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Schweiz: Wikileaks-Informant Elmer:Erst Geldstrafe, dann Festnahme

Er war gerade erst zu einer Geldstrafe verurteilt worden - jetzt sitzt Rudolf Elmer schon wieder in Haft. Der ehemalige Banker und Wikileaks-Informant Rudolf Elmer soll in weiteren Fällen gegen das Schweizer Bankengesetz verstoßen haben.

Wegen der Weitergabe von Bankdaten an Steuerbehörden ist Ex-Banker Rudolf Elmer am Mittwoch zu einer Geldstrafe verurteilt worden. 6000 Schweizer Franken - ein verhältnismäßig mildes Urteil, die Staatsanwaltschaft hatte acht Monate Haft auf Bewährung gefordert.

RUDOLF ELMER HANDS SECRET INFOMATION TO WIKILEAKS

Der Ex-Banker Rudolf Elmer wurde von einem Züricher Gericht zu einer Geldstrafe von 6000 Schweizer Franken (4600 Euro) verurteilt, weil er Kontodaten an Steuerbehörden und Medien weitergegeben hat. Am Mittwochabend wurde er erneut festgenommen, wegen der Weitergabe einer CD an Wikileaks.

(Foto: dpa)

Aber nur kurz nach dem Gerichtsurteil droht Elmer neues Ungemach. Der ehemalige Mitarbeiter der Bank Julius Bär wurde am Mittwochabend abermals festgenommen. Es werde geprüft, ob Elmer gegen die Schweizer Bankengesetze wegen der Übergabe von CDs an Wikileaks verstoßen habe, teilten die Züricher Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei gemeinsam mit.

Am Montag hatte Elmer WikiLeaks-Gründer Julian Assange in London zwei CDs überreicht, die nach seinen Angaben Daten von rund 2000 Kontoinhabern enthielten, darunter auch von Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Wenige Stunden vor seiner Festnahme war Elmer vom Bezirksgericht Zürich wegen mehrfacher Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses und mehrfacher versuchter Nötigung verurteilt worden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat Elmer Kundendaten seines ehemaligen Arbeitgebers gestohlen. Außerdem soll er versucht haben, Geld zu erpressen.

Elmer war acht Jahre für das Bankhaus Julius Bär tätig - auf den Cayman-Inseln. Hier sei von ihm verlangt worden, sich an illegalen Aktivitäten zu beteiligen. Er wurde 2002 von der Bank entlassen, nachdem er sich weigerte, einen Lügendetektortest zu machen.

Der Banker verteidigt sich damit, dass er unethische und sogar illegale Geschäfte des Instituts habe aufdecken wollen. Staatsanwältin Alexandra Bergmann warf Elmer vor, Daten von Bankkunden im Ausland an Steuerbehörden und die Medien weitergegeben zu haben. Das Bankhaus sprach von einem Rachefeldzug eines verärgerten Mitarbeiters.

Elmer sagte dagegen, er habe ein System der Steuerhinterziehung von reichen Geschäftsleuten und Politikern offenlegen wollen. In einer Verhandlungspause vor der Urteilsverkündung gab Elmer zu, Fehler gemacht zu haben. Er sei kein Held, aber auch kein Verräter.

Er räumte außerdem ein, er habe einige Bankmitarbeiter in seinen Schreiben bedroht. Dies sei passiert, nachdem die Bank ihn entlassen und danach versucht habe, ihn einzuschüchtern. "Ich war in einer extremen Lage", sagte er. "Es ist logisch, dass ich eine Abwehrstrategie entwickelte." Er bestritt aber, eine Bombendrohung gegen die Bank ausgesprochen zu haben. Allerdings habe er damit gedroht, Informationen über Kunden in Steuerparadiesen an Behörden in der Schweiz, Großbritannien und in den USA zu verraten.

Laut Staatsanwaltschaft wurde gegen mindestens einen Kunden ein Verfahren eröffnet, nachdem die Ermittler Daten von Elmer erhalten hatten. Elmer soll demnach sogar angekündigt haben, die Daten an Neonazi-Gruppen und "andere Organisationen, die den Kapitalismus bekämpfen" weiterzugeben.