente, die Gesellschaften kalkulieren aus seiner Sicht auch mit unrealistisch hohen Lebenserwartungen. In der Konsequenz erhalten Versicherte eine zu geringe Rente.

Mit Bank- oder Fondssparplänen, die oft kostengünstiger als Versicherungen sind, lässt sich das Problem aber nur zum Teil umgehen. Denn ein Teil des auf diesem Weg angesparten Kapitals wandert im Alter auch bei diesen Sparformen wieder in eine Versicherung, damit eine lebenslange Rente gewährleistet ist. "Spätestens wenn der Kunde das 85. Lebensjahr erreicht, befindet er sich wieder in den Fängen der Versicherungswirtschaft", sagt Kleinlein.

Wohn-Riester-Verträge verzeichen die höchsten Zuwächse

Umgehen können die Verbraucher die Assekuranz nur mit einem Wohn-Riester-Vertrag. Denn hier gibt es keine Rente, die lebenslang garantiert werden muss. Stattdessen fördert der Staat das mietfreie Wohnen im Alter. Wohn-Riester wird vor allem von Bausparkassen wie Schwäbisch Hall, Wüstenrot oder BHW in Form von Bausparverträgen angeboten. Diese Riester-Form verzeichnet auch die höchsten Zuwächse. Bisher haben rund 979.000 Kunden einen solchen Vertrag abgeschlossen. Er bietet sich aber nur für Sparer an, die ein Eigenheim anstreben.

Wenn ein Kunde in finanzielle Schwierigkeiten gerät und seinen Riester-Vertrag nicht mehr besparen kann oder will, stehen ihm mehrere Optionen offen. "Er kann seinen Vertrag beitragsfrei stellen", erklärt Verbraucherschützer Hentschel. "Dann erhöht sich das Kapital aber nur noch über die Verzinsung." Je nachdem, wann er den Vertrag ruhen lässt, kommt am Ende eventuell nur eine kleine Rente heraus. Zulagen gibt es mangels eigener Einzahlungen in der Ruhephase auch nicht.

Den Vertrag zu kündigen und sich das Kapital auszahlen zu lassen, ist aber meist die schlechtere Wahl. "Wenn der Kunde das Geld nicht umgehend in einen anderen Riester-Vertrag investiert, gilt das als schädliche Verwendung der Zulagen", erklärt Hentschel. Der Kunde muss in diesem Fall die Förderung zurückzahlen.

Die Versicherungsbranche verlangt inzwischen von der Politik Änderungen. "Wir fordern seit längerem, die Vollanrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter aufzuheben", sagt Peter Schwark, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.