Schuldenkrise: Ratingagenturen:Moody's hält Portugals Staatsanleihen für Ramsch

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Mitten im neuen Streit um ihren Einfluss senkt mal wieder eine der großen Ratingagenturen ihren Daumen über einem überschuldeten Land: Moody's glaubt nicht, dass Portugal seine Schulden in den Griff bekommt - und stuft dessen Bonität um gleich vier Ebenen herab.

Die Politik attackiert die Macht der Ratingagenturen in der Schuldenkrise, doch für die Gescholtenen heißt es business as usual: Die Agentur Moody's hat Portugals langfristige Staatsanleihen auf Ramschstatus gesenkt, als erste der drei großen Agenturen.

Die neue Bonitätsnote des Landes heißt Ba2 - vier Stufen niedriger als zuvor. Portugal liegt in Moody's Bewertungsskala damit noch acht Stufen über dem Kreditausfall-Rating C, der Höchststrafe. Auch den weiteren Ausblick bewertet Moody's als negativ. Das Urteil der großen Ratingagenturen entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Konzerne, Banken oder Länder auf Kapitalmärkten Geld leihen können. Eine Herabstufung führt dazu, dass der potenzielle Schuldner Kredite nur zu höheren Zinsen aufnehmen kann - wie im Falle der Euro-Schuldenstaaten Griechenlands, Irlands und eben Portugals.

Die Ratingagentur nennt Gründe für die Herabstufung: Es gebe ein hohes Risiko, dass Portugal - wie Griechenland - ein zweites Hilfspaket benötige, bevor es an die Kapitalmärkte zurückkehren könne. Das Land erhält bereits Hilfen der Europäischen Union und des IWF über 78 Milliarden Euro. Die Agentur ist sehr skeptisch, ob Portugal in der Lage sein wird, die mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbarten Defizitziele zu erreichen.

Das bisherige Sparpaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst an den Märkten refinanziert. Laut Moody's ist aber das Risiko gestiegen, dass sich das Land im zweiten Halbjahr 2013 und einige Zeit danach nicht zu tragbaren Zinsen Geld leihen könne.

In Portugal selbst sieht man das etwas anders: Die Regierung erklärte, Moody's würde die jüngst eingeführte Sondersteuer und die politische Unterstützung für den Sparkurs nicht berücksichtigen. Zugleich versicherte sie, alles werde getan, um verschärft zu sparen. Anders als die griechische Regierung wird die Koalition in Lissabon in ihrem Sparkurs von der Opposition unterstützt, den kürzlich abgewählten Sozialdemokraten.

In Deutschland wird die Kritik an der Macht der Ratingagenturen lauter: Erst sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen aus, sich bei der Lösung der Euro-Krise auf die Agenturen zu verlassen statt auf die Institutionen EU und IWF. Jetzt meldet sich auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger zu Wort: Er griff in der Saarbücker Zeitung die Schlüsselstellung der Ratingagenturen in der Schuldenkrise an. Für die Währungsunion sei ein einheitliches Finanzierungsinstrument notwendig. "Es würde schon reichen, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds zu tauschen. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen über Griechenland gebrochen", sagte Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats, der die Regierung in Wirtschaftsfragen berät.

Nach Ansicht Bofingers lassen sich Ratingagenturen prinzipiell ersetzen - es müssten nur andere Instrumente zur Begutachtung der Kreditwürdigkeit geschaffen werden: "Nötig wären dann ein umfassendes eigenständiges Rating der Banken und Versicherungen und eine akribische Überprüfung dieser Ergebnisse durch die staatliche Finanzaufsicht."

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