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Reinfall bei der Geldanlage:Caritas zofft sich mit der Commerzbank

Mehr als eine halbe Million Euro, unter der Maßgabe sicher: Die Commerzbank sollte Ruhegehälter der Caritas verwalten. Doch jetzt sind 280.000 Euro futsch.

Wohlfahrtsverband gegen Großbank, Streitwert 277.000 Euro. Der Caritasverband Frankfurt und die Commerzbank treffen sich am 24. Mai vor dem Landgericht Frankfurt. Die katholische Sozialeinrichtung hat das Institut wegen schlechter Anlageberatung auf Schadenersatz verklagt. Die zweitgrößte Bank Deutschlands empfahl dem Verband, 505.000 Euro in riskanten Produkten anzulegen, die danach dramatisch an Wert verloren.

Commerzbank mit neuem Logo

Mehr als eine halbe Million Euro hatte die Caritas bei der Commerzbank angelegt, doch jetzt ist ein Großteil des Geldes weg.

(Foto: dpa)

"Das Geld war für die Auszahlung von Altersteilzeit-Gehältern vorgesehen", sagt Stefan Ahrendt, der Verwaltungsleiter des Caritasverbands. Etwa 30 der 1300 Mitarbeiter hätten es in den vergangenen Jahren angespart. Das Alterszeitmodell sieht zum Beispiel vor, dass ein Beschäftigter zwei Jahre voll arbeitet und dann in eine zweijährige Ruhephase übergeht. Sein Gehalt liegt in den gesamten vier Jahren bei etwas über 50 Prozent dessen, was er bei einem Vollzeitjob hätte. Da der Beschäftigte in der Ruhephase kein Geld mehr verdient, muss es in der aktiven Phase angespart werden. Das Gesetz schrieb ab 2005 vor, dass diese angesparten Ansprüche gegen Insolvenz geschützt werden müssen. Deshalb suchte der Caritasverband für die 505.000 Euro, die damals auf dem Konto waren, nach einer sicheren Anlage-Möglichkeit.

"Die Commerzbank empfahl uns einen Fonds namens ABS-Corent", sagt Ahrens. Man habe darauf hingewiesen, dass das Geld sicher angelegt werden soll, "schließlich wollten wir mit den angesparten Gehältern unserer Mitarbeiter nicht spekulieren".

Erst ging es nur leicht runter, später dann rasant

Bei ABS-Fonds handelt es sich um Wertpapiere, die mit verbrieften Krediten hinterlegt sind. Sie erlangten traurige Berühmtheit, weil sie ab 2008 massiv einbrachen und damit Hauptauslöser der Finanzkrise waren. So erging es auch dem ABS-Corent. "Im Sommer 2008 waren erste leichte Verluste zu verzeichnen, im Herbst ging es dann rasant nach unten", erzählt Ahrendt. Im Februar 2009 habe der Caritasverband die Reißleine gezogen und den Fonds mit einem Verlust von rund 50 Prozent verkauft. Der Schaden beläuft sich abzüglich der Ausschüttungen in den ersten Jahren auf 277.000 Euro.

"Was uns richtig ärgert, ist, dass die Commerzbank den ABS-Fonds als sicher dargestellt hat", sagt Ahrendt. Der Caritasverband könne das auch beweisen. Es gebe eine Tabelle der Bank, in der das Risiko des ABS-Corent genauso hoch eingestuft werde wie bei einem sicheren Rentenpapier. Die Commerzbank wollte sich zu dem Fall nicht äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Die betroffenen Beschäftigten des Caritasverbands müssen aber nicht um ihr Altersteilzeit-Gehalt fürchten. "Wir haben den Betrag vorerst aus Rücklagen ersetzt", sagt der Verwaltungschef. Aber weh getan habe der Schaden schon, schließlich handle es sich bei der Caritas um eine gemeinnützige Organisation, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sei. Fast wie die Commerzbank.