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Schuldenkrise in Europa:Lagarde fordert politische Führung ein

"Es muss noch viel mehr geschehen": IWF-Chefin Lagarde verlangt von der EU koordinierte politische Aktionen zur Lösung der Schuldenkrise. Auch mehrere Staats- und Regierungschefs zeigen sich unzufrieden mit dem bisherigen Vorgehen in Europa - und warnen vor einer globalen Ansteckung.

Kurz vor Beginn der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank sorgt die Schuldenkrise in Europa für Zündstoff. IWF-Chefin Christine Lagarde drängte die Regierungen der Euro-Zone, aber auch in den USA zu schnellem und koordiniertem Handeln im Kampf gegen ihre Finanzkrisen. Mehrere Staats- und Regierungschefs äußerten in einem offenen Brief Unmut über die bisherigen Maßnahmen der Politik.

Christine Lagarde

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht die Politik in der Finanzkrise gefordert - und will Griechenland nicht pleite gehen lassen.

(Foto: AP)

IWF-Chefin Lagarde merkte in Washington mit Blick auf die Europäer an: "Es ist schon viel getan worden. Aber es muss noch viel mehr geschehen." Es gehe um koordinierte politische Führung. Die technischen Lösungsansätze für die bestehenden Probleme, wie die Überschuldung Griechenlands, lägen vor. Jetzt komme es darauf an, diese schnell umzusetzen.

In Hinblick auf die Euro-Krise zeigte sie Verständnis dafür, dass die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen für bessere Krisenbekämpfungsmittel und ein neues Hilfspaket für Griechenland nicht von heute auf morgen geschehen kann. Das sei Entscheidungsprozessen in der Demokratie geschuldet. Es bleibe aber dabei, dass diese Maßnahmen so schnell wie nur möglich in die Tat umgesetzt werden. Umsetzung sei aber auch das Stichwort für Griechenlands zugesicherte Sparmaßnahmen.

Lagarde machte sich ausdrücklich nicht die Empfehlung von Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zu eigen, der gesagt hatte, man sollte Griechenland wie vor einigen Jahren Argentinien insolvent gehen lassen. So etwas lasse sich nicht ohne weiteres von einem Land auf ein anderes übertragen, warnte sie. "Es geht nicht nur um Ökonomie, um Finanzen", mahnte sie in Richtung der Europäer.

Sieben Staats- und Regierungschefs äußerten in einem offenen Brief Kritik an den bislang vergeblichen Versuchen der Politik zur Eindämmung der Krise. Europa müsse entschiedener vorgehen und alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um das Risiko einer globalen Ansteckung zu bannen, forderten Australien, Großbritannien, Indonesien, Kanada, Mexiko, Südafrika und Südkorea in dem Schreiben an die G20-Präsidentschaft in Frankreich.

Auch US-Finanzminister Timothy Geithner verschärfte seine Warnungen an Europa: Eine Pleite Griechenlands müsse verhindert werden. Er räumte aber ein, dass auch der politische Streit in den USA über den Schuldenabbau in der weltgrößten Ökonomie auf der Weltwirtschaft laste.