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Singlehaus:Die Alternative zur Eigentumswohnung

Der Trend geht zum Ein-Personen-Haushalt. Und weil Architekten den Trend erkannt haben, bieten sie kleine Häuser an.

Fares Kharboutli

Wenn in der heutigen, von Anglizismen geprägten Zeit von Singles die Rede ist, denkt man im ersten Moment an Personen ohne festen Partner. Doch der Begriff hat inzwischen auch andere Bedeutungen: Schon längst kann man im Restaurant eine Single-Pizza bestellen, für eine Zugfahrt ein Single-Ticket lösen und nicht zuletzt auch in einem Single-Haus wohnen. Der Ausdruck "Single" meint also schlichtweg nichts anderes als: für eine Person bestimmt.

Was den speziellen Fall des Singlehauses angeht, so trifft die Bedeutung "für eine Person bestimmt" jedoch nicht ganz zu. Denn die pompöse Luxusvilla eines Hollywoodstars kann, selbst wenn dieser alleine leben sollte, unmöglich als "Singlehaus" durchgehen. Entscheidend ist das charakteristische Grundkonzept: schlicht in der Gestaltung und auf die notwendigsten Wohnelemente reduziert - ganz nach dem Motto "So viel wie nötig, so wenig wie möglich".

Eben dies ist auch der Leitspruch des Architekten Johannes Morhard, der ein Architekturbüro im bayerischen Lichtenfels leitet. Seiner Meinung nach sind vor allem drei Aspekte von Bedeutung: Funktionalität, Kostenminimierung und Flexibilität. Anders gesagt: Auf der einen Seite soll ein Singlehaus möglichst platz- und damit kostensparend konzipiert sein, auf der anderen Seite soll es aber auch Möglichkeiten zu individueller Wohngestaltung sowie zur Erweiterung des Wohnraumes bieten.

Die klassische Variante eines Singlehauses, die der Architekt mit seinem Team entwickelt hat, beinhaltet eine offene Grundriss-Struktur: Das gesamte Erdgeschoss ist - mit Ausnahme von Toilette sowie einem sogenannten Kellerersatzraum für Heizung und Vorräte - zu einem Raum verschmolzen. "Entspannen, essen und kochen - all das kann in einem Zimmer stattfinden", erklärt Morhard.

Die Platzersparnis sei enorm, und auch die Wohnatmosphäre sei gleich eine ganz andere. Wer Freunde zu Gast habe, könne "das Kochen regelrecht zelebrieren". Im Obergeschoss des Hauses schließlich befinden sich eine Galerie mit Arbeitsbereich, ferner ein geräumiges Bad und ein Schlafzimmer. Die Kosten für das Standardmodell belaufen sich auf 92.000 Euro. Insgesamt beträgt die Wohnfläche 89 Quadratmeter.

Von Platznot jedoch keine Spur: "Viele Leute sind regelrecht erstaunt, wie wenig Raum sie zum Wohnen brauchen", stellt der Architekt fest. Derzeit ist er dabei, eine Siedlung mit mehreren Häusern dieses Typs im oberfränkischen Lichtenfels zu planen. idueller Wohngestaltung sowie zur Erweiterung des Wohnraumes bieten.

Die Alternative zur Eigentumswohnung

Extravaganter präsentiert sich das Singlehaus Rupp, ein Unikat, das vom österreichischen Architekturbüro Früh realisiert wurde. In Österreich, Italien und der Schweiz gibt es übrigens schon seit einigen Jahrzehnten Singlehäuser, in Deutschland erst seit ein paar Jahren.

Nicht umsonst bezeichnen die Architekten Alexander Früh und Alexander Fetz das Singlehaus Rupp als "abgehobene Kiste". Der Clou: Das Bauwerk besteht aus einem Stahlskelett, das den äußeren Rahmen des Gebäudes bildet, sowie einer darin integrierten Holzbox (Wohngeschoss) und einem Glaskubus (Garage), der sich unterhalb des Wohngeschosses befindet.

In der knapp hundert Quadratmeter großen Wohnebene sind sämtliche Wohnfunktionen - egal ob Essen, Kochen, Ausruhen, Schlafen oder Waschen - in loser Raumfolge miteinander verbunden. Zum Wohnmodul hinauf führt eine einfache Stahlaußentreppe, die über einen dem Gebäudekörper vorgelagerten Steg zu erreichen ist.

Die Aufständerung des Wohnbereichs hat ästhetische und zugleich praktische Gründe, wie Früh erklärt: "Einerseits wollten wir das Gebäude, das in einem hochwassergefährdeten Gebiet liegt, durch die pfahlartige Konstruktion schützen. Andererseits sollte der Eindruck eines Baumhauses entstehen, unter dem das Grün des Gartens hindurchzufließen scheint."

Dieses ungewöhnliche Projekt sei auch für die Architekten eine Herausforderung gewesen, wie Alexander Früh erklärt. Denn: "Man muss den Bauherrn sehr gut kennenlernen, bevor man mit dem Planen beginnt, da man es mit einem Menschen mit ganz individuellen Vorstellungen, wie er leben möchte, zu tun hat." Allerdings, ergänzt Früh, sei der Wunsch der Bauherrin Petra Rupp nach einer "Multi-Funktions-Wohnebene" ein äußerst unkomplizierter und leicht zu realisierender gewesen. Die Baukosten des Hauses, das in der österreichischen Gemeinde Hard in Vorarlberg steht, belaufen sich übrigens auf rund 210 000 Euro. Während Singlehäuser in Dörfern und Gemeinden wie Hard noch eher ein Schattendasein fristen, spielen sie in Großstädten eine immer größere Rolle - schließlich ist der Anteil an Singlehaushalten dort traditionell am höchsten.

Bauplanungsgesellschaften haben daher bereits vor einigen Jahren das Marktpotenzial von Singlehäusern erkannt - so auch die Firma Planteam, die eine Singlehaus-Siedlung, bestehend aus sechs Häusern, in der Münchner Rathochstraße im Stadtteil Obermenzing realisierte. Jedes dieser Häuser erstreckt sich über vier Stockwerke - ist aber lediglich 80 Quadratmeter groß. Eine schmale Wendeltreppe schlängelt sich über alle vier Etagen. Im Keller befindet sich ein Büro, im Parterre liegen Küche und Essraum, im Obergeschoss befindet sich das Wohnzimmer und im Dachgeschoss das Schlafzimmer. Jedes Haus kostete etwa 210.000 Euro.

Zwar sind alle sechs Singlehäuser unter einem Dach vereint, jeder Bewohner verfügt jedoch über eine separate Haustür sowie einen eigenen Vorgarten. Michael Krubasik, Geschäftsführender Gesellschafter von Planteam, erklärt: "Anders als bei einer Eigentümergemeinschaft kümmert sich hier jeder nur um seine persönlichen Angelegenheiten und hat nichts damit zu tun, wenn beim Nachbarn etwas kaputtgeht." Als Besitzer seiner jeweiligen Hauseinheit, sei man sein eigener Herr. "Ein großes Maß an Privatsphäre verbindet sich mit der Möglichkeit, Kontakte zu Menschen in ähnlichen Lebenssituationen zu knüpfen."

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