Shopping-Center Lichterglanz in allen Etagen

Alles im Blick: Weihnachtsmann im Kaufhaus.

(Foto: Sebastian Willnow/ddp)

Kaufhäuser und Shopping-Center brauchen viel Energie. Vor allem die Beleuchtung verursacht hohe Kosten. Heizen fällt dagegen kaum ins Gewicht - aus erstaunlichen Gründen.

Von Ralph Diermann

Leuchtende Engel, glitzernde Sterne und prächtig illuminierte Weihnachtsbäume: Die Kaufhäuser und Shopping-Center verwandeln sich in diesen Tagen wieder in ein weihnachtliches Lichtermeer, mit Glanz und Gloria auf allen Etagen. Das festliche Gefunkel lockt die Käufer in Scharen - ein Erlebnis, das der Einkauf im Internet nicht bieten kann. Allerdings lässt der Lichterglanz nicht nur die Kassen klingeln, sondern treibt auch die Energiekosten der Unternehmen in die Höhe. Immerhin 1,3 Prozent ihres Nettoumsatzes müssen stationäre Händler, Lebensmittelmärkte ausgenommen, auf das Jahr gerechnet für Strom und Wärme ausgeben, hat das EHI Retail Institute ermittelt. Angesichts knapper Margen in einigen Handelssegmenten sowie der stetig stärker werdenden Online-Konkurrenz ist das ein Posten, der für viele Unternehmen durchaus ins Gewicht fällt.

Mit Abstand am meisten Energie benötigen sie dabei für die Beleuchtung - und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Darauf entfällt etwas mehr als die Hälfte des Verbrauchs von Non-Food-Händlern, zeigt eine Studie der Deutschen Energie-Agentur Dena. Um ihre Waren ins rechte Licht zu rücken, setzen viele Unternehmen bis heute wenig effiziente Halogenstrahler ein. Doch die deutlich sparsameren LEDs sind stark im Kommen: Laut einer Umfrage des EHI Retail Institute ist der Anteil der mit LEDs ausgestatteten Handelsimmobilien zwischen 2014 und 2017 von zwanzig auf über vierzig Prozent gestiegen.

"Die wenigsten Händler stellen gleich auf einen Schlag ihr ganzes Filialnetz um", sagt Benjamin Chini, Projektleiter im Forschungsbereich Energiemanagement beim EHI Retail Institute. Meist erfolgt der Austausch, wenn in einem Laden ohnehin Modernisierungsmaßnahmen anstehen. Dabei ist die Minderung der Energiekosten für viele Händler gar nicht mal der einzige Grund, ihre Läden auf LEDs umzurüsten. Oft geht es ihnen ebenso darum, mit neuer Beleuchtung die Präsentation der Produkte zu verbessern.

So etwa in der "Papeteriewelt", einem Schreibwaren- und Geschenkeladen im Regensburger Donaueinkaufszentrum: Mit dem Umstieg von Halogen- auf LED-Leuchten können die Eigentümer ihre Waren nun heller ausleuchten, besondere Akzente setzen und zudem tageszeitabhängige Lichtstimmungen schaffen. Das hilft ihnen auch, von den flanierenden Besuchern besser wahrgenommen zu werden. "Der Laden hebt sich vom Rest der Mall ab, man betritt eine andere Welt", sagt Geschäftsführerin Berit Liebl. Zugleich spart die neue Lichttechnik 73 Prozent an Energie ein.

Stellen Unternehmen auf LEDs um, wird es in den Räumen kühler

Das Beheizen der Kaufhäuser und Malls dagegen hat, anders als bei Wohngebäuden, nur einen geringen Anteil am Energieverbrauch der Händler: Gerade einmal 17 Prozent entfallen auf die Wärmeversorgung, zeigt die Dena-Studie. Das liegt unter anderem daran, dass elektrische Geräte wie Bildschirme oder Kassensysteme und vor allem die Beleuchtung eine Menge Wärme in die Räume abgeben. "Auch die Kunden bringen viel Wärme in das Gebäude", sagt Energieexperte Chini. Manche Unternehmen erfassen deshalb mithilfe von Sensoren die Zahl der Kunden, die sich jeweils in der Immobilie aufhalten, um Heizung, Lüftung und Klimatisierung daran anzupassen. In einigen Läden steht sogar so viel Abwärme zur Verfügung, dass die Händler ganz ohne Heizung auskommen. Wenn solche Unternehmen nun aber auf LEDs umstellen, heizen sich die Räume weniger stark auf, weil die Leuchtdioden kühl bleiben. Sie müssen dann entweder nachträglich eine Heizung einbauen - oder aber bei der alten Lichttechnik bleiben. Während bestehende Gebäude meist mit Erdgas oder Fernwärme beheizt werden, kommen in neuen Handelsimmobilien laut Chini heute vermehrt Wärmepumpen zum Einsatz. "Diese Technologie hat den Vorteil, dass sie nicht nur für das Heizen, sondern auch das Kühlen der Gebäude eingesetzt werden kann", erklärt er. Zudem helfen die effizienten, vergleichsweise klimafreundlichen Wärmepumpen den Unternehmen dabei, die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen. Die Verordnung macht Vorgaben für die Energieeffizienz neu errichteter Immobilien und gilt gleichermaßen für Wohn- wie für Handels-, Büro- oder Gewerbebauten.

Gerade Neubauten werden heute häufig auch mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die Strom für den Eigenbedarf liefert. Angesichts der stark gesunkenen Kosten der Solarsysteme ist das für viele Händler nicht nur aus Imagegründen attraktiv. Vor allem Lebensmittelhändler wie Rewe, Aldi und Lidl setzen auf Solarenergie. Wegen der vielen Kühl- und Tiefkühlgeräte verbrauchen sie deutlich mehr Strom als Non-Food-Händler. Da die Supermärkte häufig Flachdächer haben, ist die Installation hier meist sehr einfach.

Doch auch baulich komplexere Immobilien können sich für die Photovoltaik eignen, wie das Beispiel des unabhängigen Modehauses Bruns im brandenburgischen Neuruppin zeigt: Die Eigentümer haben auf dem Satteldach des mehr als 200 Jahre alten Gebäudes in der Innenstadt eine Solaranlage installiert, die 29 Prozent des Strombedarfs deckt. Auch auf dem Dach des historischen Luitpoldblocks nahe dem Münchner Odeonsplatz sind Photovoltaikmodule montiert. Den Strom verkaufen die Eigentümer des Gebäudes an die Mieter der Laden-, Gastronomie- und Büroflächen im Haus.

"Mit dem Begriff Energieeffizienz allein kann man kein Marketing machen."

Viele Händler haben längst entdeckt, dass sie mit dem Thema Klimaschutz im Wettbewerb um die Kunden punkten können. Die Kommunikation von Effizienzmaßnahmen ist jedoch nicht ganz einfach. "Mit dem Begriff Energieeffizienz allein kann man kein Marketing machen", erklärt Lars Reimann, Abteilungsleiter Energie- und Umweltpolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). Denn die Umsetzung erfolge in den Technikräumen und damit außerhalb des Sichtfeldes der Kunden - eine hocheffiziente Heizung zum Beispiel bleibt ihnen verborgen. "Daher ist es sinnvoll, die Maßnahmen in Bilder zu übersetzen; etwa in die CO₂-Einsparung, die sie bewirken", sagt Reimann.

Der Shopping-Center-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield scheint allerdings nicht so recht an die Werbewirkung seiner Effizienzschritte zu glauben - zumindest was seine Münchner Mall Pasing-Arcaden betrifft: Dass das Unternehmen sein Gebäude mit einer Wärmepumpe heizt und kühlt, dass das Dach mit Solarthermiekollektoren bestückt ist und die Rolltreppen Strom sparen, indem sie erst dann fahren, wenn Kunden sie auch wirklich benötigen, erfahren die Besucher nur auf dem Flur zu den Toiletten - dort sind einige spärlich beschriftete Infotafeln angebracht.

Nicht erwähnt ist dort, dass die Mall das Nachhaltigkeitszertifikat Breeam trägt, das in der Immobilienbranche einen guten Ruf genießt. "Wir haben uns der Zertifizierung unterzogen, weil wir uns ambitionierte Ziele unter anderem zur Reduktion von CO₂-Emissionen und Schadstoffen gesetzt haben", erklärt Christian Krause, als Head of PMPS bei Unibail-Rodamco-Westfield für das Gebäudemanagement verantwortlich. "Zudem hilft uns die Zertifizierung bei der Vermarktung der Flächen, da für die meisten Händler das Thema Klimaschutz eine hohe Priorität hat."