Affäre um Ex-BayernLB-Vorstand Im Land des Geldes

50 Millionen Dollar bunkerte Gerhard Gribkowsky in einer Privatstiftung in Österreich. So wie der frühere Risikovorstand der BayernLB verstecken dort viele reiche Deutsche ihr Geld - darunter sind etliche prominente Namen.

Von Uwe Ritzer

Die Guttenbergs, Automanager Ferdinand Piëch, Schrauben-Milliardär Reinhold Würth, Haribo-Eigentümer Hans Riegel: Die Liste reicher Bundesbürger, die ihr Vermögen in einer österreichischen Stiftung bunkern, ist prominent besetzt und wird immer länger. Etwa 3500 Privatstiftungen gibt es in Österreich, Tendenz steigend, und viele Stifter kommen aus Deutschland.

Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt den Ex-BayernLB-Risikovorstand Gerhard Gribkowsky, in einer Stiftung 50 Millionen Dollar aus anrüchigen Geschäften mit Anteilen an der Formel 1 versteckt zu haben.

(Foto: dpa)

Auch der jetzt verhaftete Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky gehörte zu dem illustren Kreis. Seine in Salzburg eingetragene Privatstiftung trägt den hübschen Namen Sonnenschein. Die Münchner Staatsanwaltschaft verdächtigt Gribkowsky, in dieser Stiftung 50 Millionen Dollar aus anrüchigen Geschäften mit Anteilen an der Formel 1 versteckt zu haben. Nur einige allerdings, die ihr Vermögen in eine österreichische Stiftung transferieren, verfolgen kriminelle Ziele. Die meisten wollen einfach Steuern sparen. Österreich verlangt keine Erbschaftssteuer und belastet Erträge aus Privatstiftungen nur sehr gering.

"Eine österreichische Stiftung ist vor allem ein Steuersparmodell für Menschen mit großem Privatvermögen", sagt Carola Seifried, Expertin für internationales Steuerrecht in der Nürnberger Kanzlei Rödl und Partner. "Besonders lohnt sie sich für Stifter, die auch in Österreich ansässig sind." Was die Vorliebe der Piëchs, Würths und Riegels für Wohnsitze in der Alpenrepublik erklären könnte.

Auch Philipp von und zu Guttenberg lebte bis vor gut einem Jahr lange in Österreich. Im Oktober 2008 gründeten der Bruder des Bundesverteidigungsministers und beider Vater Enoch die "Freiherrlich von und zu Guttenberg'sche Privatstiftung". In diese brachten sie vor allem das Familienschloss in Oberfranken ein. Man wolle das alte Gemäuer als Kulturgut erhalten und dauerhaft vor etwaigen künftigen Erbstreitigkeiten oder anderen Unwägbarkeiten sichern, hieß es. Das deckt sich mit der Stiftungsurkunde. Hingegen ist der erklärte Zweck der Sonnenschein-Stiftung von Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky der Erhalt und die Vermehrung seines Vermögens.

Mancher Experte wundert sich, warum Gribkowsky überhaupt nach Österreich stiften ging und nicht gleich nach Liechtenstein. Zum Zeitpunkt der Sonnenschein-Gründung im Mai 2007 galten Privatstiftungen dortigen Zuschnitts als von ausländischen Strafverfolgern und Steuerfahndern nicht zu knacken. Das Fürstentum war eine sichere Festung für Steuerhinterzieher aus aller Welt. Bis im Februar 2008 Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel als Steuersünder aufflog.

Ein Mitarbeiter seines Treuhänders hatte die Daten Hunderter Stifter kopiert und an deren Heimatländer verkauft. Liechtenstein geriet derart unter internationalen Druck, dass das kleine Land sein rigides Bankgeheimnis aufgeben musste und neuerdings partiell mit ausländischen Steuerbehörden zusammenarbeitet. Für die Verwalter der Stiftungen ist das ein Fiasko. In guten Zeiten habe er bis zu 25 Stiftungen wöchentlich angelegt, klagte dieser Tage einer der großen Liechtensteiner Treuhänder. "Wenn wir heute noch eine pro Woche gründen, herrscht schon Freude."

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