Shopping-Center Essen und einkaufen

Eine gute Gastronomie wird immer wichtiger, um die Kunden in die Einkaufszentren zu locken.

Von Norbert Hofmann

Auch wenn es schnell geht und bequem ist: Noch ist das Bestellen im Internet nicht die allein vorherrschende Variante des Einkaufsbummels von heute. Für viele Menschen gehört dazu eben doch noch immer das gemeinsame Erlebnis samt Imbiss im Café oder einem kleinen Restaurant zwischendurch. Zeigen, was man gekauft hat, sich mit Freunden treffen, ein bisschen plaudern und weiter geht's zum nächsten Laden. Ob im Berliner Einkaufszentrum Bikini, im Oberhausener Centro oder im Münchener Pep: Shoppen macht gleich noch mehr Spaß, wenn über den puren Einkauf hinaus Attraktionen winken. "Besucher der Shopping-Center legen immer mehr Wert auf eine ansprechende Atmosphäre und ein emotionales Einkaufserlebnis, zu dem auch ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot gehört", sagt Steffen Eric Friedlein, für Vermietung zuständiger Geschäftsführer bei ECE Projektmanagement.

Schon in den vergangenen zehn Jahren hat sich in Deutschland der Gastronomie-Anteil an der Gesamtmietfläche von Malls auf acht Prozent glatt verdoppelt. Bei Neuentwicklungen wie in der Hamburger Europa Passage und der Frankfurter MyZeil ist nun oft sogar noch deutlich mehr vorgesehen. Es könnte sich lohnen. Einer ECE-Studie zufolge wählen 40 Prozent der Besucher das Center ihrer Wahl gezielt nach dem Essensangebot aus. Mehr als die Hälfte nutzt das Angebot nahezu bei jedem Besuch. Jüngste Erfahrungen bestätigen die Anziehungskraft. Seitdem im September 2017 der "FoodSky" auf einer ganzen Etage der Hamburger Europa Passage zum Essen und Trinken einlädt, ist die Besucherfrequenz um circa 25 Prozent gestiegen. Ähnliche Hoffnungen setzt der Entwickler ECE auf den für das Frühjahr 2019 geplanten Start von "Foodtopia" in der MyZeil.

Weil Freizeit ein knappes Gut ist, steht bei den Verbrauchern ein räumlich geballtes Erlebnisangebot hoch im Kurs. Auch Einkaufszentren oder Kaufhäuser wirken anziehender, wenn ein gastronomisches Erlebnis, Lifestyle-Flair und vielleicht sogar Unterhaltungsprogramme locken. "Shoptainment", um es mit einer modernen Wortschöpfung der Branche auszudrücken, ist das Gebot der Stunde. Im Foodtopia wird es ein Kino geben und ein breites Angebot aktueller Gastro-Trends. Auf frische Zutaten verbunden mit schnellem Service etwa setzt das finnische Burger-Konzept Friends&Brgrs ebenso wie die erfolgreichen Salat-Spezialisten Dean&David. "Wir bringen immer häufiger Konzepte in die Center, die aufwendigere Speisen bieten oder Ernährungstrends wie handgemachtes, vegetarisches oder veganes Essen bedienen", sagt Friedlein.

Das kann in vieler Hinsicht rentabel sein. Wer isst, bleibt länger und kauft danach vielleicht auch an anderer Stelle im Shopping-Center noch einmal ein. Hinzu kommt: Die Bundesbürger sind schon seit einiger Zeit bereit, mehr Geld für Restaurantbesuche auszugeben. "Gute Gastronomie kann höhere Umsätze erreichen als schlechte Textilhändler, und davon profitieren letztendlich auch die Mallbetreiber", sagt Christoph Scharf, Geschäftsführer Retail Services bei BNP Paribas Real Estate. Mit einem Anteil von 18 Prozent, der ein gutes Stück über dem langjährigen Durchschnitt von 14 Prozent liegt, gehöre die Gastronomie neben Textil zur zweitgrößten Mietergruppe im Einzelhandel. Der Textil-Anteil liegt heute mit gut einem Viertel allerdings deutlich unter dem langjährigen Mittel von 33 Prozent. "Der Negativtrend der Textileinzelhändler hat die Shopping-Center-Betreiber dazu veranlasst, mehr auf das Thema Gastronomie zu setzen", berichtet Scharf.

In Metropolen wie London oder Paris ist der Gastro-Trend schon länger zu beobachten. "Er gilt auch als Experimentierfeld für junge wilde Konzepte, die jetzt ebenfalls nach Deutschland kommen", sagt Scharf. Als Beispiel nennt er das nach London jetzt auch in München umgesetzte Multibrand-Konzept "Arket" von H&M. Diese Stores bieten Eigenmarken für Bekleidung, aber auch Accessoires und Schuhe von Fremdmarken wie etwa Nike und Adidas. Und ebenso gehört zum Konzept ein integriertes Café mit Snacks, Kaffee und Kuchen. Das Beispiel zeigt: Der Trend zur Gastronomisierung macht bei Shopping-Centern nicht halt, sondern setzt sich auch in der Einkaufsstraße und den Einzelhandelsläden selbst fort.

"Damit aber wächst die Gefahr, dass das Angebot schneller wächst als die Nachfrage", sagt Jennifer Güleryüz, Analystin beim Immobiliendienstleister Savills. Keineswegs sicher ist deshalb, ob sich die Investitionen immer lohnen. Der Ausbau einer Gastronomiefläche, so die Analystin, kann schnell zwischen 3000 und 4000 Euro pro Quadratmeter kosten, sodass sich die Kosten bei der Umwandlung eines 400 Quadratmeter großen Modeladens in ein Lokal gut und gerne auf eine Million Euro summieren. "Auch aufgrund der aufwendigeren und komplexeren technischen Ausstattung für gastronomische Betriebe wie etwa Zu- und Abluft, Abwasser und Stromversorgung sollte die Ansiedlung von Gastronomie mit einer möglichst langfristigen Perspektive verbunden sein", sagt ECE-Geschäftsführer Friedlein.

Die besondere Zugkraft gastronomischer Angebote muss bei alldem nicht zwangsläufig an eine Ausweitung der dafür vorgesehenen Flächen geknüpft sein. "Denn das bedeutet nicht, dass auch die Umsätze und Besucherzahlen dementsprechend steigen", sagt Expertin Güleryüz. Klasse statt Masse sollte nach ihrer Einschätzung eher die Devise sein. Dazu gehört auch eine individuell am Standort und den Zielgruppen ausgerichtete Strategie. "Die neuen Restaurant- und Snackangebote sollten sich im besten Fall thematisch an das jeweilige Shopping-Center anpassen, um eine atmosphärische Übereinstimmung zu generieren", betont die Analystin. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Im "Minto Deli" des Mönchengladbacher Einkaufszentrums Minto etwa können Besucher wählen, in welchem der - jeweils mit individuellem Ambiente ausgestatteten - "Zimmer" sie ihr bei einem der umliegenden Anbieter gekauftes Essen zu sich nehmen wollen.