bedeckt München 13°

Geld in der Corona-Zeit:Was die Deutschen mit dem Plus auf dem Konto machen

Wohngeld: Selbstnutzende Eigentümer haben Anspruch auf Hilfe

Bei vielen Deutsche blieb 2020 Geld übrig - das sie nun teils anders ausgeben als sonst.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn)

Urlaub gestrichen, Restaurants geschlossen: Viele konnten während der Pandemie Geld zurücklegen. Das investieren sie oft ins Wohlbefinden daheim - aber nicht nur.

Von Alexander Hagelüken, Michael Kläsgen und Thomas Öchsner

Sie hatten lange überlegt, Valerie Monfort und ihr Mann. Eine Sauna ins Eigenheim einbauen? Cool. Aber auch teuer. Dann fiel im Corona-Jahr 2020 der Familienurlaub nach Bali aus, ebenso Lokalbesuche und Einkaufsbummel. Es blieb Geld übrig und so beschlossen die beiden, eine Sauna zu ordern. Vielleicht gibt es ja Rabatt. Aber von wegen. Der Verkäufer lachte laut auf. Drei Monate Wartezeit! Viel zu viele Bestellungen.

So erfahren die Monforts, die in Wahrheit anders heißen, was derzeit einige Bürger erleben. Sie geben Ersparnisse für Dinge aus, die sie sich bisher versagten, die während der Pandemie aber auch viele andere haben wollen.

Auch Haustiere wie Hundewelpen sind schwer zu bekommen. "Steht auf der Webseite ,Keine Welpen vorhanden', ist das meist ein bisschen geflunkert, die wollen einfach keine Anrufe mehr", heißt es beim Verband für das Deutsche Hundewesen. Auf etwa zehn Millionen Hunde sei die Zahl 2020 in Deutschland gestiegen, ein Plus von schätzungsweise 15 Prozent.

Oft dienen die Ausgaben dem Wohlbefinden. Marcus Eisenmenger investierte viel Zeit und 1700 Euro, um an die Australian-Shepherd-Hündin Lilly zu kommen. Denn im ersten Lockdown hatte der Microsoft-Lösungsberater zu seinem Entsetzen eine ganze Woche lang nicht einmal den Fuß vor die Tür gesetzt. Dank Lilly geht er jetzt dreimal täglich an die frische Luft. Ob Sauna oder Rassehund, das Geld für solche Ausgaben ist da.

Die Deutschen machen ihrem Ruf als Sparweltmeister erneut alle Ehre

Corona hat das Einkaufsverhalten in Deutschland verändert. Einerseits sind viele Läden geschlossen. Andererseits floriert das Geschäft in einigen Branchen wie noch nie. Gleichzeitig machen die Deutschen ihrem Ruf als Sparweltmeister erneut alle Ehre. Sie sparten im vorigen Jahr 330 Milliarden Euro, gut 100 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. 2020 legten die Bundesbürger laut DZ-Bank 16 Prozent ihrer Einkünfte auf die hohe Kante. 2019 lag die Sparquote noch bei elf Prozent (Grafik).

Es gibt Indizien, dass die meisten nicht aus Angst oder Geldnot sparen. Zwar verloren manche den Job oder waren viele Monate in Kurzarbeit. Insgesamt aber stieg die Arbeitslosigkeit trotz Krise wenig. Die verfügbaren Einkommen der Deutschen nahmen sogar zu - obwohl gleichzeitig die Wirtschaftsleistung um fünf Prozent schrumpfte. Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie erklärt den Konsumverzicht damit, dass vieles monatelang eben nicht ging: Reisen, Essengehen, Shoppen, Friseur, Kino. Durch Zusatzausgaben für Toilettenpapier, Nudeln und Desinfektionsmittel war das schwerlich auszugleichen.

Weil die Bürger dieses Jahr insgesamt wieder so viel ausgeben dürften wie in normalen Zeiten, beflügeln sie die Konjunktur. Die Deutschen spendieren sich den Aufschwung quasi selbst. "Die Leute haben Geld daliegen und können konsumieren, obwohl die Löhne kaum steigen", sagt Dullien.

Man verschönert sich das Zuhause, weil man viel da ist

Dabei meint er vor allem Mittelschicht und Gutverdiener. Wer wenig Lohn bekam, gab vergangenes Jahr notgedrungen genauso so viel aus wie sonst. Wer dagegen jetzt wieder mehr ausgibt, verdient oft gut, entsprechend fallen die Anschaffungen aus. Die Sauna wie bei den Monforts. Gern auch: der Pool. Der Spitzenwein, kistenweise. Oder der größere Fernseher für die Streaming-Abende, die noch eine Weile Theater und Kino ersetzen dürften. Man verschönert sich das Zuhause, weil man viel da ist.

Laut den Marktforschern der GfK fließt viel Geld in das sogenannte Cocooning, den Kuscheleffekt in den eigenen vier Wänden. Baumärkte boomen. Besonders stark gefragt sind Möbel fürs Wohnzimmer wie Sofas und Sessel. Außerdem Praktisches wie Monitore, Computer oder Kopfhörer fürs Home-Office. Und Küchengeräte. Denn die neuen Home-Officer kochen nun daheim. Nur schnell muss es gehen. Ein bisschen Käse über die Nudeln, und fertig ist das Gericht. Die Hersteller von Reibekäse freut das. Auch Bio-Lebensmittel laufen gut, und Veganes. Die Menschen wollen sich bei all dem Stress wenigstens gesund ernähren und sich was gönnen. Dabei darf es bei manchen luxuriöser zugehen, was schon zu Schlangen bei Feinkosthändlern geführt hat.

Andere definieren das Wohlfühlen umfassender. Die Nachrichtenagentur dpa titelte unlängst: "Sexspielzeug boomt in Corona-Krise." Nur: Wer beim Bundesverband anruft, hört Skepsis. Die Läden sind ja geschlossen. Nur online verzeichnen einzelne Utensilien ein starkes Plus. Gesichert ist dagegen: Putzmittel gehen, wie man so sagt, durch die Decke. Putzen dient der Alltagsbewältigung, sagt ein Fachmann. Auch mit Selbstbräuner decken sich viele ein. Denn gutes Aussehen hilft angeblich gegen Kontrollverlust. Unterm Strich nimmt der Einzelhandel trotz Ladenschließungen sogar mehr ein als vor der Pandemie - vor allem wegen des Booms der Onlineverkäufe.

Was die Bürger 2020 zusätzlich ansparten, parkten sie oft erst mal. Zwei von sieben Billionen Euro des privaten Geldvermögens liegen laut DZ-Bank auf unverzinsten Giro- und Sparkonten. Viel davon dürfte in der zweiten Jahreshälfte in den Konsum abfließen, sobald die Pandemie dies zulässt. Manche Kunden orientieren sich auch zu höheren Renditen um, beobachtet Jürgen Gros, Präsident der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken. So stieg der Aktienanteil am Vermögen bis zum Winter um neun Prozent.

Nicht wenige Deutsche denken bei ihrem zusätzlichen Geld an andere. So spendeten die Bürger laut Deutschem Institut für soziale Fragen (DZI) 2020 deutlich mehr als in den Vorjahren. "Die Pandemie weckt nicht nur Egoismen, sondern auch die Bereitschaft zur Solidarität", sagt Burkhard Wilke, Leiter des Instituts, das Spendensiegel für seriöse Hilfsorganisationen vergibt.

Ein Großteil der Spenden kommt von Menschen, die 55 bis 60 Jahre alt sind, also meist gesicherte Einkommen und Renten haben. "Diese älteren Menschen wollen etwas zurückgeben", sagt Wilke. "Sie wollen sich durch eine Spende dankbar dafür zeigen, dass andere Gruppen der Gesellschaft sich einschränken, um sie vor dem Virus zu schützen."

© SZ
Zur SZ-Startseite

SZ PlusSerie "Nachhaltig anlegen"
:Rendite mit grünem Gewissen

Wer nachhaltig investieren will, hat eine große Auswahl an grünen Investmentfonds und ETFs. Nicht alle halten jedoch, was sie versprechen. Doch es gibt gute Gründe, sich nicht entmutigen zu lassen.

Von Felicitas Wilke

Lesen Sie mehr zum Thema