bedeckt München 13°

Sal. Oppenheim:Das Ende einer Privatbank

Die Not ist groß: Die Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank geht schon jetzt über die Bühne. Zuvor war ein späterer Zeitpunkt geplant.

C. Dohmen und M. Hesse

Nach 220 Jahren steht das Ende der Unabhängigkeit von Europas größter Privatbank Sal. Oppenheim fest. Zwar bleibt der Traditionsname bestehen und die bisherigen Eigentümer beteiligt. Angesichts der geplanten Mehrheitsverhältnisse wird die Deutsche Bank jedoch künftig uneingeschränkt das Sagen bei der Privatbank haben.

In der Übernahme Sal. Oppenheims durch die Deutsche Bank liegen auch Risiken. Denn Ein Oppenheim-Kunde möchte auf keinen Fall plötzlich zum Postbank-Kunden werden."

(Foto: Foto: ddp)

Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einen Rahmenvertrag beschlossen. Danach wird die Großbank mit Sitz in Frankfurt die Luxemburger Holding von Oppenheim ganz schlucken. Die Alteigentümer bleiben lediglich an der deutschen Gesellschaft mit Sitz in Köln beteiligt, mit knapp einem Viertel.

Insgesamt zahlt die Deutsche Bank eine Milliarde Euro, teilte das Institut am Mittwochabend mit. Das Geld können die Altgesellschafter brauchen. Zuletzt schrumpfte ihr Vermögen, weil sie sich beim Handels- und Touristikkonzern Arcandor verspekuliert hatten.

Monatelange Verhandlungen

Schon zuvor verloren sie Geld bei der Mittelstandsbank IKB und der Immobiliengesellschaft IVG. Und in der Finanzkrise rächte es sich, dass die Bank stark ins Derivatgeschäft eingestiegen war. Die Gesellschafter des Traditionshauses hatten mehrfach Kapital in die Bank geben müssen. Zuletzt mussten sie sich dafür jedoch schon Geld bei Deutschen Bank leihen. Seit rund drei Monaten verhandeln beide Seiten über einen Einstieg.

Später könnte die Deutsche Bank den Gesellschaftern von Oppenheim weiteres Geld überweisen. Sie sollen eine Prämie erhalten, wenn möglichst viele Kunden dem Institut nach dem Eignerwechsel treu bleiben.

Sicher ist dies nicht. Schon jetzt umwerben Vermögensberater die Kunden. Die Oppenheim-Gesellschafter haben selbst jahrelang in ihrer Unabhängigkeit den höchsten Nutzen für ihre Kunden gesehen. "Ein Oppenheim-Kunde möchte auf keinen Fall plötzlich zum Postbank-Kunden werden", sagt ein Banker und spielte damit darauf an, dass die Deutsche Bank bald auch die größte deutsche Filialbank übernehmen wird.

Deutsche Bank befürchtet Reputationsschaden

Die Deutsche Bank will durch die Übernahme ihre schwächelnde Vermögensverwaltung stärken. Andere Bereiche wollen die Frankfurter weiterreichen, beispielsweise das Investmentbanking. Als aussichtsreicher Kaufkandidat dafür gilt die australische Bank Macquarie.

Allerdings heißt es in Finanzkreisen, Macquarie halte den Verwaltungsapparat bei Sal. Oppenheim für zu groß und wolle etliche der 450 Mitarbeiter nicht übernehmen. Die Deutsche Bank fürchte ihrerseits einen Reputationsschaden, wenn sie die Verantwortung für einen Stellenabbau tragen müsste. An dem Punkt könnten die Verhandlungen noch scheitern, heißt es. Andererseits liefen begehrte Mitarbeiter derzeit Sal. Oppenheim davon, die Zeit dränge daher.

Auch die Oppenheim-Tochter BHF steht zum Verkauf. An Teilen der Bank ist die Liechtensteiner LGT Bank interessiert. Oppenheim hatte im Winter versucht, die BHF zu verkaufen. Dies scheiterte an den Preisvorstellungen. Kein Interesse hat die Deutsche Bank dem Vernehmen nach an den Oppenheim-Esch-Immobilienfonds. Die Anteile sollen an eine Treuhandgesellschaft gehen und über die Zeit abgebaut werden.

Mehr Zeit dürften bald die persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim haben - die Deutsche Bank werde nur Christopher Freiherr von Oppenheim übernehmen, heißt es. Er soll eine führende Rolle in der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltung spielen.

© SZ vom 29.10.2009/pak

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite