Ringen um Rettung Griechenlands "Wir haben genug von kurzfristigen Maßnahmen"

Problematisch dabei: Selbst die Troika ist sich uneins darüber, ob den Banken derart hohe Einbußen auferlegt werden sollen. Eine Fußnote sagt deutlich, dass die Europäische Zentralbank, selbst Mitglied der Troika, mit der geplanten Höhe des Schuldenschnitts nicht einverstanden ist.

"Es ist offensichtlich, dass ein substanzieller Schuldenschnitt notwendig ist", sagte hingegen Schwedens Finanzminister Anders Borg. Nach Angaben der Wiener Ressortchefin Maria Fekter wurden schon konkrete Mandate ausformuliert. Mit denen soll der Chef des EU-Wirtschafts- und Finanzausschusses, Vittorio Grilli, die Verhandlungen mit den Banken starten. Einigen sich die EU-Finanzminister auf einen Schuldenschnitt in Höhe von 50 bis 60 Prozent, wird der EU-Gipfel am kommenden Mittwoch den Auftrag dazu erteilen.

Der britische Finanzminister George Osborne übte scharfe Kritik am Vorgehen der Euro-Partner: "Die Krise in der Euro-Zone bewirkt große Schäden in vielen europäischen Volkswirtschaften, darunter Großbritannien", schimpfte er in Brüssel, und fügte hinzu: "Wir haben genug von kurzfristigen Maßnahmen, genug davon, Pflaster draufzukleben, die uns nur durch die nächsten paar Wochen bringen." Europa müsse die Ursachen für die Krise angehen. Gebraucht werde eine umfassende und dauerhafte Lösung für die Krise, damit das Wachstum in Europa wieder anspringen könne.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat angesichts der Entwicklungen eine Änderung der EU-Verträge verlangt. Die EU und der Internationale Währungsfonds sollten notfalls das Recht erhalten, direkt in nationale Haushalte von Staaten einzugreifen, die ihre Budgetziele nicht einhielten, sagte er in Brüssel. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn kündigte umgehend Widerstand an. "Wir brauchen jetzt Entspannung und keine Einpeitscher", sagte er.

Eine stärkere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit sei auch auf Grundlage der bestehenden Verträge möglich. "Es ist wichtig, dass wir keine weitere Front aufmachen", sagte Asselborn. "Es kann nicht sein, dass die innenpolitischen Erwägungen auch des größten Landes alles überwiegen."

Mit Material von dapd und AFP.