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Riskante Digitalwährung:Bankenaufseher warnen Bürger vor Bitcoin-Hype

Spielgeld oder Geld der Zukunft? Der Wert der digitalen Währung Bitcoin erreicht schwindelerregende Höhen. Jetzt reagiert die europäische Bankenaufsicht.

Für die einen sind sie eine Alternative zum Geld und der Macht der Zentralbanken, für die anderen ein gefährliches Spekulationsobjekt: Bitcoins. Jetzt warnen Europas Bankenwächter vor digitalen Währungen, weil sie zuletzt Renditen versprachen, wie man sie sonst nur von Schneeballsystemen kennt.

Die europäische Bankenaufsichsbehörde (EBA) erklärte, Bitcoins seien ein großes finanzielles Risiko für Verbraucher. Diese seien durch keinerlei staatliche Aufsicht geschützt und könnten viel Geld verlieren.

Bitcoins waren 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung einführen wollte. Um das virtuelle Geld zu erschaffen, müssen Computer komplexe Verfahren berechnen, ihre Besitzer also Zeit und Rechnerleistung investieren. Die maximale Geldmenge ist begrenzt, Wechselkurse zu echten Währungen schwanken stark.

In den zurückliegenden Monaten sind Bitcoins immer mehr zum Spekulationsobjekt geworden. Erst in der vergangenen Woche stieg der Kurs auf mehr als 1000 US-Dollar je Einheit. In nur wenigen Tagen hatte sich der Kurs verdoppelt. Geschichten von einzelnen Anlegern, die früh genug einstiegen und mit wenigen Bitcoin zu Millionären wurden, heizen den Boom an. Die EBA verweist ausdrücklich darauf, dass sich Käufer bei allen Schlagzeilen über Bitcoins der Risiken bewusst sein müssten.

Die Aufseher warnen, dass die Internet-Plattformen, auf denen virtuelle Währungen gehandelt oder gespeichert würden, keine Banken sind - gehen sie pleite oder stellen den Betrieb ein, könne das Geld für immer verloren sein. Konten bei Banken sind zum Beispiel in Deutschland bis zu 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung garantiert. Virtuelle Konten könnten von Hackern geplündert werden, erklärt die EBA.

Erst vor einer Woche hatte die französische Zentralbank vor Bitcoins gewarnt; die chinesische Zentralbank verbot den Finanzinstituten des Landes sogar den Handel damit. Der Chef der US-Zentralbank Fed, Ben Bernanke, dagegen hatte neben Bedenken wegen Betrugs mit Internetwährungen auch das "langfristige Potenzial" von Bitcoins gelobt - das System könne Zahlungen schneller, sicherer und effizienter machen, sagte er im November.

© SZ.de/AFP/jab/sana
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