Rabattpunkte:Jäger und Sammler

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Wer seinen Geldbeutel mit Karten von Parfümerien, Handelsketten oder Tankstellen vollstopft, begibt sich in fremde Hand. Dabei gibt's selbst für die eifrigsten Rabattsammler eine andere Alternative.

Thomas Öchsner

In den meisten Menschen steckt immer noch der Jäger und Sammler. Nur sammeln die meisten heute nicht mehr Nüsse oder Beeren, sondern Rabattpunkte. Jeder Deutsche hat im Durchschnitt vier Kundenkarten und hortet damit Punkte, um sie gegen Bargeld, Sachprämien oder Gutscheine einzutauschen. Das Sammelfieber hat jedoch seinen Preis: Die Verbraucher scheinen immer mehr zu gläsernen Kunden zu werden. Das zeigen jetzt wieder die Vorwürfe gegen den EC-Karten-Netzbetreiber Easycash.

Mutmaßlicher Datenskandal ruft Datenschützer auf Plan

Punktesammelkarten und EC-Karten können eine gefährliche Mischung sein.

(Foto: dpa)

Was kauft wer wann? Wie viel und wie oft? War das Girokonto dabei immer gedeckt? Solche Informationen sind eine wertvolle Ware. Das gilt vor allem dann, wenn sich Datensätze so verbinden lassen, dass sich von Kunden und ihrem Einkaufsverhalten persönliche Profile erstellen lassen. Ob Easycash tatsächlich seinen Datenschatz von 50 Millionen Kontoverbindungen mit den 14 Millionen Profilen von Kundenkarten verknüpft hat, erscheint derzeit eher unwahrscheinlich.

Sicher aber ist: Wer seinen Geldbeutel mit Karten von Parfümerien, Handelsketten oder Tankstellen vollstopft, begibt sich in fremde Hand. Denn keiner weiß so genau, was mit den Daten passiert und ob die Anbieter die in Deutschland geltenden Datenschutzbestimmungen einhalten. Die Unternehmer tun bislang viel zu wenig dafür, um hier für mehr Transparenz zu sorgen.

Wer deshalb auf Nummer sicher gehen will, sollte um Kundenkarten lieber einen Bogen machen. Der Sammel- und Spartrieb lässt sich trotzdem befriedigen - mit Rabattkarten, bei denen der Kunde keine privaten Informationen preisgeben muss. Der gute alte Stempel macht's möglich. Ein kostenloser Friseurbesuch ist so zum Beispiel immer drin.

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