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Schuldenstaat garantiert Kreditrückzahlung:Finnlands eiskalter Griechen-Deal

Wie Deutschland und andere solide EU-Staaten leiht auch die finnische Regierung dem überschuldeten Griechenland Geld. Die Finanzministerin hat allerdings exklusive Konditionen ausgehandelt: Die Finnen bekommen eine Garantie auf ihren Kredit - in Form von Cash.

Griechenland gilt als miserabler Schuldner, die Kreditwürdigkeit keines anderen Landes der Erde wird von den großen Ratingagenturen schlechter bewertet. Wer der Regierung in Athen Geld leiht, weiß nicht, ob er es auch wiedersieht. Außer den Finnen. Die lassen sich ihren Beitrag zum europäischen Rettungsfonds von Griechenland garantieren. Ein exklusiver Deal, von dem andere Staaten in der EU nur träumen können.

Finance Ministers meeting

Ihr Motto ist "Jeder für sich allein": Finnlands finanzministerin Jutta Urpilainen

(Foto: dpa)

Die Regierungen beider Länder einigten sich auf Sicherheiten, die im Gegenzug für Kredite gewährt werden sollen. Finnland hatte immer Einwände gegen einseitige Griechenlandhilfe erhoben und Garantien verlangt. Mit der Vereinbarung hat die Regierung eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Freigabe der Hilfe beseitigt.

In keinem Staat ist der Widerstand gegen eine Beteiligung am EFSF so heftig wie in Finnland. Die Teilnahme des Landes steht unter dem Vorbehalt des Parlaments in Helsinki. Für die Zustimmung wird Griechenland deshalb jetzt Geld aus dem Fonds in Finnland anlegen. Finanzministerin Jutta Urpilainen sagte, Griechenland werde einen Barbetrag an Finnland überweisen.

Das Geld werde dann auf einem finnischen Staatskonto geparkt und in möglichst risikoarme Geldanlagen investiert. Die Summe werde mit dem finnischen Beitrag am Rettungsschirm EFSF vergleichbar sein. Zahlt Griechenland seine Schulden zurück, bekommt es das angelegte Geld samt Zinsen ausbezahlt.

Kann Griechenland seine Kredite an den Fonds nicht zurückzahlen, hätte Finnland in diesem Fall keinen Verlust - dank der verzinsten griechischen Sicherheiten im Depot. Um welchen Betrag es genau geht, sei aber noch unklar, hieß es. "Der Deal wäre sehr vorteilhaft für Finnland, verglichen mit den Belastungen, die andere Euro-Staaten schultern müssen", kommentiert die größte finnische Zeitung Helsingin Sanomat.

Auch Deutschland hat so eine Vereinbarung nicht. Dabei sind sich die Interessen beider Länder nicht unähnlich: Die beiden starken Staaten aus dem Norden des Kontinents wissen, dass sie mehr als andere, finanziell schwächere Länder zahlen müssen. Während überschuldete Länder wie Italien und Spanien verzweifelt nach der Einführung von Euro-Anleihen rufen, lehnen Deutschland wie Finnland sie ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Ministerpräsident Nicolas Sarkozy hatten diese Bonds erst am Dienstagabend nochmals abgelehnt. Würde der gesamte Euro-Raum diese Anleihen herausgeben, würden die stabilen Staaten mit für die Krisenländer bürgen - müssten aber möglicherweise auch höhere Zinsen zahlen. Urpilainen sagte: "Unsere Position ist: Jedes Land ist verantwortlich für seine eigenen Schulden."

Wie Deutschland genießt Finnland ein vergleichsweise großes Vertrauen an den Finanzmärkten und bekommt von den Ratingagenturen die Bestnote AAA. Griechische Staatsanleihen werden dagegen als Ramsch gehandelt.

© Reuters/dapd/jab/luk

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