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Sal. Oppenheim und Trinkaus & Burkhardt:Ungleiche Privatinstitute

Zwei Privatbanken - zwei völlig unterschiedliche Konstellationen: Während Sal. Oppenheim vor dem Ausverkauf steht, herrscht bei Trinkaus & Burkhardt Stabilität.

Unterschiedlicher könnte die Situation zweier Privatbanken kaum sein: Sal. Oppenheim verhandelt wegen Eigenkapitalbedarf über einen Einstieg der Deutschen Bank und einen Verkauf seines Investmentbanking an die italienische Mediobanca, was einer Zerschlagung des 220 Jahre alten Instituts gleichkäme.

Sal. Oppenheim will sein Investmentbanking los werden, doch die Sparte gilt als schwer verkäuflich.

(Foto: Foto: AP)

Die Gesellschafter um Matthias Graf von Krockow sind mit ihrer Strategie gescheitert. Sie hatten sich vor Jahren aus dem Firmenkundenkreditgeschäft verabschiedet und waren stattdessen ins Investmentbanking und Immobiliengeschäft eingestiegen.

Schadenfreude bereitet den Bankern bei Trinkaus & Burkhardt der Niedergang des langjährige Konkurrenten zwar nicht. Allerdings betont man gerne, dass man die Finger vom Immobiliengeschäft gelassen und dem angeblich "langweiligen Firmenkundenkreditgeschäft" treu geblieben sei - "mit Erfolg".

Unabhängigkeit schon lange verloren

Am Donnerstag präsentierte Bankchef Andreas Schmitz die Halbjahreszahlen. Sie können sich im Branchenvergleich sehen lassen, obwohl der Vorsteuergewinn um 9,1 Prozent auf 92 Millionen Euro sank.

Doch während andere Banken weiter unter stillen Lasten auf ihre Finanzanlagen ächzen, melden die Düsseldorfer ein Reservepolster. Ihre Unabhängigkeit hat die Bank allerdings schon lange verloren, sie gehört mehrheitlich zu Europas größtem Institut HSBC.

Als Favorit für einen Kauf des Investmentbankings von Sal. Oppenheim gilt die italienische Mediobanca. Man habe Interesse, sagte eine Sprecherin von Mediobanca am Donnerstag. Beide Häuser kennen sich seit langem und sind auf Mittelständler fokussiert. Sal. Oppenheim ist mit 1,7 Prozent an Mediobanca beteiligt.

Die Italiener haben bislang nur eine kleine Truppe mit 25 Leuten in Deutschland, wo sie im Investmentbanking expandieren wollen. Als weitere Interessenten für diese Oppenheim-Sparte mit ihren 435 Mitarbeitern gelten die britische Barclays Bank und die französische BNP Paribas.

Veraltete Führungsstrukturen

Fachleute bezeichnen das Investmentgeschäft von Sal. Oppenheim allerdings als schwer verkäuflich. Sie verweisen auf veraltete Führungsstrukturen und die Integration der Einheit in die Gesamtbank. Zöge sich der Verkauf hin, dürften gute Mitarbeiter zur Konkurrenz abwandern und der Wert dieses Zweigs könnte schnell sinken.

Als sicher gilt in Bankenkreisen eine Zustimmung der Deutschen Bank zu einem möglichen Verkauf. Das Institut hat bereits eine große Investmentabteilung und interessiert sich für das Geschäft mit vermögenden Privatkunden.

Zum Investmentbanking zählt Sal. Oppenheim seine Aktivitäten in Frankfurt und der Schweiz, hinzu kommen Büros in Paris und Mailand. In der Sparte hatte die Bank 2008 einen dreistelligen Millionenbetrag verloren. Im laufenden Jahr dürfte die Sanierung nochmals 100 Millionen Euro kosten.

Alleine der Sparte des persönlich haftenden Gesellschafters Dieter Pfundt die Schuld an der Misere zu geben, wäre indes falsch. Oppenheim hat vor allem im Beteiligungs- und Immobiliengeschäft viel Geld verloren. Pfund dürfte jedoch froh sein, dass er zuletzt nicht Cheflobbyist bei den privaten Banken geworden ist.

Stattdessen war die Wahl für einen Bankenpräsidenten auf Andreas Schmitz gefallen, der angesichts der Lage seines Hauses mehr Zeit für den Nebenjob haben dürfte. Schmitz spricht von einer drohenden Kreditklemme und bereitet T&B auf mehr Kreditausfällen bei Unternehmen vor.