Schuldenkrise in Europa Ratingagentur Moody's droht Frankreich

Die Ansage ist deutlich: Die Ratingagentur Moody's fordert von Frankreichs Regierung Reformen. Allez, vite! Ansonsten sei die Top-Bonitätsnote AAA in Gefahr. Und eine Herabstufung Frankreichs könnte den gesamten Eurorettungsschirm ins Wackeln bringen.

Die Ratingagentur Moody's droht Frankreich mit der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Innerhalb der kommenden drei Monate werde Moody's bewerten, inwieweit die französische Regierung die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Staatsdefizits umsetze, erklärte die Ratingagentur. Danach soll entschieden werden, ob Frankreich noch immer die Bestnote AAA verdient. Die Moody's-Warnung sorgte am Dienstag für Kursverluste an den Börsen und einen kräftigen Anstieg der Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen.

Die französische Regierung muss nach Ansicht der Ratingagentur Moody's tiefgreifende Reformen auf den Weg bringen - sonst droht die Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

(Foto: AP)

In ihrem jährlichen Kreditbericht erläuterte Moody's, sowohl wirtschaftliche als auch fiskale Reformen seien entscheidend, damit die Top-Bonitätsnote auch weiterhin mit einem stabilen Ausblick versehen werden könne. Schon jetzt sei die Schuldensituation in Frankreich gravierender als in den meisten anderen mit AAA benoteten Ländern. Zudem könnten im Zuge der Schuldenkrise weitere Belastungen auf die Staatskasse zukommen - etwa im Falle weiterer Hilfen für Länder oder die Banken.

Nach den USA nun Frankreich?

Neben Moody's bewerten derzeit auch die beiden anderen großen Ratingagenturen, Standard & Poor's und Fitch, Frankreich noch mit der Bestnote. Diese ermöglicht es dem Land, auf den internationalen Finanzmärkten unter günstigen Bedingungen Kredite aufzunehmen. Frankreich wäre nach den USA das zweite große Industrieland in den vergangenen Monaten, dessen Kreditwürdigkeit herabgestuft wird.

Sollte Frankreich herabgestuft werden, hat dies nach Meinung von Experten auch massive Auswirkungen auf den Eurorettungsschirm EFSF. Das Konstrukt des Rettungsschirms sei dann nicht mehr haltbar, sagte der Chef des Centrums für Europäische Politik, Lüder Gerken, der Rheinischen Post. Damit er sein Volumen halten könne, müsste Deutschland seine Garantien von bisher 211 auf 317 Milliarden Euro aufstocken.

Frankreichs Politiker nehmen die Warnungen von Moody's derzeit noch gelassen: Das Top-Rating sei nicht in Gefahr, weil Frankreich bei der Verabschiedung von Maßnahmen zum Defizitabbau sogar noch dem Zeitplan voraus sei, sagte Finanzminister Francois Baroin dem TV-Sender France 2. Er räumte allerdings ein, dass die Wachstumsprognose für das kommende Jahr zu hoch gegriffen sein dürfte. Die angestrebten 1,75 Prozent seien angesichts der schwachen Wirtschaftsaussichten aber "wahrscheinlich zu hoch".