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Reetdächer in Gefahr:Aggressiver Pilz lässt Dächer verrotten

Vor allem zwei Vertreter dieser Gruppe, Pycnoporus cinnabarinus und Trametes versicolor, erwiesen sich dabei als besonders fleißig: In Laborversuchen reduzierten sie innerhalb von zehn Wochen rund 80 Prozent der Trockenmasse des Reets, wie der Projektleiter und Mikrobiologe Frieder Schauer sagt. Zudem sei die Elastizität und Stabilität des verbliebenen Reets stark beeinträchtigt. "Diese Pilze, ursprünglich auf kleinen Ästen und Reisig beheimatet, können das Reet sehr effektiv zerstören", sagt Schauer.

Das Problem trat laut dem Greifswalder Pilzexperten Hanns Kreisel erstmals in den 1980er Jahren in Dänemark, später in den Niederlanden auf. Seit rund 15 Jahren wird es auch immer öfter in Norddeutschland beobachtet. Warum sich die Pilze zunehmend auf Reetdächern ansiedeln, ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. "Wir gehen aber davon aus, dass die veränderten Umweltfaktoren eine bedeutende Rolle spielen", erklärt Mikrobiologe Schauer. Die Pilze liebten für ihr Wachstum Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 bis 35 Grad. Zudem gebe es weniger Winter mit Frosttemperaturen, die das Röhricht absterben ließen. Das Rohr werde somit feuchter geerntet.

Die Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet erwartet von den Forschern nun Handlungsempfehlungen für die rund 300 Reetdachdeckerbetriebe in Deutschlands Norden. Denn nach ihren Erkenntnissen haben auch handwerkliche und konstruktive Fehler beim Bau von neuen reetgedeckten Häusern die Bedingungen für das Wachstum des Pilzes optimiert. So werde das Rohr teilweise vor dem Verlegen nicht mehr ausreichend getrocknet. Die Gaubendächer seien zu flach konstruiert, Bäder und Zimmer in den in früheren Generationen unbewohnten Reethaus-Obergeschossen sorgten dafür, dass auch Feuchtigkeit von innen an das Rohr dringe. Zudem werde angesichts des hohen Marktdrucks immer mehr Rohr aus anderen Ländern importiert - möglicherweise auch Material minderer Qualität.

Die Forscher wollen in einer weiteren Studie die Reetarten auf den Ligningehalt überprüfen. Denn je höher der Holzanteil ist, desto beständiger ist das Rohr gegen die aggressiven Pilze.

© sueddeutsche.de/Martina Rathke, dpa/gf
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