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Soffin-Chefkontrolleur:"Man hätte nicht mehr mit Karte zahlen können"

Albert Rupprecht über die Arbeit des Bankenrettungsfonds, Vergleiche mit der Treuhand - und gefährliche Entwicklungen.

Albert Rupprecht (CSU) ist Vorsitzender des Finanzmarktgremiums zur Kontrolle des Bankenrettungsfonds. Im Interview mit sueddeutsche.de erläutert er die Arbeit des Soffin und nimmt dabei auch zu den jüngsten Personalquerelen Stellung. Am heutigen Dienstag tritt der neue Soffin-Chef Hannes Rehm sein Amt an.

In den Bilanzen der Kreditinstitute gibt es noch immer viele Papiere, die seit Oktober erheblich an Wert verloren haben.

(Foto: Foto: AP)

sueddeutsche.de: Der neue Soffin-Chef Hannes Rehm kommt wie sein Vorgänger von einer Landesbank. Warum sind die Landesbanker bei Ihnen erste Wahl - finden Sie keine anderen?

Albert Rupprecht: Wir haben drei Personen im Leitungsausschuss des Soffin, das ist eine ganz gute Mischung: Gerhard Stratthaus ...

sueddeutsche.de: ... der ehemalige Finanzminister Baden-Württembergs ...

Rupprecht: ... kennt sich im politischen Umfeld aus. Er soll den Kontakt zu den politischen Gremien halten. Christopher Pleister, der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, kennt den Genossenschaftsbereich sehr gut und kann auch die dezentrale Struktur der Sparkassen nachvollziehen.

sueddeutsche.de: Aber gerade diese Institutsgruppen sind am wenigsten von Finanzproblemen betroffen ...

Rupprecht: Stimmt, die werden auch den Soffin nicht in Anspruch nehmen müssen. Wir erleben jetzt zwar bei der DZ Bank, dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut, Verluste, ansonsten sind wir aber bei den Genossenschaften gut aufgestellt. Aber diese Institute sind Bestandteil unseres Bankensystems. Wir müssen das gesamte Spektrum abdecken.

sueddeutsche.de: Die Privatbanken allerdings, die den Soffin nun besonders rege nutzen, sind nicht vertreten ...

Rupprecht: Für die Auswahl ist letztlich das Bundesfinanzministerium verantwortlich, das entscheidet nicht das Parlament. Wir haben nur Vorgaben gemacht hinsichtlich Aufgaben und Zuständigkeiten - und können am Ende bewerten, wie wir das Ergebnis empfinden. Es ist eine gute und vor allem kompetente Lösung.

sueddeutsche.de: Was waren die Anforderungen für die Nachfolge des Soffin-Chefs?

Rupprecht: Wir brauchen jemanden, der den Finanzmarkt Deutschland kennt, fachlich kompetent ist, aber auch die demokratischen Prozesse versteht. Ich selbst hatte fünf Namen auf meiner internen Wunschliste für die beiden offenen Posten im Leitungsausschuss notiert. Sowohl Rehm als auch Pfeister waren dabei.

sueddeutsche.de: Stand der zuletzt in einigen Medien gehandelte Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ebenfalls auf Ihrer Liste?

Rupprecht: Nein.

sueddeutsche.de: Was muss der neue Chef gut machen?

Rupprecht: Auch der Vorgänger Merl hat das sehr gut gemacht. Es ging uns nicht darum, eine andere Person oder andere Qualifikationen zu finden. Aber Merl hat selbst mehrfach gesagt, dass er die zeitliche Belastung unterschätzt hat.

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